Situation beim Turnverein ist "dramatisch"

Homberg (pm/ks). Ausgerechnet im glanzvollen Jubiläumsjahr sieht sich der TV 1862 Homberg vor einer Zerreißprobe, möglicherweise könne dem Traditionsverein sogar das Aus drohen, so Verantwortliche.

Die Situation des TV sei derzeit eigentlich nur mit einem Wort treffend zu beschreiben, so der 2. Vorsitzende Manfred Wilhelm: "dramatisch." So fehlen Interessenten, die bereit sind, verantwortliche Positionen im Vorstand zu besetzen. Etwas Abhilfe könnte eine bezahlte Teilzeitkraft schaffen, hofft man.

Vom Vorstand sei die Problematik seit Jahren wiederholt thematisiert worden, so auch anlässlich der letzten Jahreshauptversammlung in einer gemeinsamen Erklärung der Vorstandsmitglieder, in der diese unmissverständlich klargemacht hätten, dass sie sich zunächst nur noch für das Jahr des 150-jährigen Vereinsjubiläums in den Dienst der Sache stellen wollten. Jetzt – da das Jubiläumsjahr erfolgreich bewältigt worden ist – bestehe begründeter Anlass zu schlimmsten Befürchtungen.

Einige Positionen werden vakant

Trotz aller Bemühungen seitens des amtierenden Vorstandes sei festzuhalten: Der TV 1862 Homberg habe derzeit für das Geschäftsjahr 2013 keine gesicherte Aussicht auf einen handlungsfähigen Vereinsvorstand und somit auf eine funktionierende Vereinsorganisation. "Rechner Volker Hisserich vollzieht nach 29 Jahren im Amt seinen bereits vor Jahresfrist unmissverständlich angekündigten – und wohlverdienten – Rücktritt". Schriftführer Hartmut Katz und Beisitzerin Anke Alberti stehen nicht mehr zur Verfügung.

Und Vorsitzender Marco Stula, der auf seine erhebliche berufliche Belastung verwiesen hat, machte den Verbleib im Amt von zwei wesentlichen Bedingungen abhängig. Zum einen verlange er verständlicher Weise eine spürbare Entlastung von zeitraubenden Verwaltungsarbeiten. Zum anderen sei die verlässliche Sicherstellung der Vereinsverwaltung und -organisation unabdingbar.

Würden sich bis zur Jahreshauptversammlung am 25. Januar 2013 nicht Vereinsmitglieder zur Übernahme von Vorstandsämtern und -aufgaben bereit finden, "dann wird der TV 1862 Homberg geschäftsunfähig". Durch die Vereinssatzung und gemäß Vereinsrecht sei nämlich festgelegt, dass der TV 1862 Homberg juristisch durch den 1. Vorsitzenden, den 2. Vorsitzenden, den Schriftführer und den Rechner vertreten wird, die Positionen also, die nach derzeitigem Sachstand mehrheitlich offen sind. "Wir sind aktiv auf der Suche nach solchen Personen," so Wilhelm. Es habe zwar Gespräche gegeben, doch wenn es ernst wird, "dann springen die Leute wieder ab," hat er beobachtet.

Zwar sei der TV Homberg nicht der einzige Verein in diesem Dilemma, doch müsse man an die Breite der vorhandenen Organisation denken. "Wenn so etwas zusammenbricht.

..." In einem großen Verein seien nun mal viele Arbeiten zu erledigen und wer beim Engagement willens ist, der habe oft schon eine Doppelfunktion inne, "da kann man nicht zusätzlich noch was draufpacken." Er selbst sei bereit, noch weiter mitzuwirken, doch machte er unter Verweis auf seine gesundheitliche Situation klar, dass dies für die Zukunft keine tragfähige Lösung sei.

"Vor zwei Jahrzehnten bei Wahlen noch Kampfabstimmungen"

Dabei ist die Problematik nicht ganz neu. Schon seit Jahren falle die Erledigung der vielfältigen und tendenziell zunehmenden Aufgaben bei der Organisation des Großvereins mit gut 900 Mitgliedern durch Ehrenamtliche immer schwerer.

Im Vertrauen auf das Engagement der handelnden Personen und in der guten Hoffnung auf das sprichwörtliche Wunder "wurden aber allzu viele Augen und Ohren im Verein vor den unangenehmen Wahrheiten verschlossen", so Wilhelm.

Habe es noch vor zwei Jahrzehnten noch Kampfabstimmungen bei der Besetzung von Vorstandsämtern gegeben, so war seit einiger Zeit zu beobachten, "dass derjenige, der den Finger hebt, einstimmig gewählt wurde." Die letzte Stichwahl – um einen Beisitzerposten – habe es vor fünf Jahren gegeben. So hat der Verein jetzt schon rund acht Jahre keinen Zeugwart mehr, weil sich niemand für dieses Amt fand. Auch das Vorsitzendenamt war im Jahr 2011 schon einmal vakant.

"Sporttreiben im TV wird teurer"

Um die Übernahme von Vorstandsämtern zu erleichtern, bemühe sich der amtierende Vorstand darum, für das Jahr 2013 eine organisatorische Konzeption mit einer "Geschäftsstelle" zu erarbeiten. Es soll dann eine bezahlte Teilzeitkraft möglichst viele Verwaltungstätigkeiten übernehmen, die bis jetzt ehrenamtlich von Vorstandsmitgliedern erledigt wurden. Eine entsprechende Stellenausschreibung mit Online-Bewerbungsformular findet sich unter www.tvhomberg.de. Es sind dazu bereits einige Bewerbungen eingegangen, so Wilhelm.

Allerdings müsse auch die Teilzeitkraft vom Vorstand beaufsichtigt werden. "Wir hoffen jetzt sehr, dass der oder die Eine oder Andere darüber nachdenken, im Vorstand mitzuarbeiten."

Sollte die angestrebte grundlegende Umstrukturierung des TV 1862 Homberg vom reinen Ehrenamt hin zu teilweiser Professionalisierung gelingen, so werde dies zwingend mit nicht unerheblichen finanziellen Aufwendungen verbunden sein, darauf machte Wilhelm aufmerksam.

"Die derzeit überaus erfreuliche Finanzsituation des TV 1862 Homberg dürfte zunächst einen relativ sanften Übergang ermöglichen. Es wird aber absolut unvermeidbar sein, dass Sporttreiben im TV 1862 Homberg in den nächsten Jahren spürbar teurer wird". Bei der Jahreshauptversammlung am 25. Januar 2013 hätten die Mitglieder des TV 1862 Homberg über den weiteren Weg des Vereins zu entscheiden. "Derzeit ist alles denkbar, leider auch das Aus nach 150 bewegten Jahren," so Wilhelm besorgt.

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