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Heinrich Schomber hat zwar vom DRK ein Hausnotruf-System, aber im Fall des Falles kann der Ruf nicht rausgehen, weil die Leitung der Telekom seit dem 19. Juni tot ist.

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Wenn der Haus-Notruf wegen einer kaputten Leitung lahmgelegt ist

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Der 83-jährige Deckenbacher Ottmar Schomber ist zufrieden. Für alle Fälle hat er sich ein Haus-Notruf-System installieren lassen. Doch die Notrufleitung war längere Zeit tot.

Moderne Technik weiß sich zu helfen: Als das Haus-Notruf-System von Heinrich Schomber registrierte, dass die Telekom-Leitung nicht funktioniert, meldete sich die Box akustisch. Auch der rüstige Senior wusste sich zu helfen, zusammen mit Nachbar Ottmar Lohrengel (er hat einen anderen Netzanbieter) riefen sie bei der Telekom an, um die Störung zu melden. Dann landet man immer in einem Callcenter, so ihre Erfahrung, und entweder man verharrt in einer Endlosschleife, ohne dass sich jemand meldet, oder man hat einen Ansprechpartner, der sich als nicht als kompetent erweist. Denn Lohrengel und Schomber bekamen Zusagen, dass die Leitung demnächst wieder gehen wird, es wurde ein Datum genannt. Allerdings blieb die Leitung bis Freitag tot. Das ist seit dem 19. Juni so, also vor über zwei Wochen.

Auch Ortsvorsteher Bernd Reiß hat sich eingeschaltet. Dafür, dass mal eine Leitung gestört sein kann, hat er Verständnis, nicht aber für das Informationsgebahren der Telekom. Denn Schomber sei kein Einzelfall. Im Ort seien noch mehr Telekomkunden betroffen. "Die müssen doch wissen, wen sie als Kunde im gestörten Bereich haben. Dann kann man ein Schreiben aufsetzen und die Leute informieren. Das kostet nicht viel", entrüstet er sich.

Reiß hat zudem in Erfahrung gebracht, dass Telekomkunden auch in Nachbarorten von der Störung betroffen sind, beispielsweise in Schadenbach, in Höingen, in Teilen von Büßfeld und auch das Seniorenwohnheim Goldborn an der Pletschmühle. Er sieht die Problematik in vielen alten Leitungen in der Erde, die bei Bauarbeiten für das neue Glasfaser mit schwerem Gerät Schaden nehmen können. Weil im Dorf mit rund 360 Einwohnern mehrere Bürger als Kunden der Telekom betroffen sind, hat Ortsvorsteher Reiß in Absprache mit Bürgermeisterin Claudia Blum im Dorfgemeinschaftshaus eine Telefonsprechstunde der besonderen Art eingerichtet. Weil der Anbieter dort nicht die Telekom ist, funktioniert der Apparat und von der toten Telekom-Leitung Betroffene können täglich zwischen 16 und 19 Uhr dort telefonieren. "Das Telefon steht hinter der Theke und der Internet-Zugang von Unitymedia kann kostenlos genutzt werden", hat der Ortsvorsteher in einem Rundbrief an die Ortsbürger verbreitet. "Aber beides bitte nur für wichtige Angelegenheiten nutzen", appelliert Reiß an die Einsicht der Bürger, dass sie mit ihrem Problem nicht alleine sind und auch andere warten.

Das Angebot wurde seither rege angenommen. Insbesondere die Jugend weiß den Internetzugang zu schätzen. Dem Rundschreiben sind auch die Pass- und Kennwörter beigefügt. Und weil das WLAN aus dem DGH so stark ist, hat sich eine Bank vor dem Gebäude inzwischen zum Jugendtreff gemausert. In der Zeit ohne Festnetz könnte der Mobilfunk helfen, aber mit dessen Abdeckung ist man ja im Vogelsbergkreis nicht verwöhnt. So ist es auch in Deckenbach, wozu Ortsvorsteher Reiß allerdings erläutert, dass an vielen Stellen das D1-Netz gehe. Das nutze dann auch das DRK für den Fall, dass das Festnetz für das Haus-Notruf-System mal nicht funktioniere. Ist die Festnetzleitung tot, schaltet das System auf D1 um, die Zusatzabsicherung sei für fünf Euro im Monat zu haben. Im Laufe des Freitags wurde der Leitungsschaden für viele Deckenbacher behoben. Am Mittag war Heinrich Schomber immer noch ohne Telefon...

Auf Anfrage teilt die Telekom nun mit: "Ursache der Störung war eindringende Nässe in eines der Hauptkabel an der Stadthalle". Solche Störungen seien sehr aufwendig zu beheben, da sie erst genau lokalisiert werden müssen. Danach wird die betroffene Stelle durch Tiefbauarbeiten freigelegt und es wird gemessen, auf welcher Länge das Kabel beschädigt ist. Ersatz wird bestellt und eingebaut. "Dabei ist echte Handarbeit gefragt. Da es sich um hochkomplexe Technik handelt, kann dies etwas Zeit in Anspruch nehmen". Die Arbeiten seien seit Mittwoch abgeschlossen. "Damit müsste die Störung bei den 20 betroffenen Anschlüssen behoben sein. Derzeit liegen uns keine Störungsmeldungen von Kunden vor".

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