Die verflixte Realität

Weit weg von der eigenen Lebensgeschichte holt sie ihre Protagonisten Schritt um Schritt ein, diese verflixte Realität. Wäre das Leben der Einzelnen nicht von einer tief verwurzelten und selten zu stillenden Sehnsucht erfüllt, könnte das, was daraus erwächst, fast schon eine feinsinnig-komödiantische Form annehmen.

Von KOA

Weit weg von der eigenen Lebensgeschichte holt sie ihre Protagonisten Schritt um Schritt ein, diese verflixte Realität. Wäre das Leben der Einzelnen nicht von einer tief verwurzelten und selten zu stillenden Sehnsucht erfüllt, könnte das, was daraus erwächst, fast schon eine feinsinnig-komödiantische Form annehmen.

Dieses Bild aber muss und soll der Leser zeichnen, wenn er von den acht Menschen erfährt, die gemeinsam auf einem Schiff durch die Eisschollen pflügen. Astrid Ruppert stellte ihren Neuling jetzt in der Stadthalle von Homberg vor. Acht Erzählungen vom Nordpol hat sie unter dem Titel "Die Bestimmung der Eisscholle" vereint und beeindruckte ihre Zuhörerinnen und Zuhörer mit einer lebendig-hintersinnigen Vortragsweise, die jeden einzelnen der Akteure in ihren Geschichten lebendig werden ließ.

Spitzbergen, 81. Breitengrad. Das Wetter ist gut. Die Menschen auch. Oder etwa nicht? Doch sicherlich. Aber die Weite, das Licht, die flirrenden Gedanken – das verändert. Das überwältigende Nichts Natur und ganz besondere Menschen auf einer Reise. "Da gibt es den Eisschollenbeobachter, den Suchenden, den Schweiger und den Wiederholungstäter und die Weltreisende. "Und woher kommst du?", lautet daher die erste Frage in aller Konsequenz.

Und keineswegs ist damit Heimat gemeint. Nicht etwa Hintertupfingen, Nirgendwostraße 12a, sondern die Welt: Indien, Peru, Burma, Australien und die Hintergassen der Bronx. Der Mann, der dies alles nicht verstehen will, schrickt bei dieser Frage zurück. Er ist nicht so interessant, findet er. Und sein Leben ist es auch nicht. Er wollte nur einmal an den Nordpol. Für die Autorin eine wunderbare Welt, in der sie sich einst selbst bei einer Reise aufhielt und dort die Ideen zu den Charakteren bildete. Gemeinsam mit Verleger Axel Dielmann hatte Ruppert ihr neues Werk auf den Weg gebracht, die Lesung in der Stadthalle bildete die Premiere des brandneuen Druckwerks.

Dielmann schwärmte von der Lebendigkeit der und der Intensität der Erzählungen: "Es gibt immer Menschen, die an einem normalen und zufriedenen Leben vorbeigehen, ihre Personen sind fein ausgearbeitet und es ist interessant, wie sie aneinander hängen. Das ist raffiniert."

Eine Tatsache, über die sich besonders Ulrike Sowa freute. Die Homberger Buchhändlerin stellte die Lesung in den beliebten Kontext des Genusses und servierte als Appetithäppchen Kartoffelsüppchen, Rote Bete-Mousse und ein "Schneegestöber im Brotkörbchen." Mehr zu den Erzählungen von Astrid Ruppert und ihren – unter anderem auch verfilmten – Werken findet sich auch unter www.astridruppert.de.

Das Buch "Die Bestimmung der Eisscholle", ISBN 078 3 86638 249 7 ist zum Preis von 18 Euro in Hardcover, 160 Seiten, erhältlich. Die nächste Lesung der "Buchhandlung" findet am 2. November, 20 Uhr, in der Halle 17, Nieder-Ofleiden, Zum Gänsholz 17, statt. Autor Daniel Speck stellt seinen neuen Roman "Piccola Sicilia" vor. (Foto: Koob)

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