Gewalt im Kindergarten

In Homberg weisen Puppen Kindern den richtigen Weg

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
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Freudibold und Zornibold kamen als Puppenspiel der Augsburger Puppenkiste nach Homberg. Mit dem Programm Papilio sollen Drei- bis Sechsjährige stark gegen Sucht und Gewalt werden.

Angst und Freude zulassen, Freunde finden – das stärkt Kinder, wie 200 Jungen und Mädchen im Kindergartenalter dieser Tage mit "Paula und die Kistenkobolde" der Augsburger Puppenkiste erfuhren. Heulibold, Freudibold und ihre Freunde machten in der Aula der Homberger Ohmtalschule ihre jungen Zuschauern klar, dass verschiedene Gefühle zu Leben dazu gehören. Am Ende konnten sich die Kinder einzeln von den hölzernen Darstellern verabschieden.

Die Puppenspieler waren aber nicht nur zum Spaß in Homberg, sie machten Werbung für ein pädagogisches Programm, mit dem Drei- bis Sechsjährige in den Kitas in ihren sozial-emotionalen Fähigkeiten gestärkt werden. Von "Papilio" ist Wolfgang Weiser absolut überzeugt, er ist im Beratungszentrum Vogelsberg für Sucht-Vorbeugung zuständig. Und er hat bereits die Ausbildung als Trainer absolviert, um Erzieherinnen von Kitas zu unterstützen. "Ich habe viel mit der Jugendpsychiatrie zu tun und merke, dass Depressionen unter Jugendlichen zugenommen haben," benennt er ein Motiv für diesen Einsatz. Die Lebensbedingungen für Kinder hätten sich verschärft, dafür gebe es mehrere Gründe. Deshalb sei ein so fundiertes Programm wie Papilio gerade im Kita-Bereich so wichtig.

Kinder spielen ohne Spielzeug

"Wer eine höhere sozial-emotionale Kompetenz hat, ist nicht so anfällig für Sucht und Gewalt" im späteren Leben, ist Weiser überzeugt. Da setzt Papilio an, indem Erzieherinnen geschult werden, mit pädagogischen Spielen und dem Einüben von sozialen Regeln die Entwicklung der Kinder zu fördern. "Wie verhalte ich mich als Erzieherin so, dass es die Kinder stärkt," formuliert es Papilio-Trainerin Katja Pfalzgraf. So schaut man sich gemeinsam das Puppenspiel über den Umgang mit Gefühlen an und bestreitet einen Tag pro Woche ohne Spielzeug. Dabei lernen die Kinder, kreativ und sozial mit anderen umzugehen. Beim "Meins-deins-deins-unser-"Spiel geht es um das Einüben von sozialen Regeln, erläutert Pfalzgraf einen weiteren Baustein des Programms. Ziel ist es, Rücksicht auf die anderen Kinder zu nehmen und Außenstehende in eine Gruppe hineinzuholen. Am Ende gewinnt die sozialste Gruppe, die sich etwas aussuchen darf, das allen im Kindergarten zugute kommt, zum Beispiel zusammen zu kochen.

Was Papilio auszeichnet ist die wissenschaftliche Kontrolle der Erfolge im sozialen Verhalten. Weiser sagt, dass die Sprachkompetenz der Kinder in Papilio-Kitas höher ist als in anderen Einrichtungen. Allerdings ist die Schulung für die Kitas aufwendig. Über eineinhalb Jahre verteilt fallen sieben Tage Fortbildung an, das ist eine Belastung für die Kolleginnen.

Kitas arbeiten nach der Methode

Träger von Papilio ist ein Verein, unterstützt von der Hessischen Landesstelle für Suchtfragen HLS, Schirmherr ist Sozialminister Stefan Grüttner. Regina Sahl von der HLS findet gerade das Fortbildungskonzept für Erzieherinnen gut. Da werde nicht ein paar Tage lang ein Projekt gegen Suchtgefahren durchgeführt, vielmehr werden die Erzieherinnen systematisch in dem gestärkt, was sie im Kita-Alltag bereits machen. Zudem werden die Eltern eingebunden.

Im Vogelsbergkreis arbeiten bislang zwei Kitas in Alsfeld und Romrod nach der Papilio-Methode, eine in Schotten ist dazu bereit, wie Weiser sagt. Er hofft auf weitere Kindereinrichtungen, die mitmachen. Das begrüßt auch Nicole Grün, die schulbezogene Jugendsozialarbeit im Raum Homberg leistet. Ein solches vorbeugendes Programm wäre im Sozialraum West der Jugendhilfe, zu dem Homberg/Gemünden gehört, sinnvoll, wie Weiser ergänzt. Deshalb wurden Paula und die Kistenkobolde nach Homberg eingeladen und 200 Kinder aus vier Kitas sowie einige Grundschüler bekamen einen Einblick in das Programm.

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