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Industrie und Dorfidylle

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Von: Kerstin Schneider

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Die Zufahrtsstraße zum Industriegebiet in Nieder-Ofleiden. Anwohner klagen seit Jahre über die Belastung durch Schwerlastverkehr. © Kerstin Schneider

Homberg-Nieder-Ofleiden (ks). Nieder-Ofleiden ist ein Dorf mit Industriegebiet - was einige Probleme mit sich bringt. Seit langem sinnen die Stadtverordneten auf Abhilfe für veschiedene Problemlagen. Das gilt unter anderem für den Lkw-Anlieferverkehr, der durch das Dorf rollt und dann in die Häuser Straße zu den dort ansässigen Gewerbebetrieben. Die Straße, die dafür gar nicht ausgelegt ist, und auch Anwohner leiden unter den Schwerlastern.

Von denen rollen jeden Tag etliche über die Haupstraße durch das Dorf, sogar Panzertransporte, wie dieser Tage vor Ort zu beobachten war.

Den Ortsbeirat beschäftigt das Problem seit Jahren und auch die Fraktionen wie die Grünen, die einen Antrag gestellt hatten, in der Häuser Straße eine Verkehrszählung zu machen. Diese war Thema in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses.

Der Nieder-Ofleidener Ortsvorsteher Frank Heller brachte es so auf den Punkt: »Es ist schlimm, was da abgeht.« Schätzungen gingen von bis zu 120 Lkw täglich aus. Er wünscht sich vor allem, »dass mal Ruhe reinkommt,« denn die Ortsbewohner sind gespalten in ihrer Meinung, was das Industriegebiet und seine Auwirkungen angeht. »Gut wäre endlich eine Lösung, damit mal ein Deckel draufkommt.« Die vor Jahren einmal diskutierte Nordumgehung ist zu den Akten gelegt, weil sie ein Moorgebiet berührt, die Südumgehung wäre aber noch möglich, so Heller. Er sprach auch das Problem mit dem unbeschrankten Bahnübergang in diesem Bereich an, was schon zu Unfällen führte, die glücklicherweise nicht schwer waren. Die Züge fahren in dem Bereich sehr langsam, kündigen ihr Herannahen aber mit einem Pfeifton an, der leicht einmal überhört werden kann.

Elke Müller begründete die Notwendigkeit des Handelns, es sei wichtig, endlich belastbare Zahlungen zu bekommen, wer etwa zu der Firma INO fährt. Die Frage sei aber auch, warum es noch kein Nachtfahrverbot gibt.

Barbara Schlemmer riet, die Zählung über einen repräsentativen Zeitraum hinweg zu machen, auch das Regierungspräsidium wolle diese Zählung. Darüber hinaus habe die Firma INO zugesichert, dass keine Nachtfahrten stattfinden sollen.

Nachts doch Lkw-Verkehr?

Danach darf schon jetzt die Firma INO zwischen 22 und 6 Uhr morgens nicht angefahren werden. Die Meinungen gingen auseinander, ob dies teilweise umgangen wird. Möglicherweise hätten Lkw-Fahrer auch keine andere Wahl als ihr Gefährt dort irgendwo abzustellen, weil es sonst keine Parkflächen gibt, sagte Marco Keller.

Schon vorher waren sich die Ausschussmitglieder einig geworden, dass das städtische Zählgerät für diese Messung nicht tauge, weil es nicht zwischen Lkw und Schlepper unterscheiden könne.

Frank Heller berichtete von einer Messung im Mai vergangenen Jahres, die zwischen 23 und 1 Uhr nachts 19 Bewegungen in dem Bereich ergeben hatte, aber nicht klar wurde, ob das wirklich Lkw waren, »oder ob vielleicht Grassilage gefahren wurde.«

Erster Stadtrat Michael Rotter verwies auf die Kosten der Zählung von mindestens 3800 Euro, die Frage sei doch auch, was man dem Ergebnis hinterher anstelle.

Kai Widauer riet, das Ergebnis der Zählung als Basis für weitere Beratungen über eine mögliche Südumgehung zu nehmen. Der Ausschuss sprach sich einstimmig dafür aus, dass der Magistrat eine qualifizierte Zählung in Auftrag geben soll, dabei soll auch eine Videokamera verwendet werden.

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