Ringen um Arbeitsplätze bei Kamax geht weiter

  • Joachim Legatis
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Homberg(jol). Die Auseinandersetzung um 320 Arbeitsplätze bei Kamax in Alsfeld und Homberg geht weiter. Wie die IG Metall und das Unternehmen einvernehmlich mitteilen, wird nun eine Einigungsstelle eingerichtet. Entlassungen sind erst einmal nicht möglich. In weiteren Verhandlungen soll ein Kompromiss gefunden werden. Das ist das Ergebnis beim ersten Termin vor der tariflichen Schlichtungsstelle.

Offenbar geht es Kamax wirtschaftlich besser, so berichtete Stefan Sachs von der IG Metall davon, dass die Auftragslage wieder an die 100 Prozent herankommt. Das Unternehmen will sogar Überstunden und den Einsatz von Leiharbeitern vereinbaren. Ein Kamax-Sprecher meinte hingegen, die Auftragslage "befindet sie sich weiterhin unter den Kapazitäten". Das Unternehmen gehe davon aus, dass ein kurzfristiger Anstieg mit Nachholeffekten bei den Kunden zusammenhängt.

Zurück zu den laufenden Verhandlungen: Wie der Kamax-Sprecher mitteilte, haben sich die beiden Seiten am Dienstag auf "ein strukturiertes Verfahren zum weiteren Vorgehen" verständigt. Es werde eine Einigungsstelle eingerichtet, um für die deutschen Kamax-Standorte in Alsfeld, Homberg sowie Osterode (Harz) einen Interessenausgleich und Sozialplan bis zum 30. Oktober 2020 zu verhandeln. In diesem Zusammenhang werde auch die Anpassung des Ergänzungstarifvertrags verhandelt.

Stefan Sachs erläuterte zum Hintergrund, dass die Gewerkschaft einen Ergänzungstarifvertrag mit Kamax abgeschlossen hat. Darin verzichten die Beschäftigten auf Lohnzuwächse, dafür sind betriebsbedingte Kündigungen bis 31. März 2022 ausgeschlossen. Doch dann kam die Corona-Krise und sorgte für Probleme in der Autoindustrie. Die Kamax-Führung will nun den Ergänzungstarifvertrag kündigen, um 100 Beschäftigte in Homberg zu entlassen und das Werk in Alsfeld mit 220 Stellen "plattzumachen", wie der 1. Bevollmächtigte der IG Metall sagt. Zudem sollen in Osterode weitere 100 Stellen abgebaut werden.

Die Kamax-Führung argumentiere, die Branchenkrise sorge dafür, dass die Geschäftsgrundlage für den Tarifvertrag weggefallen ist. Die IG Metall sieht das anders, deshalb ging man vor die Schlichtungsstelle. Der Schlichter ist ein ehemaliger Arbeitsrichter, der keine schnelle Entscheidung treffen wollte. Er schlug vor, so Sachs, die beiden Seiten sollten erst einmal gemeinsam eine Lösung suchen. Bis November sind vier Gesprächsrunden geplant, das biete Chancen, einen Kompromiss zu finden. Ansonsten will der Schlichter einen Vorschlag unterbreiten.

Das wertet Sachs als positiv, denn "die betriebsbedingten Kündigungen sind erst einmal nicht möglich". Die wirtschaftliche Entwicklung bei dem Autoindustrie-Zulieferer sei positiv, wenn nun bereits Überstunden und Leiharbeiter für nötig erachtet werden. Da sei die Schließung des Werks Alsfeld und die Entlassung von weiteren Mitarbeitern nicht nachvollziehbar.

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