"Wir können" gilt auch für die Schadenbacher

Homberg-Schadenbach (kli). Im feierlichen Ambiente der Dorfkirche begingen Schadenbacher und ihre Gäste die Eröffnung der Festlichkeiten "650 Jahre Schadenbach".

Homberg-Schadenbach (kli). Im feierlichen Ambiente der Dorfkirche begingen Schadenbacher und ihre Gäste die Eröffnung der Festlichkeiten "650 Jahre Schadenbach". Pfarrerin Brigitte Schrag begrüßte etwa 150 Besucher, es folgte das Lied "Herr wir bitten" zur Gitarrenbegleitung durch Pfarrer Werner Schrag. Nach dem Segen überbrachte Ortsvorsteher Horst Scholl in seiner Ansprache Grüße von Ortsbeirat und Festausschuss. Erster Stadtrat Armin Klein übermittelte Grußworte der städtischen Gremien und von Bürgermeister Volker Orth. Klein bezeichnete den Tag als Freudentag, an dem der Startschuss für weitere Veranstaltungen gegeben werde wie Grenzgangsfest, Kirchweiherinnerung, Erntetag, stehender Festzug Dankgottesdienst sowie Film- und Diaabend. Er lobte den Mut, Optimismus und die Risikobereitschaft, die erforderlich sind.

Dabei seien persönliches Engagement und der Verzicht auf Freizeit erforderlich. Er dankte allen, die sich bisher mit Fleiß und Engagement dieser Sache verschrieben haben und nannte stellvertretend für alle den Festausschussvorsitzenden Kurt Linker. Positiv beleuchtete Klein die Eigenleistung beim Umbau des DGH und bezeichnete dies als größte Leistung der Dorfgemeinschaft.

Trotz Geldknappheit der übergeordneten Behörden habe man sich für den Um- und Ausbau entschieden. Kreisbeigeordneter Hanns-Michael Diening brachte in Vertretung für Landrat Rudolf Marx als Vertreter des Vogelsbergkreises herzliche Grüße. Er stellte die Obama-Worte "Wir können" in den Mittelpunkt seiner Rede. "Diese gelten auch für unser Land und damit auch für unsere Dörfer". Die Dorfchronik zeige den gemeinsamen Kampf der Schadenbacher Einwohner für die Befreiung der Bürger und den Weg zur Demokratie auf. Hombergs Ehrenbürgermeister Walter Seitz hatte die Aufgabe der Urkundenverlesung übernommen und gab zunächst Auslegungen und Hinweise zu urkundlichen Erwähnungen. Die Urkunde der Ersterwähnung von Schadenbach sei von der Leiterin des Marburger Staatsarchivs Dr. Ursula Braasch-Schwersmann übersetzt worden und habe folgenden Inhalt: "Es handelt sich bei dem Stück um eine Güterübertragung, um eine Verpachtung. Katharina, Tochter des Hartmann genannt Heckus von Homberg, gibt ihr Gut in Ober Deckenbach, das den Namen Keppelers Gut trägt, an die Küsterei des Deutschordenshauses in Marburg. Dafür muss ihr der Deutsche Orden jährlich ein Malter Getreide und 15 Tournos Geld bis zu ihrem Tod bezahlen, mit dem Tod endet die Zahlung dieses Zinses aus Naturalien und Geld.

Nach ihrem Tod muss der Deutsche Orden, der ja die Nutzung an dem Gut in Ober Deckenbach hat, für die Verstorbene ein jährliches Gedächtnis für Katharina und alle ihre Vorfahren begehen, d.h. Gebete für die Verstorbene sprechen. Das nennt man ein Seelgerät (selegerede). In der Regel wurden diese Gebetsleistungen von Geistlichen, in diesem Fall der Brüder des Deutschen Ordens, jährlich am Todestag der Stifterin gesprochen, dafür, dass man von der Wohltäterin das Gut geschenkt bekommen hat, für das sie sich zu Lebzeiten noch eine Rente ausgehandelt hat (dies ist ja Gegenstand des Vertrags von 1359 Feb. 27.). Im letzten Abschnitt des Vertrages werden die Zeugen genannt, unter anderem ein Hartmann von Schadenbach". Die Urkunde ist mit dem Siegel der Stadt Homberg versehen. Diese stammt aus Wyss, Urkundenbuch der Deutschordensballei Marburg 2, Nr. 987.

Festausschussvorsitzender Kurt Linker folgte mit dem Referat zur Dorfgeschichte. Er berichtete über den Weg einer jungsteinzeitlichen Siedlung, der mit Scherbenfunden und Quarzitgeräten wie Klingen, Schabern und Sticheln belegt ist. Er spannte den Bogen von Hügelgräbern und Funde aus der Bronzezeit bis zur karolingischen Namenserwähnung von Schadenbach und geschichtliche Stätten, die in dieser Zeit bekannt waren, zum Beispiel Ober- und Nieder-Hofstätten und Hübele. Dann nannte er eine Erwähnung aus einer Zugehörigkeitsliste von Dörfern, die zum Sendbezirk Ober-Ofleiden gehörten, die erste urkundliche Erwähnung von 1359 und er streifte Schadenbach in der Zeit des 16. Jahrhunderts mit Namen der Dorfbewohner.

Darauf verwies Linker auf die vielen Kriegsgeschehnisse mit dem 30-jährigen und dem siebenjährigen Krieg sowie viele Besatzungs- und Heeresdurchzüge und die damit verbundenen Leidenszeiten. Die Bauernbefreiung und der Weg zu demokratischen Verhältnissen folgte, ferner der Weg in die "Neuzeit" mit einem nie geahnten Aufschwung, der durch die beiden Weltkriege gestört wurde, aber danach in eine über 60-jährigen Friedenszeit mündete. Mit der Darstellung des jetzigen Dorfes endete Linkers Chronikvortrag.

Pfarrerin Schrag übergab allen Rednern je ein Buch "Gott segne Schadenbach". Festausschussvorsitzender Linker dankte Pfarrerin Schrag mit einem Blumengruß für ihre Unterstützung, ferner Ortsvorsteher Horst Scholl für sein unermüdliches Engagement in Sachen DGH-Erneuerung mit einem Jubiläumsgeschenk. Anschließend feierte man bei Kaffee und Kuchen in der Kirche und bei Glühwein und Würstchen in einem Nachbarhof.

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