Gericht

Kommt Messerstecherei bei Homberger Brunnenfest vor Landgericht?

Eine Frau wird bei einer Messerstecherei beim Homberger Brunnenfest vor einem Jahr lebensgefährlich verletzt. Der Staatsanwalt fordert ein Verfahren beim Landgericht wegen versuchter Tötung.

Die Überraschung hatte sich bereits in einer Verhandlungspause angekündigt, aber erst zum Abschluss des zweiten Verhandlungstags forderte der Vertreter der Staatsanwaltschaft, das Verfahren um eine Messerstecherei in Homberg auf versuchte Tötung zu erweitern und am Landgericht Gießen zu verhandeln.

Zudem forderte er Untersuchungshaft für den 21-jährigen Angeklagten. Der Verteidiger wies das zurück, weil der Angeklagte nach einem Messerstich, der eine junge Frau traf, keinen Menschen mehr angegriffen habe. Das Schöffengericht wird darüber befinden, vorsorglich wurde ein weiterer Verhandlungstag angesetzt.

Zunächst hatten weitere Zeugen des Vorfalls am 16. Juli 2017 in Homberg ausgesagt. Ein 20-Jähriger hatte in jener Nacht mit dem Angeklagten und Freunden viel Alkohol getrunken. Er erinnerte sich, dass der 21-Jährige eine Auseinandersetzung mit dem Freund der später verletzten Frau hatte. Eine Stunde später habe man auf dem Nachhauseweg drei Männer und zwei Frauen getroffen, darunter war der Kontrahent von kurz zuvor.

Der Angeklagte sei allein auf die Gruppe zugegangen und von den drei jungen Männern geschlagen, umgeworfen und getreten worden. Der 20-jährige Zeuge selbst entfernte sich, um nicht auch noch Schläge abzubekommen. Ein 50-jähriger Homberger sagte, er sei durch Lärm auf der Marktstraße wach worden. Dann hörte er, wie jemand rief: "Ich stech’ dich ab".

Ein 48-jähriger Anwohner hat beobachtet, dass der Angeklagte einen aus der anderen Personengruppe aufforderte, "Mann gegen Mann" zu kämpfen. Eine Person lag auf dem Boden, die anderen gingen weg und der Angeklagte lief hinterher.

Eine Zeugin hat gesehen, wie drei Männer auf einen am Boden Liegenden eingetreten haben. Später hörte sie, wie einer aufgefordert wurde, das Messer wegzulegen. Ein Zeuge hat wegen der schlechten Beleuchtung nur gesehen, dass ein Mann niedergeschlagen wurde, der sich kurz darauf aufrappelte und anderen hinterherlief.

Dieses Hinterherlaufen statt der möglichen Flucht wertet der Vertreter der Staatsanwaltschaft als Anzeichen für versuchte Tötung. Für das höhere Strafmaß wäre das Landgericht zuständig. Er begründete den Verdacht damit, dass kein Rücktritt von der Tat erkennbar sei. Dass der Angeklagte in der "Rangelei" geschlagen wurde, sei die Vorgeschichte. Er habe zugestochen.

Der Verteidiger erinnerte daran, dass der 21-Jährige nach dem Stich keine weitere Person verletzt hat. Das müsse zu seinen Gunsten gewertet werden.

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