Vorbei: Traditionsverein löst sich auf

Homberg-Dannenrod (ks). Andere könnten folgen: mit dem SV Dannenrod hat gestern abend einer der traditionsreichsten Sportvereine im Raum Alsfeld seine Auflösung beschlossen.

Die Mitglieder waren bei der Versammlung im Gasthaus Jakob dafür, mit Wehmut zwar, aber eine Alternative sah keiner der Anwesenden. Fünf enthielten sich. Vorsitzender Uwe Schneider war zuvor auf die Gründe eingegangen, die den Vorstand zu diesem Schritt bewegt hatten. Der habe es sich nicht einfach gemacht, aber die Tatsachen sprechen eine deutliche Sprache. Die Arbeit laste seit Jahren schon auf nur wenigen Schultern. Und: "Wir sind ein Sportverein ohne Sport."

"Vergangenheit nimmt uns keiner"

Die Spielgemeinschaft mit dem SV Schweinsberg wurde vergangenes Jahr aufgelöst, weil man nur noch drei aktive Spieler stellen konnte. Hier habe man die Reißleine ziehen müssen, zumal man Vorletzter bzw Letzter in der B-Klasse war. Jugendspieler kommen keine mehr nach. "Die Vergangenheit kann uns keiner nehmen, aber einen Verein nur für die Tradition zu führen, dafür ist der Aufwand zu groß," machte Schneider deutlich. Dafür stehe von den fünf Vorstandsmitgliedern niemand mehr zur Verfügung. Man habe das Problem lange verdrängt, aber jetzt gehe es nicht mehr. Auch das Interesse der Dorfbevölkerung an Heimspielen habe immer mehr nachgelassen.

Noch ein Mitglied unter 20

Er habe viele Jahre lang als Spieler und im Vorstand für den Verein gebrannt, bekannte der Vorsitzende, aber irgendwann müsse man auch einmal loslassen können. Und selbst wenn man den Verein ruhen lässt, was überlegt wurde, so bleiben die Kosten, unter anderem Vereinsabgaben und Versicherungsbeträge. Dazu kommen die Ausgaben für die Unterhaltung und Pflege der Anlagen. So sei etwa das Sportheim schon 40 Jahre alt. Auch die Zahlen sind eindeutig: es gibt nur noch ein einziges Mitglied unter 20 Jahren und acht unter 30, aber 30 Mitglieder über 70. Da stelle sich die Frage nach der Perspektive. Es bleibt jetzt eine Frist bis Mitte des Jahres, um eine ordentliche Abwicklung zu gewährleisten, was der Vorstand zusagte. So muss entschieden werden, was mit vereinseigenen Dingen geschieht, Platz und Sportheim gehören der Stadt. Hierüber könne man noch einmal in einer gesonderten Mitgliederversammlung nachdenken, hieß es. 22 Mitglieder waren für den Antrag auf Auflösung, fünf enthielten sich. "Es ist traurig," meinte Günter Heigl und dürfte damit die Stimmungslage getroffen haben, aber Alternativen gab es eben nicht.

Die Gymnastik, einzige noch bestehende Abteilung, ist von der Auflösung nicht betroffen. Sie kann wie bisher weiter machen, wurde betont. Zuvor hatte Vorsitzender Schneider von den Veranstaltungen 2013 wie Fasching und Dorffest berichtet. Für die Gymnastikabteilung erinnerte Nadine Bernhard an die Auftritte. Rechner Jens Bernhard wurde nach seinem Kassenbericht genau wie der sonstige Vorstand entlastet. Das verbleibende Vermögen aus der Vereinskasse soll zweckgebunden für das Dorf eingesetzt werden, hieß es.

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