"Verlust von 100 Millionen Euro"

  • Kerstin Schneider
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Homberg(ks). Nachdem sich die schwierige Lage seit Wochen abzeichnete, fand bei Kamax ein Gespräch mit Gewerkschaftsvertretern zur Zukunft der Werke in Homberg und Alsfeld statt. Die schlechte Entwicklung im Geschäft zwinge aktuell dazu, die Pläne zu überarbeiten, so Bernd Lechner von der Geschäftsleitung in einer Info an die Mitarbeiter. "Unsere wirtschaftliche Lage und die Aussichten haben sich massiv verschlechtert." Das auf Wunsch der Betriebsräte und der IG Metall in Auftrag gegebene Gutachten habe bestätigt, wie ernst die Lage ist. "Die Produktionsbereiche werden dauerhaft unausgelastet sein." Kamax werde durch die Transformation in der Automobilindustrie und die Corona-Pandemie gleich doppelt hart getroffen.

Diese Krise werde Auswirkungen in der zweiten Jahreshälfte und im Jahr darauf haben. Durch die zu geringe Auftragslage in diesem Jahr (60 Prozent der ursprünglichen Planung) rechne man mit rund 100 Millionen Euro Umsatz weniger nur in Deutschland. Daher sei das Unternehmen gezwungen, "einschneidende Maßnahmen zu ergreifen", um der Schieflage mit mehr als 20 Millionen Euro Verlust entgegenzuwirken. "Wir brauchen auch eine wettbewerbsfähige Perspektive für Kamax Deutschland, um die mittel- und langfristige Zukunft der Gruppe so weit wie möglich abzusichern." Die Pläne sehen Folgendes vor: Zügige Strategieumsetzung, Produkt- und Standortzuteilungen schnellstmöglich umsetzen, Kurzarbeit bis Ende des Jahres, wo möglich, Schließen des Werks in Alsfeld bis Sommer 2021, Personalanpassungen auch in Homberg (100 Mitarbeiter weniger) und Personalanpassungen in ganz Europa.

Ohne diese Maßnahmen sehe man keine Chance, Standort und Mitarbeitern eine Perspektive zu geben. Man wisse, "dass dies für die Beschäftigten in Alsfeld eine sehr schwierige Entscheidung ist". Ein entsprechend langer Vorlauf solle Möglichkeiten schaffen, eine neue Beschäftigung zu finden. Aber auch die Restrukturierungen und Personalanpassungen in Homberg seien schwierig, aber dringend erforderlich. "Es ist unsere Absicht, sozialverträgliche Lösungen für alle Betroffenen zu finden."

Das Unternehmen habe die aktuelle Situation "ehrlich und transparent dargestellt," so Lechner. Man sei überzeugt, eine gemeinsame Lösung zu finden, die Kamax langfristig zurück auf die Erfolgsstraße führe. Bezüglich der nächsten Verhandlungsrunde stehe man kurzfristig für Gespräche bereit. Der Betriebsrat betont, er habe nicht mit am Verhandlungstisch gesessen, er behält sich vor, selbst in Aktion zu treten.

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