"Es tut sich langsam was, man hört uns"

Homberg (ks). Der Protest gegen das geplante Kleintierkrematorium ebbt nicht ab. Am Montag kamen die Gegner des Vorhabens erneut im Güntersteiner Hof zusammen, um das weitere Vorgehen zu beraten.

So soll unter anderem eine Unterschriftenliste an Vertreter der städtischen Gremien übergeben werden. Fachanwälte sollen klären, ob das Genehmigungsverfahren korrekt abgelaufen ist. Nachbarn der geplanten Einrichtung haben unterdessen Widerspruch gegen eingelegt. Verärgert zeigen sich Anlieger vor allem über mangelhafte Information im Vorfeld. Auch in den städtischen Gremien sei kaum jemand in Kenntnis gewesen.

Wieder hatten sich etwa 60 Bürger eingefunden, um ihrem Unmut Luft zu machen. Moderator Sandro Wittig zeigte sich erfreut über das anhaltend große Interesse, "je mehr mitmachen, desto besser" sei die Devise – und: "Der Widerspruch steht." Dieser habe aufschiebende Wirkung, so Wittig: "Es gibt also momentan einen Baustopp." Auch der nahe gelegene Rewe-Markt prüfe rechtliche Schritte, wurde gesagt. Hier hofft man sich einen einflussstarken Verbündeten ins Boot zu holen. Immer mehr Menschen kämen zur Protestinitiative. Es gehe jetzt darum, den Vorgang bis zur Genehmigung prüfen zu lassen. Der Widerstand sei mittlerweile auch zu den Parteien in der Stadt durchgesickert, dort befasse man sich mit dem Thema.

Rund 400 Unterschriften sind inzwischen gesammelt worden, laufend kämen weitere Unterzeichner dazu, hieß es beim Treffen. Dankenswerter Weise hätten sich auch viele mit Spenden engagiert, um die geplanten Aktionen finanzieren zu können. Ein Konto wurde angelegt. Ein Teilnehmer regte an, man könne überlegen, einen gemeinnützigen Verein zu gründen. Tanja Schneucker wollte klar gestellt sehen, dass sich der Widerstand vor allem am geplanten Standort iem Mischgebiet entzündet: "Wir sind nicht gegen das Kleintierkrematorium, es soll nur woanders hin." So sei man durchaus gewillt, den Betreibern zu helfen, einen anderen Standort zu finden. Solche Bemühungen waren aber im Vorfeld nicht erfolgreich, hatte Bürgermeister Béla Dören bereits gegenüber dieser Zeitung gesagt.

Fachanwälte sollen jetzt den Ablauf des vereinfachten Verfahrens nach Bundesimmissionsschutzgesetz prüfen. Es werde zwischen einem und drei Monaten dauern, bis die Prüfung abgeschlossen ist. Dann werde der beauftragte Anwalt das Ergebnis erläutern. Der Anwalt hat aber ganz klar wissen lassen, dass er das Verfahren nur durchzieht, wenn er eine echte Chance sieht. Die Frage ist laut Wittig auch, wie sich die städtischen Gremien zu dem Vorhaben verhalten.

Bei der Stadtverwaltung habe man am 12. Januar ein entsprechendes Schreiben abgegeben, aber bislang noch keine Antwort erhalten. Auch Magistratsmitglieder hätten bekundet, sie hätten bis zum Bericht in der Zeitung keine Kenntnis von dem Vorhaben gehabt. Kurz danach hatten besorgte Anwohner zu einer ersten kurzfristigen Sitzung eingeladen, um sich zu beraten. Viele wüssten aber immer noch nichts von dem geplanten Kleintierkrematorium, so die Vermutung. "Es tut sich aber langsam etwas, man hört uns", meinte Holger Wolf. Petra Wolf, die an der Versammlung teilnahm und die für die CDU in der Stadtverordnetenversammlung sitzt, sagte, das Parlament sei bis zum heutigen Tag nicht informiert worden.

Aus der Sicht vieler Nachbarn ist vor allem das Umfeld des geplanten KrematoriumsStandortes nicht ausreichend berücksichtigt worden. Dort gibt es unter anderem kleinere und mittlere Gewerbebetriebe, Wohnhäuser und den Rewe-Markt.

Campingplatzbetreiber Arnold Lehmann sieht seine Pläne massiv durch eine solche Umnutzung des ehemaligen Getränkemarktes gefährdet. Er will – wie berichtet – an seinem Platz feste Ferienbungalows und Chalets bauen. "Es hat Jahre gedauert, bis mein Vorhaben durch war und dann musste der Plan noch vier Wochen lang öffentlich ausgelegt werden," gab sich Lehmann am Montag verblüfft und verärgert. Er sieht touristische Bestrebungen in diesem Bereich durch das Tierkrematorium zunichte gemacht. "Es wäre doch ärgerlich, wenn das Lebenswerk des Campingplatzbetreibers so torpediert wird. Das Krematorium gehört von der Ausrichtung her einfach nicht in dieses Gebiet," so Moderator Wittig. Zu fragen sei auch, warum die Stadt bei einem Besitzerwechsel des Grundstücks nicht vor ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch gemacht hat, wurde gefragt. Verwiesen wurde ferner auf das nahe Neubaugebiet der Stadt, auch dazu passe kaum das Vorhaben Tierkrematorium.

"Warum kamen die Betreiber nicht mal vorher auf uns zu?" wollte Klaus Beutel wissen. So seien offenbar einige Gewerbebetriebe in das Vorhaben eingeweiht worden, während die Mehrheit der Anlieger nichts davon erfahren habe. Nach der Debatte waren sich die Teilnehmer einig: "Wir lassen uns das nicht gefallen."

Es müsse unter anderem darum gehen, politisch Druck zu machen. So sei das Genehmigungsverfahren das eine, "es stecken aber auch menschliche und ethische Bedürfnisse dahinter," hieß es. Vorgeschlagen wurde die heimischen Landtagsabgeordneten anzusprechen. Nun soll zunächst die Unterschriftenliste überreicht werden, weitere Aktionen sind in Planung. Hierzu soll die Kommunikation untereinander noch verbessert werden, wurde versprochen. Es gehe um einen möglichst "wirkungsvollen Auftritt."

Ungeachtet des ernsthaften Hintergrunds blieb Raum für Ideen zu spaßigen Protestformen: "Wir melden eine Demo an, jeder bringt ein Stofftier mit und dann laufen wir erst mal eine Viertelstunde durch den Kreisverkehr," schlug einer vor.

Deutlich wurde aber auch an diesem Abend die Besorgnis, die schon mehrfach geäußert wurde: "Es muss jedem klar sein, dass dann die Grundstückspreise und die Mieten nach unten gehen."

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