+
Zur Einstimmung berichtete Beate Goßfelder-Michel über die Entwicklung der Kaffeehäuser in der ganzen Welt.

Hauch von Klassik und Klatsch

Homberg (cc). Noch bevor der Frankfurter Hof am Sonntagnachmittag die Türen seines Kaffeesaals öffnete, war die Veranstaltung "Wien bleibt Wien" im Rahmen von Ohm Sweet Ohm schon ausverkauft. Die Kantorin und Pianistin Katrin Anja Krauße und ihr "Caféstreicher"-Ensemble hatten sich bereits einen Namen gemacht.

Passend zu ihren von Oper und Zigeunermusik inspirierten Stücken bot der Saal des Frankfurter Hofs die angemessene Atmosphäre, wie auch Schlosspatriotin Beate Goßfelder-Michel in ihrer Ansprache bemerkte. Der herrlich abgenutzte Charme sowie der Flair eines verlängerten Wohnzimmers beeindruckten nicht nur sie, sondern auch die rund 90 Gäste.

Zur Einstimmung auf die folgende musikalische Reise in das 16. bis 19. Jahrhundert, denn der Kaffeehauskult hielt sich lange in Wien, berichtete Goßfelder-Michel über die Entwicklung der Kaffeehäuser in der ganzen Welt. Denn nicht in Wien, sondern in Mekka öffneten die ersten Kaffeehäuser ihre Pforten – und das schon im 12. Jahrhundert. Erst im 16. Jahrhundert verbreitete sich der Trend in Europa, zunächst in Italien und England. Im Jahre 1683 zog Wien dann nach, doch nirgendwo sonst wurde der Kaffeehauskult so prägnant ausgelebt wie in der Hauptstadt Österreichs. Wo heutzutage eher weibliche Gäste bei einer Tasse Kaffee den neusten Klatsch austauschen, wurde hauptsächlich im 17. Jahrhundert noch Billard und Karten gespielt, denn bis 1856 war der Zutritt für Frauen verboten.

Auch heute noch bieten Café-Ketten wie Starbucks gemütliche Entspannungsorte mit Sofas, die den Kaffeehäusern von damals in gewisser Weise nachempfunden sind. Der Trend des gemeinsamen Kaffeetrinkens hat sich bis heute gehalten, auch wenn ab 1950 das sogenannte "Kaffeehaussterben" durch veränderte Freizeitgewohnheiten wie Fernsehen seine Kreise gezogen hat. Von der Geschichte der Kaffeehäuser zur gespannt erwarteten Künstlerin – Beate Goßfelder Michel erzählte von Katrin Anja Kraußes Reaktion auf das verstimmte Klavier im Frankfurter Hof. Das alte Piano, das sich nicht mehr richtig stimmen lässt und auch nicht mehr alle Tasten besitzt, konnte dem Optimismus Kraußes nichts anhaben. So ließ sie es noch einmal stimmen und hauchte dem verstaubten Kasten mit ihren nostalgischen Stücken neues Leben ein. Gemeinsam mit Volodymyr Pletner an der Violine kreierte sie eine klassische Atmosphäre, die der eines echten Kaffeehauses in nichts nachstand. Viele der anwesenden Gäste summten die bekannteren Melodien mit und ließen sich an diesem verregneten Sonntag in eine vergangene Welt entführen.

Nach dem Einstiegsstück, einem Liebesduett, sagte auch die Künstlerin ein paar Worte. Kuchen essen, Kaffee trinken und Tratschen sowie Tanzen seien nicht verboten und mit den ersten Takten des nächsten Stücks ward die Kaffeehausstimmung perfektioniert. Schnell bildete sich eine lange Schlange am Buffet, und die Musik stand nicht mehr im Mittelpunkt des Geschehens, sondern begleitete die angeregt geführten Gespräche im Hintergrund. Mit dem Beginn des Austauschs alter und neuer Geschichten bekam die Veranstaltung einen privaten Hauch. Katrin Anja Kraußes und Volodymyr Pletners Ziel, den Gästen einen entspannten Sonntagnachmittag mit klassischer Musik zu bereiten, ging auf, und so unterhielten sie die Zuhörer solange sie wollten. Die dritte Veranstaltung von Ohm Sweet Ohm mündete in einem Open Ending.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare