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Thorsten Rühl geht davon aus, dass das Homberger Schloss ein Sitz von Mitgliedern des Templerordens war.

Templerorden

"Homberg war wohl Hauptsitz der hessischen Tempelherren"

Es gibt eine Reihe von Indizien, die nahelegen, dass der Templerorden im Mittelalter eine Niederlassung im Homberger Schloss hatte. Akribisch zusammengetragen hat sie Dr. Thorsten Rühl.

Zum Vortrag hatten die Schlosspatrioten eingeladen. In deren Namen begrüßte Beate Gossfelder-Michel die zahlreichen Zuhörer im Kaminsaal und gab gleich den ersten Hinweis auf die Templer in Homberg. Nach den Aufzeichnungen des Amtmanns Moritz von Gilsen zu Zeiten des Dreißigjährigen Kriegs wurde hinter der Kapelle auf dem Schlossgelände eine "zimliche Anzahl Todten-Cörper" gefunden, die weit größer waren als damals üblich. Daraus folgerte 1697 Johann-Just Winkelmann in seiner Abhandlung "Gründliche Und Warhafte Beschreibung Der Fürstenthümer Hessen und Hersfeld", dass es "solcher Ordens-Herren Gebeine müssen gewesen seyn".

Mit dem Orden, dem die Gebeine im Gardemaß zugeordnet wurden, waren die Templer, Tempelritter oder Tempelherren gemeint. Um den Orden ranken sich zahlreiche Mythen und Legenden und selbst das Gründungsdatum, so Rühl, ist nicht genau bekannt, es liege zwischen 1118 und 1120 im Königreich Jerusalem. Die enormen Gelder und das geheime Archiv des Ordens sind bis heute verschwunden. Das bietet nicht nur Historikern Anlass, sich mit der Geschichte der Tempelritter zu beschäftigen, sondern regt auch immer wieder zur literarischen Verarbeitung an, beispielsweise Dan Brown beim Roman "Das Sakrileg".

Welche Detailarbeit es bedeutet, dem Wahrheitsgehalt hinter den Sagen, Geschichten und Erzählungen auf die Spur zu kommen, machte Rühl am Beispiel der Geschichte des Homberger Schlosses deutlich. Dabei ging er auf das Verständnis von Gott und der Welt im Hochmittelalter ein. Er erläuterte die Vorstellung vom "heiligen Gral" und das Verständnis der Templer als dessen "Hüter".

Aus Wolfram von Eschenbachs "Parzival" lasse sich ihre Vorstellung vom "wahren Christentum" herauslesen, die "neben dem Kirchenchristentum" bestand. Wer von der offiziellen Glaubensauslegung der katholischen Kirche abwich, wurde zum "Ketzer" erklärt und endete oft auf dem Scheiterhaufen. Das galt auch für viele Templer.

In Marburg erinnert noch heute ein Straßenname an die Inquisition: die Ketzerbach. Hier sorgte Konrad von Marburg, Beichtvater der Heiligen Elisabeth von Thüringen, für den Vollzug. Bei der Einordnung der Tempelherren als Ketzer folgte Rühl weitgehend dem Schriftsteller Otto Wilhelm Rahn (1904-1939), dessen Familie väterlicherseits aus Zeilbach stammte und der oft bei Verwandten in Homberg zu Besuch war.

Dieser bemühte sich intensiv darum, nachzuweisen, dass die Katharer eine Ketzerbewegung (Katharer = Ketzer) mit uralten arischen Wurzeln sind, was anerkannten wissenschaftlichen Erkenntnissen widerspricht. Seine Arbeit zum "Kreuzzug gegen den Gral" (1933), die ihn europaweit bekannt machte, legte den Grundstein für seine Karriere im Stab des Reichsführers SS Heinrich Himmler, die unter ungeklärten Umständen 1939 mit seinem Tod in Tirol endete. So ist es dem Wikipedia-Eintrag zu Rahn zu entnehmen, an diesem Vortragsabend gab es dazu keine weiteren Informationen.

Auf weitere Zusammenhänge, beispielsweise zu den Fürsten, welche die Tempelherren in Oberhessen unterstützen (zum Beispiel Otto I), und zu dem Wissen, das ehemalige Homberger Schlossherren vermutlich hatten, das aber nicht schriftlich festgehalten wurde, ging Rühl ausführlich ein. Zusammengefasst lassen sich einige starke Indizien für die Existenz von Templern auf dem Homberger Schloss festhalten.

Zum erwähnten Fund von Gebeinen aus dem 17. Jahrhundert ist bemerkenswert, dass bis ins 19. Jahrhundert von der St. Georgs-Burgkapelle als "Tempelherrenkapelle" gesprochen wurde. Zudem weisen neuerdings vorgenommene Bodenradaruntersuchung daraufhin, dass es dort im Boden Grabstätten geben könnte.

Als sehr glaubwürdig schätzte Rühl auch den Hinweis von Professor Dietrich Christoph von Rommel in seiner "Geschichte von Hessen" (1823) zu einem historisch belegten "Zwischenfall" bei der Synode in Mainz aus dem Jahr 1310 ein, den er mit einer Quelle aus dem Jahr 1311 belegt. Darin wird das Homberger Schloss als "Hauptsitz der hessischen Tempelherren" bezeichnet.

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