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»Starkregen erfordert Baustopp an A 49«

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Von: Redaktion

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Homberg (pm). Die jüngsten Starkregenfälle in Deutschland würden zeigen, dass der Ausbau der A 49 durch ein Wasserschutzgebiet unverantwortlich sei, so die Kritiker des Bauvorhabens von »Parents for future« (Eltern für die Zukunft) und von der Arbeitsgemeinschaft »Danni lebt«.

Es sei dringend geboten, »die Trassenführung umzuplanen und bis dahin weitere Rodungsarbeiten und Flächenversiegelungen zu stoppen«. Die Starkregenkarte zeige, dass die geplante Trasse durch Gebiete mit einem erhöhten (Rot) bis hohen (Lila) Starkregenindex verläuft.

Es gebe keine ausreichenden Maßnahmen, die den Schutz des Trinkwassers vor abgewaschenen Verunreinigungen der Fahrbahn wie Öl, Kraftstoff, Plastik und Reifenabrieb bei massiven Regenfällen sicherstellten. Erfahrbar seien die Auswirkungen von Stark-regen bereits im März 2020 gewesen, wo es in der Region der Trasse zu massiven Überflutungen kam. »Hier schützte der Dannenröder Forst allerdings noch vor schlimmeren Schäden, weil hier Wasser von dem damals noch intakten Ökosystem Wald aufgenommen und über ein feingliedriges natürliches Grabensystem in die umliegenden Wiesen, Bäche und in das Grundwasser abgeleitet wurde.«

A 49-Trasse als Trichter

Jetzt hingegen wirke die Trasse der Autobahn 49 wie ein Trichter, der die Wassermassen in Richtung der geplanten Regenrückhaltebecken leite und »dort bei den schlimmen Starkregenereignissen für Überflutungen und Kontaminierung mit gesundheitsgefährdenden Schadstoffen verantwortlich sein wird«.

Die sogenannte RistWag-Richtlinie sehe Folgenes vor: »Ist eine Straßenführung durch die Zone II nicht zu vermeiden, muss ein ausreichender Schutz des Gewässers auf jeden Fall gewährleistet sein.« Die Rohre, in denen das Schmutz- und Niederschlagswasser abgeleitet werden soll, seien für solche Starkregenereignisse nicht ausgelegt. Anders als vorgesehen, werde das gesammelte Wasser innerhalb der besonders schützenswerten Wasserschutzzone II in die Gewässer eingeleitet.

Bei zu erwartenden Rückstauungen im Ohmtalbecken sei damit eine Infiltration wahrscheinlich. Auch die Regenrückhaltebecken, in denen das Wasser vor der Reinigung gesammelt wird, könnten nur begrenzte Wassermassen fassen, nicht aber starke Niederschlagsmengen, die mit der zunehmenden Klimaerwärmung immer wahrscheinlicher würden.

Mindestens eins der geplanten Becken befinde sich dabei in einem von Starkregen besonders gefährdeten Gebiet. Bei einer Überflutung werde verschmutztes Wasser direkt ins Grundwasser gelangen. Die verbindlichen Richtlinien für bautechnische Maßnahmen an Straßen in Wasserschutzgebieten würden vorsehen, dass die Wasserschutzzone II von Straßen freizuhalten ist. »Die Gründe für den Autobahnausbau rechtfertigten keine Ausnahme: weder die Entlastung einiger Durchgangsstraßen, noch eine Lärmminderung für manche Anwohner, auch keine vorgebliche Kraftstoffersparnis oder die Reduktion der Unfallwahrscheinlichkeit und auch nicht der angegebene Erhalt von Arbeitsplätzen«, so die Kritiker weiter.

Flächenversiegelung aufhalten

Die RistWag-Richtlinie verlange eine »Abwägung aller Gesichtspunkte des öffentlichen Wohls« - dies mache sofortiges Handeln notwendig. Es brauche eine sofortige Neubewertung der A 49-Planung unter Berücksichtigung der durch den Klimawandel drohenden Starkregenereignisse, eine sofortige Überarbeitung der Pläne zum Hochwasserrisikomanagement und einen sofortigen Stopp der weiteren Flächenversiegelungen, »die eine der Haupursachen für die Flutkatastrophe war und ist«. Schon heute könne man erkennen, wie sich Regenwasser im Trassenbereich sammelt und nicht mehr abfließe. Gefordert wird eine Umplanung der A 49 und ein sofortiger Baustopp. Nur so könne der Erhalt der Lebensgrundlage Trinkwasser für 500 000 Menschen in der Region gesichert werden.

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