Hacker und Häppchen

Spannung pur erlebten Hombergs Krimifans zum Auftakt der Marktwoche. Elisabeth Herrmann, die bereits verschiedene Krimireihen entwickelt hat, stellte in der Stadthalle ihre beiden jüngsten Werke vor: »Die Mühle« und »Stimme der Toten«.

Von GKA

Spannung pur erlebten Hombergs Krimifans zum Auftakt der Marktwoche. Elisabeth Herrmann, die bereits verschiedene Krimireihen entwickelt hat, stellte in der Stadthalle ihre beiden jüngsten Werke vor: »Die Mühle« und »Stimme der Toten«.

Tatort Böhmerwald, eine alte Mühle in der Nähe von Karlovy Vary (Karlsbad). Die Studentin Lana folgt einer Einladung von Johnny, den sie aus der Schulzeit kennt und dem sie an der Uni wieder begegnet. Er gehörte zu einer geheimnisvollen Clique, genannt The Court, an der auch Lana gern beteiligt gewesen wäre.

Jetzt bekommt sie die Gelegenheit, an Johnnys Stelle an einem Treffen der Gruppe in Tschechien teilzunehmen. Ohne zu ahnen, was sie erwartet, aber neugierig darauf, was die Clique macht und welche Rolle Johnny spielt, reist sie in den böhmischen Badeort. Die Situation wird immer undurchsichtiger und als der erste der Freunde verschwindet, bricht Panik aus.

Schaurig-schön

Elisabeth Herrmann gelingt es nicht nur schnell einen Spannungsbogen aufzubauen, der Leserin und Leser fesselt. Auch bei ihrer Lesung hat sie die rund 100 Zuhörerinnen und die wenigen Männer, die sich in der Stadthalle eingefunden hatten, nach wenigen Sätzen in die geheimnisvolle, bedrohliche Szenerie im Böhmerwald mitgenommen. Mit eindrucksvollen Änderungen der Stimmlage verleiht sie jeder ihrer Figuren Ausdruckskraft, unterstreicht deren Charakter. Ihr als Jugendroman deklariertes Buch erzeugt die schaurig-schöne Atmosphäre, die einen guten Krimi auszeichnet und ist offensichtlich auch für Erwachsene attraktiv. Die begeisterte Reaktion des Homberger Publikums ist jedenfalls nur so zu verstehen.

Beim gleichfalls begeisternden Imbiss, den Martin Jantosca Catering zubereitet hatte, konnten die Krimifans etwas Abstand vom mörderischen Geschehen rund um »Die Mühle« nehmen. Anschließend stellte Elisabeth Herrmann ihren in diesem Jahr erschienen Roman »Stimme der Toten« vor. Er ist in einem völlig anderen Milieu angesiedelt als »Die Mühle«.

Die schon vor sieben Jahren als »Zeugin der Toten« erschaffene Tatortreinigerin Judith Kepler, im gleichnamigen ZDF-Film von der Schauspielerin Anna Loos verkörpert, bekommt hier ihren zweiten Fall, In:einer Bank in Berlin ist ein Mitarbeiter von der Galerie gestürzt – oder ist er gestürzt worden? Jedenfalls hat Judith Kepler Zweifel an der Selbstmordvariante. Diese teilt sie der Polizei mit und gerät selbst in das Visier einer Gruppe von Verschwörern. In der »Stimme der Toten« geht es wieder um Geheimdienste, den Verfassungsschutz, die Stasi, Heimerziehung in der DDR, wechselnde Identitäten sowie die deutsche Geschichte und Vergangenheit. Jetzt wirkt zudem die CIA mit und mit der Hackerattacke wird die Dimension der Digitalisierung problematisiert. Auch hier sorgt Herrmanns Stil für eine fesselnde und spannende Erzählung. Mit Judith Kepler hat Herrmann eine weitere Krimiserie entstehen lassen. Für die »Stimme der Toten« wurde die in Marburg geborene Journalistin und Autorin 2012 mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet.

Zum Abschluss der Lesung in Homberg hatte sie noch zwei wichtige Hinweise für ihre Leserinnen und Leser: Demnächst wird es den dritten Band mit Judith Kepler geben. Zweitens den Appell, den örtlichen Buchhandel zu unterstützen.

Mit Blick auf Ulrike Sowa, die in Homberg ein Buchgeschäft betreibt und die Lesung mit Unterstützung der Stadt und der Initiative Leseland Hessen organisiert hat, rief sie ihrem Publikum zu: »Tragen Sie sie auf Händen.« (gka/Foto: gka)

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