Fast unsichtbar hängt das Hygienerollo über der Theke einer Bäckerei. FOTO: KRATZ
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Fast unsichtbar hängt das Hygienerollo über der Theke einer Bäckerei. FOTO: KRATZ

Hygienerollo statt Bodenbelag

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
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Ideen muss man haben - der Raumausstattermeister Florian Kratz baut nun Hygieneschutzrollos statt Sonnenschutz. Damit werden in Metzgereien, Bäckereien und Geschäften mit Kundenkontakt die Beratungsbereiche coronagerecht umgestaltet. Die Rollos sind gefragt.

Normalerweise verlegen Florian Kratz und seine Mitarbeiter Bodenbeläge, polstern Sessel auf und versorgen Wohnzimmer mit schönen Gardinen. Auch für Wandgestaltung wird gesorgt. Doch was ist schon normal in Zeiten der Corona-Einschränkungen. Denn Arbeiten in den Häusern und Geschäften sind zurzeit nur beschränkt möglich.

So verlegt sich der Raumausstattermeister auf Hygienerollos, also die Produktion von Abtrennungen zwischen Verkaufs- und Kundenbereich in Geschäften. Und das kommt gut an, aktuell ist die Firma aus Ruppertenrod ausgelastet. Am Anfang stand ein Problem, wie der 26-Jährige erläutert. "Mir wurden innerhalb von drei Tagen Aufträge für vier Monate abgesagt." Da war guter Rat teuer, wie zwei fest Angestellte auf eineinhalb Stellen und der Auszubildende beschäftigt werden können. Zudem laufen ja die Fixkosten des Unternehmens weiter.

Aber viele Privatkunden haben Aufträge abgesagt, die Ausstattung in einem Pflegeheim konnte nicht eingebaut werden. Teilweise lag das auch daran, dass andere Handwerker nicht arbeiten konnten. "Wenn die Wände nicht gemacht sind, können keine Gardinen aufgehängt werden", sagt Kratz.

So meldete er zunächst Kurzarbeit für seine Mitarbeiter an, muss die Mittel aber nicht in Anspruch nehmen. Denn er sagte sich, "wir müssen irgendetwas machen, damit die Mitarbeiter beschäftigt sind". So setzt man auf Kundenberatung ohne direkten Kontakt. Er packt Musterpakete für Bodenbeläge, Gardinenstoffe und Möbelbezüge, die zu den Kunden gebracht oder per Post geschickt werden.

Normalerweise wären diese im Ausstellungsraum in Ruppertenrod vorbeigekommen, "wir haben einige 100 Vorhangstoffe". Zudem kam er auf die Idee mit den Hygienerollos, die den Verkaufs- oder Beratungsbereich in Läden vom Kunden abschirmen. Dabei wird eine schwer entflammbare PVC-Folie mit einer Rollo-Mechanik kombiniert. Darüber informierte er zahlreiche Geschäfte der Umgebung und es kamen gleich viele Bestellungen herein.

Die Breite und Länge kann variiert werden, was ein Anpassen an die Situation vor Ort erleichtert. "In manchen Geschäften braucht man einen 2,60 m langen Rollo, der direkt an der Decke angebracht wird", sagt Kratz. Bei höheren Verkaufsräumen wird ein Gestell montiert, um das Rollo zu befestigen.

Damit die Folie glatt hängt, ist unten eine Abschlussleiste angebracht. Mit einer Kette kann die Höhe eingestellt werden. "Dann kann man auch etwas darunter durchreichen", sagt Kratz. Die Rollos können auch in Büros angebracht werden, um Arbeitsplätze voneinander zu trennen. Und wenn die Corona-Pandemie vorbei ist, "wird der Rollo hochgezogen bis zur nächsten Grippewelle".

Die Lieferzeit beträgt aktuell rund fünf Arbeitstage. Ein Problem ist, dass die PVC-Folie schwieriger zu bekommen ist. Wegen des Bedarfs an Abtrennungen ist die Nachfrage hoch. In Geschäften wird ansonsten gerne ein kleineres oder größeres Gestell mit Holzleisten und Folie genutzt. Der Vorteil der Rollos ist, dass sie leicht zu bedienen sind und man braucht nachher keinen Lagerplatz.

Die Hygienerollos kommen gut an, "wir sind ausgelastet", sagt Kratz. Das haben auch andere bemerkt. Firmen haben die Idee übernommen und bieten entsprechende Sets an.

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