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Jutta Stumpf, Thorsten Müller und Barbara Schlemmer (v. l.) treten bei der Bürgermeisterwahl in Homberg an. Bei einem Pressetermin vor der ehemaligen Schule in der Friedrichstraße ging es auch im die geplante Schaffung von seniorengerechten Wohnungen auf dem Gelände, für die drei Neubauten entstehen sollen. So würde Stumpf lieber eine Umnutzung des Gebäudes sehen. »Das ist der einzige Fall von Kunst am Bau in ganz Homberg«, meinte sie.

Bürgermeisterwahl Homberg

Nun gehen vier Kandidaten ins Rennen

  • Lena Karber
    VonLena Karber
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Am 3. Januar war Bewerbungsschluss für die Bürgermeisterwahl in Homberg. Die Zahl der Kandidaten hat sich erhöht: Simke Ried bekommt dreifache Konkurrenz von Bürgerforum und Grünen.

Wenn sich mehrere Fraktionen trotz unterschiedlicher Standpunkte im Wahlkampf auf einen Kandidaten einigen, den sie unterstützen möchten, ist das nichts Ungewöhnliches. Dass sich mehrere Personen auf eine inhaltliche Linie verständigen, um dann mehrere Kandidaten antreten zu lassen, hingegen schon. In Homberg ist jedoch genau das nun eingetreten. Bevor gestern Abend die Bewerbungsfrist für die Bürgermeisterwahl abgelaufen ist, haben Jutta Stumpf, Barbara Schlemmer und Thorsten Müller bekannt gegeben, dass sie zur Wahl antreten werden - irgendwie gemeinsam als Team, aber gleichzeitig gegeneinander. Denn gewinnen kann natürlich nur einer.

Die Kandidatensuche war in den vergangenen Wochen fraktionsübergreifend sehr schleppend verlaufen. Die langwierigen Auseinandersetzungen und der Ton in der Stadtverordnetenversammlung hatten wohl dazu beigetragen, dass Homberg als »schwieriges Pflaster« auf potentielle Bewerber eher abschreckend wirkte. Einzig die 39-Jährige Simke Ried hatte im Dezember ihre Kandidatur bekannt gegeben. Trotz CDU-Mitgliedschaft will sie als unabhängige Kandidatin antreten, die von CDU, SPD und Freien Wählern unterstützt wird.

Homberg als Wohnort

Aus dem Lager des Demokratischen Forums und der Grünen erhält Ried nun gleich dreifache Konkurrenz. »Ich bin einfach der Auffassung, dass man eine Auswahl braucht, sonst ist es keine Wahl«, sagte Jutta Stumpf bei einem Pressetermin. Leider sei bei den Kandidaten, die fachlich geeignet gewesen seien, die Motivation nicht da gewesen, bei der Wahl in Homberg anzutreten und auch ihren Lebensmittelpunkt dorthin zu verlegen. Dabei sei das Bürgermeisteramt ihrer Auffassung nach »kein Job oder Beruf, das muss Berufung sein«. Selbst vor Ort zu leben und somit von den Entscheidungen auch betroffen zu sein, halte sie für wichtig.

»Wir von hier - wir für hier« fasste Thorsten Müller das Motto der drei Kandidaten entsprechend zusammen. Damit grenzen sie sich klar von der Kandidatur von Oberstudienrätin Simke Ried ab, die aus Cölpe stammt und angekündigt hatte, auch im Falle eines Wahlsieges dort wohnen zu bleiben. Als Kandidatin von außerhalb stehe sie für einen Neustart, hatte sie bei ihrer Vorstellung kurz vor Weihnachten gesagt.

Bei den drei hinzugekommenen Kandidaten ist die Ausgangslage eine ganz andere. So haben Jutta Stumpf und Barbara Schlemmer im Zuge des erfolgreichen Bürgerbegehrens gegen den geplanten Neubau eines Einkaufsmarktes auf dem Gelände der ehemaligen Schule in der Friedrichstraße, erstmals zusammengearbeitet. Zudem sind beide schon viele Jahre in der Homberger Kommunalpolitik aktiv: Stumpf ist seit 2011 Mitglied der Stadtverordnetenversammlung und nach Stationen bei SPD und CDU inzwischen Fraktionsvorsitzende des Demokratischen Forums; Schlemmer hat 2015 die Homberger Grünen gegründet, war fünf Jahre lang Magistratsmitglied und ist aktuell Stadtverordnete, Fraktionsvorsitzende und Mitglied des Kreistags. Thorsten Müller ist seit dem vergangenen Jahr Magistratsmitglied für die Grünen.

Auf die Frage, wie die Kandidaten angesichts dieser Konstellation zum Überbrücken der Gräben beitragen wollen, meinte Schlemmer, man werde aufeinander zugehen und das Gesprächsangebot erneuern. Es sei auch »der Versuch, die bestehenden Konflikte aufzulösen«, betonte sie. Von Fraktionszwang halte man nichts, auch die drei Kandidaten seien sich nicht in allem einig. In Homberg, so Schlemmer, habe man verlernt »einen Diskurs zu führen« und Sache und Person zu trennen.

Es müssten Spielregeln eingehalten werden, dann seinen Kontroversen in Ordnung. »Ich habe nie verstanden, warum man meinte, es gäbe Streit«, sagte Stumpf. Der politische Diskurs sei doch wesentlich für die Demokratie.

Kein klassischer Wahlkampf

Der Wahlkampf soll nach Auffassung der Kandidaten jedenfalls nicht dazu beitragen, dass sich etwaige Fronten weiter verhärten. »Wir werden keinen klassischen Wahlkampf führen«, betonte Schlemmer. Darüber bestand Einigkeit. Die Frage, wie das bei ihnen im Einzelnen aussehen wird, beantworteten die drei jedoch unterschiedlich.

So will Stumpf ausschließlich auf das persönliche Gespräch setzten. Wer etwas wissen wolle, könne sich jederzeit telefonisch melden, lautet ihre Devise. Schlemmer hingegen kündigte an, dass sich neben einer Kommunikation über die Presse auch ihren Twitter-Account nutzen werde und eine Diskussionsveranstaltung nicht ausschließe. Plakate und Co. soll es jedenfalls nicht geben, der Fokus liege auf Gesprächsangeboten.

»Wir sind uns überwiegend einig«, sagte Müller in Bezug auf den Wahlkampf und fasste damit die Gesamtidee zusammen: Inhaltlich gibt es eine gemeinsame Linie - die Folgen des Autobahnbaus auffangen, weniger Flächenversieglung, Digitalisierung und eine Umnutzung der ehemaligen Schule in der Friedrichstraße - , jeder spreche jedoch für sich, hieß es. Die Homberger sollen dann anhand der individuellen Persönlichkeit entscheiden, wen sie im Rathaussessel sehen möchten.

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