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Totgeweihte richten sich auf

Homberg(koa). "Herzkommunikation" - für Bernhard Bub gibt es nur ein einziges Wort und doch so viele, sein und das seiner Freunde Wirken zu beschreiben. Rasenden Applaus haben sie für ihr Theater erhalten, dass auf individueller Ebene kommunizierte, ohne ein einziges Wort zu verlieren. Für rund 50 Minuten verwandelten sie zunächst eine Gartenfläche in Appenrod und nur einen Tag später den Hof vor dem Gemeinschaftshaus Maulbach in ein Theaterrund, das jedem Einzelnen die Bühne in sich selbst offerierte.

"Man fühlt, was gemeint ist", so Bub, der mit "Antagon Theater Aktion" aus Frankfurt angereist war. Sie besuchten den Dannenröder Forst, kurz Danni genannt, und verließen schockiert den Wald: "Hier, wo Menschen kämpfen, in alten Bäumen sitzen, wo die Erde weggeschoben wird und man sehen kann, was das alles bedeutet", so Bub, "da geht es darum, wieder aufzustehen."

Die kreative Theatergruppe improvisierte daraufhin in ihren Räumen, bis die Szenerie auf die Straße wandern konnte. Gerade für Maulbach war ihnen diese Darbietung wichtig, gab es dort viel Schmerz und Auseinandersetzung rund um die Rodung. Viele Menschen nutzten diese Form der intellektuellen Auseinandersetzung, welche Barbara Schlemmer, als "notwendiges Mittel" bezeichnete - Kunst in die Demonstration einzuflechten. Die Sprecherin des Aktionsbündnisses "Keine A 49" erklärte angesichts der Darbietung, dass dies eine besondere Form "des friedlichen Widerstands" sei.

Drastisch jedoch der Einstieg in das durch Live-Musik begleitete Stück: Stelzenmenschen mit Gasmasken durchmaßen die Flächen neben der Kirche, wirkten ziellos: "Wo ist mein Zuhause?" Auf dieser Suche ließen sie gleichförmiges zurück, das Menschen gebar, die ihre Herzen sich entreißen ließen. Langsam, sehr langsam verfingen sie sich in den unsichtbaren Stricken - Marionetten gleich. Zusammenbruch und Wiedererstehen mündeten in einem erneuten Zusammenbruch. Sollte es ein einziger Mensch schaffen, sie wieder zu mobilisieren? Die Entrückung vom eigenen Ich, die Gefangennahme durch Arbeit und Gesellschaft, der Konsumzwang und der Verlust des Ich - jede Bewegung der Akteure konnte interpretiert werden, wie es der Zuschauer in sich zur Betrachtung aneinander reihen wollte.

Der Spiegel, den sich die weiß gekleideten Personen selbst vorhielten, drehte sich in jedem Fall gen Betrachter. Bin ich selbst schuldig? Furcht lähmt, zeigte sich und zerstört alles. Die Natur, der Baum, aber spendet Leben. Die Totgeweihten konnten sich aufrichten, sich zu einem gemeinsamen Bild fügen, sich dem Licht entgegen winden.

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