Auf der Kuppe hinter Deckenbach (vorn) am rechten Bildrand soll ein weiteres Windrad angrenzend an den Windpark Amöneburg errichtet werden. FOTO: JOL
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Auf der Kuppe hinter Deckenbach (vorn) am rechten Bildrand soll ein weiteres Windrad angrenzend an den Windpark Amöneburg errichtet werden. FOTO: JOL

Zähe Verhandlungen um Windrad

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
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Homberg(jol). Es sollte eigentlich einen ganzen Schritt voran geben, aber am Ende der Sitzung reichte es nur zu einem Trippelschrittchen. Denn der Bauausschuss der Homberger Stadtverordnetenversammlung konnte sich am Montag nicht zu einer Entscheidung über Wegerechte für eine Windenergieanlage bei Deckenbach durchringen. Die Abgeordneten wollen Klarheit, wie viel die Stadt in den nächsten Jahren erhält. Bislang sind etwa 10 000 Euro im Gespräch, aber es gibt Unsicherheiten. Nun soll der Magistrat einen Vertrag mit Projektierer juwi erarbeiten, der bei einer Sitzung im Januar beraten werden kann. Dabei betonten einige Abgeordnete, dass sie an einer Einigung interessiert sind.

Grundlage der Debatte war eine Präsentation von juwi-Projektleiter Markus Steinhöfer. Er erinnerte daran, dass die Diskussionen bereits seit 2017 laufen. Dabei geht es um eine Anlage mit einer Gesamthöhe von 240 Meter, die in der Verlängerung des Windparks Amöneburg auf einer Anhöhe zwischen Deckenbach und Haarhausen errichtet werden soll. Alle Untersuchungen zu Naturschutzfragen seien bereits abgeschlossen, sagte Steinhöfer. Die Offenlage der Planungen kann im April erfolgen. Das Grundstück liegt im Staatsforst, die Pacht geht an das Land. Die Stadt ist lediglich bei der Verlegung des Stromkabels zum Einspeisepunkt nahe Ober-Ofleiden sowie bei der Wegenutzung für Bau und Wartung beteiligt. Es geht also um ein Entgelt dafür, entlang von Feldwegen eine 5,2 Kilometer lange Leitung nach Ober-Ofleiden zu legen. Dabei werden Feldwege der Stadt genutzt. Unklar ist noch, welche Strecke die Schwerlast-Lkw nehmen, um die gewaltigen Bauteile auf die Kuppe bei Deckenbach zu bringen.

Steinhöfer stellte drei Varianten vor: Über Feldwege von Haarhausen her, über die Landstraße von Gontershausen und über Landstraßen von Rüddingshausen her. Der Magistrat der Stadt hat laut Steinhöfer für die Kabeltrasse 1,20 Euro pro Meter jährlich gefordert, bei der Wegenutzung sollten es 1,50 pro Meter sein. Das Geld solle zehn Jahre lang fließen, dazu eine Einmalzahlung von 5000 Euro. "Wir haben die Forderung akzeptiert", sagte Steinhöfer. Das Paket würde auf etwa 10 000 Euro jährlich hinauslaufen, wenn die Baustrecke über Haarhausen genutzt werde.

Vertrag angeregt

Daraus folgt ein Dilemma. So forderte Nicholas Lein (CDU), die Wegstrecke beim Bau zu nutzen, die möglichst wenig Beeinträchtigungen für Anwohner und Natur bedeutet. Das spricht für eine Baustraße durch Gontershausen. Michael Fina (SPD) wiederum wollte, dass möglichst viel Geld fließt, um Verbesserungen für die Bürger zu ermöglichen, welche die Anlage dann vor der Nase haben. Das wäre bei der Zuwegung über Haarhausen gegeben. Eckhard Hisserich (DBH) wollte keine Baulast auf den Feldwegen "für billiges Geld".

Norbert Reinhardt (CDU) wandte ein, dass erst klar sein müsse, welche Baustraße genutzt werde. Mit drei Varianten könne man nicht in die Sitzung der Stadtverordneten gehen. Bernd Reiß, Ortsvorsteher von Deckenbach, schlug einen Vertrag vor. Darin könnte geregelt sein, dass ein geringer Betrag pro Kilowattstunde kWh an die Stadt fließt. Der Betreiber kann einen günstigen Stromtarif für die Bewohner der Nachbardörfer bieten, und es kann eine feste Summe an die Dörfer gehen.

Steinhöfer versprach, die Vorschläge "mitzunehmen", hatte aber Einwände. So muss juristisch geprüft werden, ob direkte Zahlungen an die Stadt erlaubt sind. Eine Beteiligung an den Erlösen für Strom sei gerade in der Gesetzgebung. Ein Grundproblem ist, das juwi nur plant, dann aber ein anderes Unternehmen die Anlage betreibt.

Am liebsten wäre es Reinhardt, wenn die Betreiberfirma ihren Sitz in Homberg hat. Dann komme auch Gewerbesteuer herein, das sei ansonsten nicht gesichert, wie die Erfahrungen mit wechselnden Eigentümern in einem Nachbar-Windpark zeigten.

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