Ältere Naturschützer aus der Region versuchen am frühen Morgen Rodungsarbeiten im Dannenröder Wald zu behindern. FOTO: JOL
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Ältere Naturschützer aus der Region versuchen am frühen Morgen Rodungsarbeiten im Dannenröder Wald zu behindern. FOTO: JOL

Ü-60er wollen etwas tun

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
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Homberg(jol). Sie hätten mit dem Gefühl von Wut und Ohnmacht am Zaun gestanden und der Rodung im Dannenröder Wald zugesehen, um sich schließlich zu entscheiden, "den jungen Leuten in den Bäumen zu helfen". So beschreibt ein Vogelsberger Umweltschützer das Motiv, weshalb er sich der bunten Truppe älterer Menschen angeschlossen hat, die als "Ü-60er gegen die A 49" gemeinsam im Wald demonstrieren.

In den Wald geschoben

Gut zwei Dutzend meist grauhaarige Demonstranten trotzen am Montagmorgen den Temperaturen um die minus sieben Grad, um in aller Frühe auf der etwa 100 Meter breiten Rodungsschneise eine Kette vor einigen Baumhäusern zu bilden. Das Vorgehen der Polizei ist eingeübt. Einige hundert Beamte bilden zwei lange Ketten am Waldrand und nach mehrmaliger Aufforderung schieben sie die Leute in den weißen Maleroveralls langsam in den Wald hinein.

Die Beamten schubsten eher behutsam, meist sind sie einen Kopf größer als ihr über 40 Jahre älteres Gegenüber. Drei Senioren ließen sich fallen und wurden schließlich weggeschleift. Doch auch sie hielten das Geschehen nicht lange auf. Nach 20 Minuten hatten die Beamten eine Linie rund um die abgeholzte Schneise und die Baumhäuser gebildet. Die Räumung und Rodung konnte weitergehen.

Den Männern und Frauen im Rentenalter lässt die Zerstörung des Waldes keine Ruhe. "Ich habe das Gefühl, wenigstens etwas zu tun", sagte ein Mitstreiter über die Aktion. Er möchte seinen Kindern durch das eigene Beispiel mitgeben, "dass man sich gegen ein Unrecht wehren kann".

Distanzierung

Sein Nachbar betonte, wie wichtig es ihm sei, die Baumbesetzer aktiv zu unterstützen. Ansonsten blieben nur "Zorn und Verzweiflung über das, was hier mit aller Gewalt durchgedrückt wird". Er halte große Stücke auf die jungen Leute in den Baumhäusern. Die weitaus meisten seien friedlich und sehr angenehme Menschen. Nur wenige steckten Baumaschinen in Brand: "Das ist schlimm und davon distanzieren wir uns."

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