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Linke will A49-Weiterbau stoppen

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
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Homberg-Dannenrod(jol/dpa). Warten auf den "Tag X" im Dannenröder Forst: Praktisch täglich erwarten die Umwelt- und Klimaschützer, die sich im Waldstück gegen den Ausbau der Autobahn 49 in Mittelhessen stemmen, dass die Räumung beginnt. In den vergangenen Wochen haben sich weitere Unterstützer hinter die Proteste gestellt. Auch die Linke im Landtag erneuerte am Dienstag ihre Forderung nach einem Baustopp.

Das Projekt sei ein "Planungsdinosaurier der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts", sagte Vize-Fraktionschef Jan Schalauske bei einer Fraktionssitzung im Dannenröder Forst. Dort und im Herrenwald bei Stadtallendorf sollen Rodungen für den Bau der Autobahn stattfinden.

Derweil bauen Aktivisten weiter an ihrem Zeltcamp, um das in den vergangenen Tagen bereits ein heftiges Tauziehen zwischen den Behörden begonnen hat. Aus Protest gegen das vom RP verhängte Übernachtungsverbot hatten Aktivisten in zwei Nächten Straßen besetzt.

"Ihr habt unsere Unterstützung und Solidarität", rief Linke-Chefin Janine Wissler den Aktivisten zu, die im Zeltcamp am Ortsrand von Dannenrod zur Begrüßung warteten. Auch einige Vogelsberger Linke waren gekommen, um sich der Gruppe aus Wiesbaden beim Besuch des Hüttendorfs anzuschließen. Barbara Schlemmer vom Bündnis "Keine A 49" betonte, dass gerade die Linke im Vogelsberg große Unterstützung geleistet habe.

Schalauske forderte ein Moratorium beim Bau der A 49. Während dieser Baupause solle geprüft werden, ob auf den Weiterbau verzichtet werden kann. Denn es gebe ein Alternativkonzept mit Ortsumgehungen, das den Herrenwald und den Dannenröder Forst schont. "In Zeiten von Klimawandel und notwendiger Verkehrswende sollte auf eine Autobahn verzichtet werden."

Das Riesenbauwerk gefährde die Wasserversorgung für 500 000 Menschen. Den geplanten Bau durch ein privates Unternehmen nannte er besonders kritikwürdig.

Die vielen Millionen für die Autobahn könnten in den Ausbau der Bahn fließen, unter anderem in eine Reaktivierung der Strecke Kirchhain-Gemünden. Die Linke-Fraktion will an diesem Mittwoch einen Antrag in den Wirtschaftsausschuss des Landtags einbringen, "um das Projekt aufzuhalten", wie es hieß.

Positiv sehen die Aktivisten den Besuch aus Wiesbaden. So geht "Momo" aus dem Walddorf davon aus, dass dadurch der Autobahnbau wieder auf Landes- und Bundesebene beraten wird. Dabei werde deutlich, dass "der Realo-Flügel der Grünen das Projekt durchdrücken will". Das verstoße aber gegen die Grundlagen der Grünen-Politik.

Dass man den Ausbau aus Kostengründen nicht mehr stoppen könne, hält er für vorgeschoben. "Für die Lufthansa sind neun Milliarden da." Es helfe aber jetzt nur die Mobilisierung vieler Menschen. Das laufe immer besser.

Allerdings gebe es auch eine "Kriminalisierung" der Waldbesetzung durch CDU und die Planungsgesellschaft Deges. Die Besetzung habe einen sehr friedlichen Charakter, auch wenn es keine Festlegung auf gewaltfreien Widerstand gebe. Dafür seien zu viele unterschiedliche Gruppen beteiligt, betont "Momo".

Dabei bleiben einige Unterstützer der eigentlichen Waldbesetzung bewusst außerhalb des Forstes. So meint "Root" von der Organisationsgruppe für das Dannenröder Camp: "Wir wollen den Wald ja nicht kaputtmachen."

Deshalb entsteht nahe der Mahnwache ein Zeltlager. "Je mehr Menschen den Protest unterstützen, desto eher bleibt der Wald stehen", sagt die junge Frau.

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