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Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm spricht eine Grußbotschaft zur Maulbacher Lutherfeier.

Wo Luthers Kutsche fuhr

  • vonCarsten Simmer
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Homberg-Maulbach (csi). Die evangelische Kirchengemeinde Maulbach begeht mit einer Videoandacht unter dem Titel “Ein feste Burg„ das Jubiläum der Reise des Reformators Martin Luther zum Reichstag in Worms 1521. Vor 500 Jahren kam Luther auf seinem Hinweg nach Worms am 12. April 1521 und auf seinem Rückweg von Worms am 30. April 1521 durch die hiesige Gegend.

Die Andacht gestalteten Pfarrer Alexander Starck, Kirchenvorstandsmitglied Carsten Simmer und ein Bläserensemble des evangelischen Posaunenchors Maulbach unter der Leitung von Frank Dörr am sogenannten Krehlingskreuz im Wald bei Maulbach. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, sandte eine Grußbotschaft nach Maulbach: “Es ist wirklich etwas sehr Besonderes, dass Sie auf diese Weise ein Stück Anteil an einem Akt der Weltgeschichte haben.„

Was einst im Wald geschah

Die Andacht schlägt die Verbindung der weltgeschichtlichen Lutherreise nach Worms zum Krehlingskreuz und der Maulbacher Dorfgeschichte.

Das Maulbacher Kirchenvorstandsmitglied Carsten Simmer hatte die Idee zur Andacht und ergriff dazu die Initiative. Im Video erläutert er den historischen Hintergrund. In alter Zeit verlief durch die hiesige Gegend, durch den Wald und die Gemarkung bei Maulbach, die Handelsstraße von Frankfurt nach Leipzig. Luther nahm vor 500 Jahren wohl diese Straße. Schon damals stand das Krehlingskreuz am Wegesrand, welches 1426 erstmals bezeugt ist, berichtet Carsten Simmer.

Das Krehlingskreuz befindet sich im Wald zwischen Maulbach und Ehringshausen. Es bezeugt nach mündlicher Überlieferung die Stelle, an der ein Fuhrmann namens Krehling ums Leben kam - bei einem Streit um die Vorfahrt, durch einen umstürzenden Wagen oder durch einen Überfall. Entweder stellte seine Familie das Kreuz als Gedenkkreuz oder der Täter das Kreuz als Sühnekreuz auf.

Wie in der Liedzeile “Christ ist erschienen, uns zu versühnen„ sei es Luthers Thema gewesen, dass Christus unsere Beziehung zu Gott ausgesöhnt habe, schlug Carsten Simmer den Bogen vom Sühnekreuz zum Reformator.

Und eine weitere Verbindung gebe es: Martin Luthers Reise endete schließlich - wie die des Fuhrmanns Krehling - auch mit einem Überfall und seiner Entführung auf die Wartburg. Luther, der mit einem einspännigen Wagen reiste, habe möglicherweise auch Vorspanndienste in Anspruch genommen - bis zu der höchsten Stelle im Wald, die “Abspann„ heiße, weil dort die zusätzlich vorgespannten Pferde wieder abgespannt werden konnten.

Die musikalische Gestaltung übernahm eine Bläsergruppe des evangelischen Posaunenchors Maulbach. Das Bläserensemble stand dabei mit gehörigem Abstand untereinander um das Krehlingskreuz herum und beeindruckte mit hoher musikalischer Qualität. Die Bläsergruppe stimmte mit glasklaren, hellen Tönen die beiden Lutherlieder “Nun freut euch, liebe Christen g’mein„ und “Ein feste Burg ist unser Gott„ an.

Pfarrer mit Luther-Barett

Der Liedtext von “Ein feste Burg„ wurde von Pfarrer Alexander Starck “angedacht„. Im Lied drücke sich ein großes Vertrauen in Gottes Wirken in unserer Welt aus. “Mir stellt sich die Frage, was Martin Luther wohl alles durch den Kopf gegangen sein mag. Vielleicht hat die Reise dazu beigetragen, seine Gedanken weiter zu festigen.„ Pfarrer Starck trägt in der Andacht Talar und Luther-Barett. Man darf sich daran erinnern, dass die Amtstracht der evangelischen Geistlichen letztlich von Luthers Amtstracht als Doktor der Theologie an der Universität Wittenberg herstammt. Luthers Auftritt vor dem Reichstag in Worms markiere “500 Jahre standhaftes Eintreten für die eigenen Überzeugungen„, erklärt Alexander Starck.

Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm trug eine Grußbotschaft zur Videoandacht bei, nachdem ihn Carsten Simmer, der Finanzchef der EKD ist, darum gebeten hatte. Heinrich Bedford-Strohm richtet seine Worte direkt an die “Schwestern und Brüder in der Kirchengemeinde Maulbach„. Mit Freude sei er sofort zu einer Grußbotschaft entschlossen gewesen, als er erfahren habe, dass Martin Luther “durch das Gebiet Ihrer Kirchengemeinde Maulbach gekommen ist, an diesem so besonderen Weg„ und dass die Kirchengemeinde dazu eine Andacht feiere.

Man müsse sich vorstellen, wie es Luther mit Zittern und Zagen auf seiner Reise gegangen sei. Es sei gut, dieses Weges zu gedenken. Damals sei es tatsächlich um die “Freiheit eines Christenmenschen„ gegangen, die Luther in seiner Schrift und durch sein Handeln bezeugt habe. Auch heute gehe es darum, dass wir “unseren Mann und unsere Frau stehen„, so der EKD-Ratsvorsitzende. Bedford-Strohm schließt: “Ich wünsche Ihnen allen und zum Gedeihen Ihrer Kirchengemeinde Gottes Segen.„

Das Bläserensemble des evangelischen Posaunenchors Maulbach spielt am Krehlingskreuz.

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