Polizisten stehen in Maulbach aufgebrachten Anwohnern gegenüber. In dieser Woche mündete der Protest gegen Waldrodungen in heftigen Auseinandersetzungen. FOTO: PM
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Polizisten stehen in Maulbach aufgebrachten Anwohnern gegenüber. In dieser Woche mündete der Protest gegen Waldrodungen in heftigen Auseinandersetzungen. FOTO: PM

Woge des Ärgers schlägt hoch

  • Kerstin Schneider
    vonKerstin Schneider
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Homberg-Maulbach(ks). Sehr aufgebracht waren in dieser Woche Maulbacher, die angesichts der Rodungen im Wald ihren Protest kundtun wollten. Im Laufe des Mittwochs spitzte sich die Lage dann zu und endete in Zusammenstößen mit der Polizei. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sich der Unmut schon wegen des hohen Polizeiaufgebots aufgestaut. Bewohner sprachen gar von "Einschüchterung" und "Psychoterror".

In der Wäldershäuser Straße hätten schließlich fünf Polizei-Kleinbusse auf der einen und ein Polizeiauto auf der anderen Seite gestanden. Ein Anwohner habe die Insassen des Pkw darauf aufmerksam gemacht, dass sie auf einem Privatgrundstück stehen und wegfahren sollten. Darauf seien mehrere Polizisten aus den Bussen gestiegen und hätten den Mann heftig weggestoßen und ihn nach seinen Protesten zu Boden geworfen. Dabei habe er sich am Auge verletzt. Seine Frau habe einen Krankenwagen gerufen. Der Anwohner sei von der Polizei in Richtung einer Gastwirtschaft geführt worden. An dieser Stelle war zu dieser Zeit die Straße in Fahrtrichtung nach Homberg gesperrt.

Polizei spricht von Alkoholisierung

Vor dem Krankenwagen ergab sich dann laut Zeugen ein Disput zwischen dem Maulbacher und der Polizei. Der Mann habe sich "verteidigt und Widerstand gegen die Polizeigewalt ausgeübt". Ein anderer Bewohner des Dorfs habe versucht, zu schlichten. Auf dem Rückweg sei dieser von einem Polizisten "ohne ersichtlichen Grund" heftig gestoßen worden. Der Maulbacher habe dann mit seinem Smartphone die Dienstnummer des Polizisten fotografiert, woraufhin letzterer versucht habe, ihm das Handy zu entreißen. Das wollte der Maulbacher nicht zulassen, darauf sei er von dem Polizeibeamten zu Boden geworfen, gefesselt und festgesetzt worden.

Aufgrund der Unmutsbekundungen der zahlreichen Maulbacher habe die Polizei einen "regelrechten Sperrriegel" aufbaut, so Augenzeugen. 30 Polizisten hätten rund 20 Maulbachern gegenübergestanden. Nach einigen Minuten beruhigte sich die Situation.

Schon vorher hatten Maulbacher Anstoß daran genommen, dass immer wieder Baufahrzeuge ohne oder mit einem verdeckten Nummernschild durch den Ort und auf den Straßen zu Nachbarorten unterwegs gewesen seien. Mehrfach sei die Polizei darauf hingewiesen worden, sie habe aber nicht eingegriffen.

Die Polizei teilte mit, dass während des Einsatzes gegen am Mittwochabend zwei Männer festgenommen und wenig später nach den polizeilichen Maßnahmen wieder entlassen wurden. Die beiden Männer hätten vor ihrer Festnahme versucht, durch eine polizeiliche Absperrung zu kommen. Der mehrfachen Aufforderung, dies zu unterlassen, seien sie nicht nachgekommen.

Sie seien daher durch "Anwendung körperlicher Gewalt zu Boden gebracht" und festgenommen worden. Dabei sei eine Person leicht verletzt worden, eine ärztliche Versorgung sei nicht notwendig gewesen. Die Polizei weiter: "Es stellte sich heraus, dass beide Personen offenbar zuvor eine Gaststätte besucht hatten und stark alkoholisiert waren."

Baufahrzeuge ohne Nummernschild

Gegen die beiden seien Strafanzeigen wegen des Verdachts des Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte gefertigt worden. Die Ermittlungen dauerten noch an. Betont wurde ferner, die Polizei habe in "enger Abstimmung mit den Forstämtern und den Fachfirmen" sogenannte Sicherheitsbereiche festgelegt. Das Ziel sei es, zu verhindern, dass Personen durch Fällarbeiten für die Autobahn gefährdet werden. "Im Einzelfall hat die Polizei aus taktischen Gründen für sich Flächen gesperrt, beispielsweise um dort Einsatzfahrzeuge zu parken."

Was Baufahrzeuge ohne Nummernschilder angeht, so sagte ein Polizeisprecher, zulassungspflichtige Fahrzeuge müssten nach den Vorschriften im öffentlichen Straßenverkehr mit amtlichen Kennzeichen versehen sein. Ausnahmen seien nur in sehr begrenztem Umfang zulässig.

Wenn bekannt werde, dass gegen die Verkehrsordnung verstoßen wird, dann gehe die Polizei dem nach und leite Ermittlungen ein. Abgeklebte Firmenschriftzüge auf Fahrzeugen dienen dagegen laut Autobahnplanungsgesellschaft Deges "dem Schutz der Mitarbeiter und Geräte der beteiligten Firmen", denn es habe bereits Drohungen gegeben.

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