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Zukunftspakt für fünf Jahre soll Arbeitsplätze sichern

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Zwischendurch war Funkstille bei den Verhandlungen, jetzt überrascht die Firma Kamax mit einem Zukunftspakt. Beschäftigte arbeiten künftig pro Woche zwei Stunden mehr.

Eineinhalb Jahre wurde gerungen. Zwischendurch brachen die Gespräche ganz ab, doch am Ende steht eine Vereinbarung im Konflikt zwischen der Geschäftsleitung der Kamax-Gruppe und der Verhandlungskommission aus Gewerkschaft und Betriebsrat. Das Ergebnis der Vereinbarung gab Marc Kennedy (Referent Unternehmenskommunikation) am Freitag in einer Pressemitteilung bekannt. Die Gewerkschaft mochte sich nicht an der Stellungnahme beteiligen.

Danach hat die Geschäftsleitung der Kamax GmbH & Co. KG, der deutschen Produktionsgesellschaft der Kamax-Gruppe, mit der Verhandlungskommission der Gewerkschaftsmitglieder sowie der IG Metall eine Einigung erreicht. Das Ziel ist die langfristige Sicherung der Produktionsstandorte Homberg und Alsfeld. In einer Abstimmung in dieser Woche hatten die wahlberechtigten Mitarbeiter einem sogenannten "Zukunftspakt" in Form eines Ergänzungs-Tarifvertrags zugestimmt. Während die Kamax von einer "klaren Mehrheit" für die Einigung spricht, heißt es seitens der Gewerkschaft, es habe ein "eher knappes Ergebnis" gegeben.

Der Ergänzungs-Tarifvertrag wurde nun nach Ablauf der Widerspruchsfrist am Freitag offiziell wirksam, so dass die zwischenzeitlich ausgesetzten Verhandlungen über einen Interessensausgleich und Sozialplan eingestellt werden konnten. Die Geschäftsleitung der Produktionsstandorte und die Geschäftsführung der Kamax-Gruppe begrüßen in ihrer Stellungnahme die getroffene Einigung. Denn dadurch werde die Grundlage und die Chance geschaffen, "die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern und die Produktionsstandorte Homberg und Alsfeld auf die Zukunft auszurichten". Der Zukunftspakt läuft fünf Jahre. Die Einigung umfasst für diese Dauer auf Arbeitnehmerseite eine unentgeltliche Erhöhung der Wochenarbeitszeit um zwei Stunden (von jetzt 35 auf dann 37 Stunden) sowie die Verschiebung zukünftiger Tariferhöhungen bis zur Wirksamkeit der jeweils nächsten Tariferhöhung.

Bei einer entsprechenden Produktivitätssteigerung hätten die Mitarbeiter jedoch die Möglichkeit, den vollständigen finanziellen Ausgleich der jeweils verschobenen Tariferhöhung in Form einer Einmalzahlung zu erreichen. Im Gegenzug verzichtet die Gesellschaft für die Laufzeit des Zukunftspakts auf betriebsbedingte Beendigungskündigungen und sichert für Homberg und Alsfeld Investitionen und standortfördernde Maßnahmen in Höhe von insgesamt 35 Millionen Euro zu. Darüber hinaus hält das Unternehmen Angebote zur Altersteilzeit beziehungsweise Vorruhestandsregelungen aufrecht und bietet zukünftig durchschnittlich zehn neue Ausbildungsplätze pro Jahr.

Zudem werden Auszubildende nach erfolgreichem Prüfungsabschluss in unbefristete Arbeitsverhältnisse übernommen. Trotz erfolgreichen Wachstums der weltweit agierenden Kamax-Gruppe sei die Wettbewerbsfähigkeit der Standorte Homberg und Alsfeld in den letzten Jahren im internen und externen Vergleich zurückgefallen. Die Umsetzung der geplanten Maßnahmen ist laut Geschäftsführung "eine wesentliche Voraussetzung dafür, zukünftig wieder innovative Produkte an den beiden mittelhessischen Standorten zu platzieren und in die Serienfertigung zu überführen".

Der Zukunftspakt bietet nun den Werken Homberg und Alsfeld die Chance, wieder eine führende Rolle innerhalb der Kamax-Gruppe zu erlangen.

Bei der IG Metall war man bereit, das Ergebnis der betrieblichen Abstimmung zu akzeptieren, auch wenn der Preis recht hoch sei, wie Bevollmächtiger Stefan Sachs auf Anfrage sagte. Schließlich gehe es aber um die Frage, "ob es 2020 dort noch gewerbliche Arbeitsplätze gibt und ein Blaumann ein- und ausgeht." Das jetzige Ergebnis spricht laut Sachs dafür, dass es so sein wird. Die Belegschaft sei bereit, ihren Anteil zu leisten, jetzt sei das Management dran. Denn die Firma sei nicht notleidend. Er hat Verständnis dafür, dass die Mitarbeiter endlich zu einem Ende kommen wollten, "auch wenn die Mitte bei dieser Vereinbarung nicht ganz getroffen worden ist."

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