Friedrichstraße

"Homberger Bürger wollen Seniorenwohnungen"

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"Dieses Jahr passiert etwas", hieß es im März. Jetzt ist das Jahr fast um, passiert ist auf dem Homberger Grundstück in der Friedrichstraße mit der früheren Grundschule noch nichts.

Jetzt befassten sich der Haupt- und Finanzausschuss und der Bau- und Umweltausschuss erneut mit dem Grundstück, zu dem seit etlichen Jahren geplant, diskutiert, wieder verworfen und neu diskutiert wird.

Eine Zäsur war Mitte 2015 der Bürgerentscheid, an dem sich rund die Hälfte der Wahlberechtigten beteiligte, die waren mit großer Mehrheit dafür, auf dem Gelände barrierefreie Wohnungen für Senioren zu bauen. Es gibt einige Interessenten für das Grundstück, darunter war vor sechs Jahren schon der ortsansässige Architekt Herbod Gans, der seine Pläne in den Gremien vorstellte. Aber auch die Schottener Sozialen Dienste haben ein Auge auf das Grundstück geworfen. .

Bürgermeister Claudia Blum präsentierte im Ausschuss Optionen für eine recht großflächige Vermarktung, bei der man auf rund 16 000 Quadratmeter kommen würde, eine Größenordnung, wie sie offenbar die Schottener Sozialen Dienste für ihr Vorhaben einer weiteren Pflegeeinrichtung brauchen würden. So war auch der Ankauf eines benachbarten Grundstücks in der Überlegung. Der Magistrat sei aber dafür, nur einen Bereich von rund 6000 Quadratmetern anzubieten, die frühere Grundschule und einen Teil des Krabbelhauses, für den dann Ersatz her müsste. Die von Blum präsentierten Pläne stießen auf erheblichen Protest bei CDU und Grünen, damit werde der Bürgerentscheid konterkariert, meinte Sabine Dörr (Grüne). Kita und Krabbelhaus brauche man auch weiterhin und für seniorengerechtes Wohnen sei das Gelände optimal, dann müsse man nicht mal den Bebauungsplan ändern. Für die darüber hinausgehenden Pläne solle man besser andere Grundstücke ins Auge fassen, etwa am alten Bahnhof oder am alten Rewe-Markt. Norbert Reinhardt (CDU) meinte, das Krabbelhaus muss bleiben, sonst müsse man anderer Stelle für viel Geld ein neues bauen. Und man wolle den Schottener Sozialen Diensten auf jeden Fall helfen, ein neues Grundstück zu finden,

Armin Klein (CDU) verwies auf den Bürgerentscheid, wonach der Schwerpunkt ganz klar auf seniorengerechtem Wohnen liege soll, "sonst werden wir gegenüber den Bürgern unglaubwürdig." Die seniorengerechten Wohnungen seien für diesen Bereich einfach gesetzt. Rolf Süßmann (Freie Wähler) warnte vor der Angst vor großen Plänen, man solle nicht zu klein denken. "Wir haben ein Filetstück und wollen Gulasch draus machen?" Das wollte ihm nicht in den Kopf, man dürfe nicht immer so ängstlich sein. Allerdings konnten die Freien Wähler mit ihrer Vorstellung, am gleichen Ort noch ein medizinisches Versorgungszentrum mit Palliativstation zu etablieren, die Mehrheit nicht überzeugen. Die sieht diese Sparte an anderer Stelle eher. Sabine Dörr erinnerte daran, dass es schwer sei, Ärzte für eine solche Einrichtung zu gewinnen. In Kirtorf sei es bisher nicht gelungen. Seit langem bemüht sich auch die Stadt Ulrichstein vergeblich darum.

Reinhardt warnte davor, man werde auf dem Gelände ohnehin nicht die "Eier legenden Wollmilchsau" bekommen. Zudem soll die Grünanlage als Bestandteil der "Wegelchen" unbedingt erhalten bleiben, dafür sind nicht nur die Mitglieder der Grünen.

Gabriele Schäfer-Langor (SPD) sprach sich dafür aus, zunächst noch einmal mit den Bürgern zu ermitteln, welcher Bedarf überhaupt da ist und was genau gewünscht wird. Ihr Kollege Peter Honig schlug vor, die Investoren sollten ihre Konzepte vorstellen.

Bauausschussvorsitzender Benjamin Wolf sprach sich dafür aus, das Seniorenwohnen auf dem Gelände voran zu treiben und gleichzeitig für die anderen Wünsche und Pläne Grundstücke zu suchen, "schließlich wollen wir die Schottener Sozialen Dienste nicht verlieren." Bürgermeisterin Blum wies Kritik zurück, es solle keinen Ausverkauf auf dem Gelände geben, aber wenn man es verkleinere, schränke das den Kreis möglicher Investoren ein.

Laut Empfehlung soll nun ein Interessenbekundungsverfahren mit den Investoren für das Gelände stattfinden, um auf rund 6000 Quadratmetern seniorengerechten Wohnraum zu bekommen. Spielplatz und Krabbelhaus sollen auf jeden Fall erhalten bleiben, weil man sie dringend benötige. Für die anderen Planungen soll nach anderen Grundstücken geschaut werden.

Die Beschlussempfehlung erging jeweils mehrheitlich bei einigen Enthaltungen.

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