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Homberg hofft auf mehr Einwohner durch Autobahn und Industriegebiet

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Homberg wird bis zum Jahr 2030 schrumpfen. Sagt das RP. Stimmt nicht, sagt Mathias Wolf, der für die Stadt im Bereich der Planung tätig ist.

Er sieht einen "kommenden Aufschwung durch die Autobahn und das neue Industriegebiet." Dafür müssten bereits jetzt die Weichen gestellt werden. Im Bau- und Umweltausschuss berichtete Wolf (Ingenieurbüro Fischer, Linden) kürzlich über die Gemeindebefragung im Zusammenhang mit der Neuaufstellung des Regionalplanes Mittelhessen. Dabei gilt es für die Stadt, ihre Interessen zu wahren.

Denn es werde zwar immer von einer Stärkung des ländlichen Raums gesprochen, tatsächlich findet man laut Wolf oft in Planungen fast nur die Belange von Oberzentren oder Ballungsräumen berücksichtigt.

Wolf machte das an einem Beispiel aus der Gemeinde Freiensteinau deutlich. Für vier Bauplätze in Ober-Moos sei der Gemeinde ein sogenanntes Zielabweichungsverfahren aufgedrückt worden, das einen hohen formalen Aufwand bedeutet. "Und die Bauinteressenten sollten noch nachweisen, dass sie wirklich aus Ober-Moos kommen."

So schneide man die ländlichen Räume von einem Wachstum ab, auf das sie einen Anspruch hätten.

Leerstandsquoten

Wolf verwies auf eine von der Planungsbehörde ermittelte Leerstandsquote von Gebäuden, die er für zu hoch angesetzt hält. Als Beispiel hat das RP für Bleidenrod zum Beispiel eine Leerstandsquote von 6,7 Prozent errechnet, in Dannenrod von 7,5 und für die Kernstadt von 5,2 Prozent. Zudem verweist die Aufsichtsbehörde auf viele Baulücken. Dazu waren die Siedlungen überflogen und Baulücken kartiert und zusammengerechnet worden. Daraus hätten die Planer geschlossen, dass die Orte keine neuen Baugebiete brauchen, weil es viele innerörtliche Lücken gibt. Wolf verwies hier auf die Nachbargemeinde Ebsdorfergrund. Bei einer genauen Befragung habe sich gezeigt, dass die allermeisten der ermittelten Flächen gar nicht für eine Bebauung zur Verfügung stehen. Wolf: Der Regionalplan soll eine grobe Vorgabe sein, sich aber bitte nicht auf einzelne Grundstück beziehen.

Auch die Bevölkerungsprognose, die Homberg bis zum Jahr 2010 einen Rückgang auf etwa 7100 Einwohner prophezeit, müsse deutlich hinterfragt werden. Sie berücksichtige nicht die Zuwanderung der vergangenen Jahre und den Zuzug, den sich die Stadt vom Bau der Autobahn und durch das neue Industriegebiet am Roten Berg verspricht. Hier sollen bald neue Zahlen herauskommen, sagte Wolf. Was die negative Prognose der Planungsbehörde für Homberg betrifft, geht er davon aus, "dass die Stadt einen ganz anderen Weg gehen wird."

Für Wolf ist die Bevölkerungsentwicklung von großer Bedeutung, da sich daraus der künftige Siedlungsbedarf errechnet. Diese müssen aber zunächst auf den neuesten Stand gebracht werden: "Auf dem Land ist viel Dynamik drin." Der Stadt wurde für ihre Entwicklung zunächst vier Hektar weitere Entwicklungsfläche zugestanden. Das ist zu wenig, so Wolf. "Das reicht nicht einmal für ein kleines Baugebiet in jedem Ortsteil."

Deshalb hat die Stadt beantragt, im Plan zehn statt vier Hektar zusätzlich vorzusehen. Das müsse nicht alles entwickelt werden, aber "wenn die Entwicklung durch die Autobahn einen Schub erfährt, sind die Möglichkeiten da."

Wolf verwies darauf, dass es weitere Belange gibt, die beachtet werden müssen, etwa Vorrangflächen für die Landwirtschaft. So schlägt er vor, in den Stadtteilen jeweils 200 Meter Abstand zu landwirtschaftliche Vorrangflächen einzuhalten und den jeweiligen Ortsrand "komplett davon freizuhalten".

Was Gewerbegebiete angeht, so könne man über eine Zusammenarbeit mit Kirtorf oder Gemünden nachdenken, "nicht jede Kommune braucht ein eigenes Gebiet." Ein Problem bilden Hochspannungsleitungen, zu denen ein Abstand von 400 Metern eingehalten werden muss.

Bürgermeisterin Claudia Blum sagte, man müsse Sorge dafür tragen, dass die Möglichkeiten zur Entwicklung nicht zu stark beschränkt werden. Sie zweifelt ebenfalls die negative Prognose zur Bevölkerungsentwicklung an und verweist auf Stadtteile wie Büßfeld, die Zuzug haben. Zudem gebe es aktuell in der Kernstadt nur noch drei Bauplätze.

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