Erdgeschichte

Homberger "Dicke Steine" sind Geotop des Jahres

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Sie sind älter als die Vogelsberger Vulkane. Sie stammen aus einer Zeit, als Elefanten durch die Gegend trampelten. Die "Dicken Steine" bei Homberg sind Geotop des Jahres.

Jährlich wird in der Region Vogelsberg eine neue Formation zum Geotop des Jahres ausgerufen. Dieses Jahr ist es zum ersten Mal ein Geotop, das nicht vulkanisch entstanden ist. Die "Dicken Steine" bei Homberg (Ohm) bestehen aus Sand, der älter ist, als das Vulkangebiet Vogelsberg. Solche Sande wurden vor 40 bis 18 Millionen Jahren im Zeitalter des Tertiär von Bächen und Flüssen aus den Bergen der Umgebung hierher transportiert und abgelagert. Ein Teil des Sandes ist "verkieselt" und zu einem mit Quarz gebundenen Sandstein geworden, der sehr hart ist. Man spricht hier auch von "Tertiärquarzit". Der Vogelsberg ist mit rund 2500 km² Fläche das größte Vulkangebiet Mitteleuropas. Im Zentrum findet man fast ausschließlich vulkanische Gesteine. Ganz anders ist es an den Rändern. Hier treten ältere Ablagerungen zutage, die teilweise viele 100 Millionen Jahre und damit bis ins Erdaltertum zurückreichen.

Teilweise sind die Ablagerungen aber nur wenig älter als der Vulkanismus, der vor etwa 18 Millionen Jahren begonnen und vor etwa 15 Millionen Jahren geendet hat. Bei Homberg sind es vor allem relativ "junge" Ablagerungen, Sande und Tone, die in der Region auch abgebaut wurden und teilweise noch werden. Die ältesten wurden gebildet, als durch das Amöneburger Becken eine schmale Meeresstraße verlief, in der sich Haie tummelten. Die jüngeren Ablagerungen sind Zeugen einer Zeit, in der Ur-Elefanten durch die Landschaft streiften, Krokodile in Sümpfen lauerten und immergrüne Lorbeer- und Gummibäume die heimischen Wälder bildeten. Es ist eine Landschaft lange vor der Entwicklung des Menschen – ein Land vor unserer Zeit.

Die Vulkane, die den Vogelsberg bildeten, veränderten die Landschaft mit ihren Schloten, Aschen und Lavaströmen – das Leben ging weiter. So in dem Maar-See, der sich bei Nieder-Ofleiden gebildet hatte. Heute sind Felsen und Steinbrüche Fenster in die Erdgeschichte, die kleine Einblicke erlauben. So ist der Tag des Geotops eine Gelegenheit, einen kleinen Einblick in eine lange zurückliegende Vergangenheit zu erhalten.

Der Begriff Geotop kommt aus dem Griechischen und bezeichnet einen Ort, der erdgeschichtlich interessant ist. Bedeutende Geotope sollten erhalten werden. Um darauf aufmerksam zu machen, wurde der Tag des Geotops ausgerufen. Dieser findet bundesweit am dritten Sonntag im September statt und wird von Veranstaltungen begleitet.

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