Windkraft

Windkraft bleibt in Homberg auf der Tagesordnung

  • Kerstin Schneider
    vonKerstin Schneider
    schließen

Ein Windenergieprojektierer beklagte in einer Ausschusssitzung die langen Genehmigungszeiten in Hessen. Bis zu fünf Jahren würden vergehen, bis eine Windkraftanlage gebaut werden kann.

Vieles hatten die Teilnehmer schon gehört, manches war neu in der Sitzung des Bau- und Umweltausschusses in Ober-Ofleiden. Für die Firma Reg.En aus dem friesischen Wangerland stellte Geschäftsführer Immo Müller den Bau von Windkraftanlagen bei Bleidenrod/Burg-Gemünden vor. Dort sollen an "Schälbaum" und "Wachthübel" vier bis sechs Anlagen auf privaten Flächen gebaut werden. "Wir hätten schon längst bauen wollen," sagte Müller.

Er beklagte das lange Genehmigungsverfahren in Hessen, wo deutlich mehr Unterlagen ("72 Aktenordner") als in anderen Bundesländern gefordert würden. Das gelte besonders für die naturschutzfachlichen Prüfungen, die auch im vorliegenden Fall für die Verzögerung gesorgt hätten. Auf diese Weise würden fünf Jahre von der Planung bis zum Bau vergehen. Dadurch sinke der Erlös. Reg.En kalkuliert mit fünf Cent pro Kilowattstunde. Um wirtschaftlich arbeiten zu können, werden die Rotoren immer größer.

Vorteile für Landwirte?

Der Magistrat wurde von den Stadtverordneten beauftragt, ein Wegenutzungs- und Gestattungsvertrag abzuschließen. Das ist nötig, weil die Firmen gemeindeeigene Wege nutzen müssen, unter anderem, um die schweren Teile der Windkraftanlagen anzuliefern, aber auch später, wenn zum Beispiel Reparaturen nötig werden.

Müller sagte, die Stadt habe etwas davon, wenn die Firma auf eigene Kosten Feldwege ausbaut: "Die Stadt hat 20 Jahre keinen Ärger damit." Auf Nachfrage von Ausschussmitgliedern sagte er später noch, dass die Stadt im Prinzip keine Möglichkeit hat, das Wegerecht zu verhindern, auch wenn es beim hessischen Städte- und Gemeindebund eine anders lautende Auffassung gebe. Gerichte hätten entschieden, dass die Wegenutzung zum Bau der Anlagen dazugehört. Und die Landwirte seien "froh, wenn sie mit ihren Maschinen dort fahren können".

Bei der Stadt geht es nun darum, der Firma das Wegerecht möglichst lukrativ zu überlassen. Gespräche laufen von Magistratsseite aus. Müller: "Wir müssen uns entgegenkommen. Wir sind zu Verhandlungen bereit." Er machte auch klar, dass die Zugeständnisse nicht zu weit gehen können. Andernfalls riskiere die Firma Probleme mit den Finanzbehörden, wenn sie die Zahlungen als Betriebsausgaben abschreiben will.

Rainer Kaps von der Landes-Energieagentur vertrat in einem kurzen Vortrag die Seite des Landes, die mit ihrem Programm "Bürgerforum Energieland Hessen" die Energiewende voranbringen will. Dazu bietet sie unter anderem Gespräche mit Akteuren vor Ort, Vorträge sowie Konfliktbearbeitung an. Diese sollen in Homberg die Arbeit aufnehmen, vor allem was Planungen auf der Mardorfer Kuppe angeht. Zudem hat die Landesregierung "Faktenchecks" herausgebracht, um Kritikern zu begegnen. "Nicht immer ist es so ruhig wie bei Ihnen hier," meinte Kaps. Man habe oft mit Protesten zu tun. Womit das auch zu tun hat, das zeigte sich in einigen beiläufigen Äußerungen von Kaps. Nord- und Mittelhessen hätten bereits einen großen Anteil an der Energiewende geleistet, in Südhessen sei man dagegen "noch nicht so weit".

Das liege unter anderem an den Sonderfällen Odenwald und Flughafen. Man wolle aber "nichts durchdrücken". Was die Wegenutzung angeht, so würden üblicherweise etwa ein Euro pro laufendem Meter gezahlt, dazu kämen ein Euro pro Meter für die Kabeltrasse. Manche Kommunen würden auch eine Art Eintrittsgebühr erheben.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare