Landwirte und Grundstückseigentümer aus Appenrod wehren sich gegen die Trassenführung der Autobahn. FOTO: PM
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Landwirte und Grundstückseigentümer aus Appenrod wehren sich gegen die Trassenführung der Autobahn. FOTO: PM

Autobahn

Richterspruch als letzte Hoffnung der Appenröder A49-Gegner

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Wenn die Autobahn kommt, dann geht nicht nur den Landwirten Ackerfläche verloren und der Verkehrslärm steigt. Die Appenröder sorgen sich massiv um die Zukunft ihres Dorfes.

Der Bau des letzten Teilabschnittes der A 49 steht weiter massiv in der Kritik. Das war dieser Tage wieder in einer Versammlung von Landwirten zu spüren. "Appenrod hat Angst," formuliert es Horst Böttner. Man werde "zwangsenteignet" so der Tenor bei der Zusammenkunft von Landwirten und Grundstückseigentümern. Das, was der Staat im Zusammenhang mit dem Weiterbau der Autobahn mache, sei "Willkür" und zeuge von großer Rücksichtslosigkeit. Von den 210 Hektar Grundstücksflächen, die für das letzte Teilstück der A 49 zwischen Stadtallendorf und Gemünden gebraucht werden, liegt der größte Teil in der Gemarkung Appenrod.

Die Gemarkungsfläche beträgt nur 540 Hektar. Landwirte und Grundstückseigentümer haben nach Planfeststellungsbeschluss und im laufenden Flurbereinigungsverfahren zwei Möglichkeiten. Entweder sie unterzeichnen eine Besitzüberlassung und bleiben damit Eigentümer und werden entsprechend der gesetzlichen Vorgaben entschädigt. Oder die Grundstückseigentümer verkaufen die benötigen Flächen an den Bund.

Die Landwirte aus Appenrod wollen weder das eine noch das andere, sie fordern: "Keine Autobahn durch die Gemarkung Appenrod". Denn damit verliere das Dorf seine Zukunft - durch Lärm und das erhöhtes Verkehrsaufkommen. Dazu kommt der Bau einer großen Parkanlage fast in der Nähe der Ortsbebauung. Damit gehe mehr Kriminalität einher, fürchten die Bürger.

Denn schon längst entspreche die Trasse nicht mehr der ursprünglichen Planung. Die Trassenführung sei Anfang 2000 mit dem "Schlenker durch das Ohmtal" veränderte worden, weil dort der geringste Widerstand vermutet worden sei. "Wir sind verschaukelt worden - von allen Seiten," sagt Horst Böttner.

Ein Landwirt verdeutlich die Auswirkungen des Autobahnbaues auf seinen Betrieb: "Ich verliere 15 Prozent meiner Flächen. Ich werde 92 Cent je Quadratmeter Entschädigung für meine Flächen bekommen". Es gebe fast keine Möglichkeit, sich dagegen zu wehren. Vielleicht könne man auf die Existenzgefährdung des Betriebes verweisen. Auch im laufenden Flurbereinigungsverfahren sei es möglich, seine Rechte geltend zu machen. Aber das sei ein schwieriges und vor allem sehr langes Verfahren. Diese Autobahn habe sich geschichtlich überholt, meinten andere Landwirte. Dass eine Gasleitung unter der Autobahn durchführt sei in dem Planfeststellungsverfahren nicht berücksichtigt worden. Jetzt werde auch hier nachgebessert.

Kritik an Zahlungen

Die Preise für Acker- und Grünland mit höchstens 1,30 Euro anzusetzen, sei falsch. Es handele sich um wertvolles Ackerland, für das der Preis gestiegen sei. Aus der Mitte der Versammlung kam der Hinweis, dass die Stadt zur Erschließung des neuen Industriegebietes sieben Euro pro Quadratmeter zahlt. Barbara Schlemmer informierte darüber, dass der Bodenrichtwert derzeit bereits bei zwei Euro liege. Der neue Bodenrichtwerte treibt auch die Pachtpreise für die Flächen in die Höhe. 210 Hektar werden benötigt, bisher seien aber nur 81 Hektar seien von der Baugesellschaft Deges gekauft worden.

In Marburg, so Horst Böttner, werde derzeit die "Einhausung" der Stadtautobahn diskutiert. Und diese Einhausung bringen die Appenröder ins Spiel, was die vorhandene und "autobahnähnlich ausgebaute" Bundestraße 62 betrifft. Auch die Straßen ab Stadtallendorf seien vorhanden und könnten zur Autobahn erweitert werden. Nach Marburg könnten die vorhandenen Straßen ebenfalls als Autobahn ausgebaut und auf das bereits fertige Autobahnteilstück Gießen-Marburg geführt werden.

"Für Dannenrod, Appenrod und Maulbach wären die mit dem Bau der Autobahn verbundene Umwelt- und Naturzerstörung, der Verlust wertvoller Ackerflächen und die Lärmbelästigungen vom Tisch," so Böttner. Die Appenröder Bewohner wie auch das Aktionsbündnis gegen die A 49 hoffen nun auf den 23. Juni. Dann entscheidet das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig über eine Klage des BUND Hessen wegen der nicht erfolgten Rücknahme des Planfeststellungsbeschlusses.

Laut Naturschützern werde mit dem Bau der Autobahn unter anderem gegen die europäische Wasserschutzrichtlinie verstoßen.

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