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Ein breiter Graben ist im Söhrenteich entstanden. (Archivfoto: jol)

"Da werden Mitarbeiter diffamiert"

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Homberg (jol). Die Debatte um zerstörte Hecken, gerodete Bäume und einen tiefen Entwässerungsgraben im Bereich Söhrenteich bei Maulbach hat die Kreispolitik erreicht. In der jüngsten Sitzung des Kreistags gab es eine kurze Diskussion zwischen Opposition und Umweltdezernent Dr. Jens Mischak. Wenig überraschend verlief die Abstimmung um einen Antrag der Linken, im Ausschuss über die Ausgleichsmaßnahmen für den Autobahnbau in diesem Bereich zu sprechen: Das wollten nur Grüne und Linke, der Rest lehnte das ab.

Ausgangspunkt war ein Antrag der Linken, im Umweltausschuss über Ausgleichsmaßnahmen im Rahmen des Neubaus der A 49 zu beraten. Dabei sollten die Zuständigkeiten der Unteren Naturschutzbehörde dargestellt werden, und man solle die Naturschützer aus Homberg einbinden, die sich sehr kritisch zum Verfahren geäußert haben. Dazu meinte Dietmar Schnell (Linke) die Umsetzung der Ausgleichsmaßnahmen werde von Naturschutzverbänden "scharf kritisiert". Dabei gebe es auch Beschwerden über die Naturschutzbehörde des Vogelsbergkreises. Eine solche Beratung wies Dr. Mischak klar zurück, denn der Landkreis sei für die Ausgleichsmaßnahmen nicht zuständig. Die Fragen müsse man an die Obere Naturschutzbehörde richten, die beim Regierungspräsidium sitzt. Zudem sei der Bereich in der Flurneuordnung und da sei das Amt für Bodenmanagement zuständig, eine Landesbehörde. Er wandte sich gegen die Kritik von NABU und Vogelschutzgruppe Maulbach, "was man da lesen muss, überschreitet Grenzen, da werden Mitarbeiter diffamiert". Das könne man nicht hinnehmen. Zudem sei nicht klar, "wer da etwas gemacht hat".

Grüne sehen Pflicht zum Handeln

Spöttisch kommentierte Dr. Udo Ornik (Grüne) diese Replik, "wir erklären uns zuständig für Wölfe im Vogelsberg und Deckhengste in Dillenburg, aber da sollen wir nicht zuständig sein?" Es handele sich offenkundig um Missstände im Vogelsbergkreis, da hätten Politik und Kreisverwaltung die Pflicht, sich zu kümmern. Hintergrund: Der Antrag der Linken machte es Dr. Mischak leicht, den Kreis außen vor zu sehen. Denn im Bereich Söhrenteich kritisieren NABU und Vogelschutzgruppe mehrere Naturzerstörungen, von denen nur ein Teil mit dem Autobahnbau zusammenhängt. So hat der Landwirt, dem der angrenzende Acker gehört, einen flachen Graben deutlich tiefer und breiter ausgebaggert. Offiziell soll das ein Uferrandstreifen werden, der seltenen Vögeln und Pflanzen nützen soll. Das wäre eine Aufwertung der Natur und damit eine Ausgleichsmaßnahme für den geplanten Bau der Autobahn.

Nach Ansicht der Naturschützer ist dort allerdings nur ein tiefer, breiter Entwässerungsgraben entstanden, der keinem Tier hilft. Die Verbände wenden sich zudem gegen das Abholzen einer Feldholzinsel mit Sträuchern und Bäumen, gegen das Vernichten von einem längeren Heckenstreifen und den Radikalschnitt von weiteren Sträuchern. Dazu haben NABU Homberg und Vogelschutzgruppe Maulbach vor Kurzem eine Kritik veröffentlicht, in der auch Zahlungen des Verursachers gefordert werden.

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