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Im organgen Anzug interviewt Andreas Sinke in bisher geheimen Räumen des Schlosses ein sprechendes Gemälde

Homburg, Helau!

Von Gruselclown bis Bierkönigin: Faschingssitzung in Homberg

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Im Homberger Spukschlosses wimmelt es am Samstag nur so vor Geistern, Vampiren und anderen Untoten. Die Fremdensitzung des Stiefelclubs begeistert mit Kostümen, Gesang und Show.

Im Kaminzimmer des Homberger Spukschlosses wimmelte es am Samstag nur so vor Geistern, Vampiren und anderen Untoten. Die närrischen Besucher der Fremdensitzung des Stiefelclubs haben sich mit ihren Kostümen genauso kreativ gezeigt, wie die Veranstalter bei der Dekoration der Halle.

Nebel und Konfetti begrüßten den Elferrat auf der Bühne, und Maja Metz sowie Thorsten Maus eröffneten das Programm mit den Ehrungen verdienter Mitglieder des Stiefelclubs, bevor Premierenpräsident Andreas Sinke sein Amt aufnahm. Er übernimmt das Zepter von Thomas Stipancevic und tritt damit in große Fußstapfen. Mehrere Jahre hatte "Thommy" der Veranstaltung seinem speziellen Humor und seiner spontanen Schlagfertigkeit einen ganz eigenen Stempel aufgedrückt, wofür sich sein Verein mit einem Abschiedslied von Frank Deeg und Andreas Sinke bedankte. Thommy bleibt im Elferrat dem Stiefelclub erhalten und überlässt seinem Nachfolger mit einem Lächeln die große Bühne.

Apfelkönigin wird Bierkönigin

Der traditionelle Gardetanz zur Eröffnung ließ das Kaminzimmer an diesem Abend zum ersten Mal erbeben, Laura Ferreta Carrera hatte eine stimmungsgeladene Choreografie zusammengestellt und wurde mit großem Jubel bedacht. Auch ein Exemplar der leider aussterbenden Gattung klassischer Büttenredner hatte sich an diesem Abend im Schloss eingefunden. Als weiße Frau verriet Laura Schepp, was rund um die Schlossmauern im vergangenenen Jahr geschehen ist. Vielleicht hat sie dort auf dem Dachboden auch die Mini-Garde des HSC aufgescheucht. Die kleinen Fledermäuse flatterten zu Dutzenden über die Bühne und verwandelten sich in liebreizende Geister zum Lied von "Fred, dem Knochenmann", der so supergut tanzen kann, und ließen nicht nur die Herzen der stolzen Eltern höher schlagen.

Beim HSC geht es immer auch musikalisch zu: So durften auch im Spukschloss "Die zwei vom letzten Jahr" (Michael Metz und Harald Wolny) nicht fehlen. Statt um den Thermomix, ging es in ihren Liedern dieses Jahr um die alten Rittersleut, was vom textfesten Publikum genauso gefeiert wurde, wie der bekannte Hit "Ich bau dir ein Schloss" in der HSC-Version. In ihren roten Show-Kostümen betrat die Teeniegarde die Bühne, verwandelte sich jedoch alsbald in blutige Untote in Spitzenröckchen, die zu wummernden Bässen durch die Schlossstuben rockten.

Frau Hom (Silke Kraft) erklomm den Bergfried in diesem Jahr ohne Frau Berg, was ihrer scharfzüngigen Berichterstattung aus dem Stadtleben jedoch keinen Abbruch tat. Sie plauderte von der spontanen Umernennung der Apfelkönigin zur Bierkönigin am Stadtfeuerwehrtag und davon, dass in Homberg nun nicht mehr nur Holz gehackt wird, obwohl die wahre Meisterin der Daten diese schon seit Jahren aus dem Hackfleisch liest. Es folgte eine Ode an Bürgermeisterin Claudia Blum zur Melodie von Cordula Grün "Ich hab dich Ballon fahren sehen". Der Saal war also bereits in bester Laune, um "Reiß die Kamax ab" mitzusingen, schließlich reichen die vorhandenen Bahnen im Homberger Schwimmbad den Frühschwimmern nicht mehr aus.

Horror-Albtraum mit Gruselclowns

Tanzmariechen Laura Corvinelli wirbelte auch in diesem Jahr mit akrobatischem Geschick über die Bühne, ein Rad jagte das nächste und sie erntete jede Menge Beifall. Verstanden fühlte sich mancher von Matthias Kudla, der erzählte was einem echten Landei in der Stadt so passieren kann. Der Herzschlag der Schlossgeister erreichte neue Höhen während des Tanzes der HSC-Lümmels, und das Midi-Männerballett dürfte in den nächsten Jahren noch für viel Furore sorgen. HSC-Allzweckwaffe Frank Deeg unterstütze die Sangesbrüder H & M (Harald Wolny/Michael Metz) mit der Gitarre bei ihrem Lied von der längsten Schlange in der Stadt, nämlich der vor dem Damenklo. Der Datenklau zog sich als Thema durch viele Programmpunkte und fand seinen Höhenpunkt in der Darbietung von "Hacky, dem kleinen Schneemann" in Anspielung auf den Homberger Hacker, der die Stadt über Nacht überregional bekannt gemacht hatte.

Nach ihrem weiten Aufstieg aus dem Homberger Pflegeheim Boldgorn hatten es die "Ahle Geläpper" auch mühsam geschafft, die Innenstadt zu erreichen, und wunderten sich über die Zustände dort. Mafia, Drogen, Datenklau und nicht mal mehr eine Kneipe, in der man da mal bei einem Bier in Ruhe darüber sprechen könnte, weil alle Wirtschaften so langsam geschlossen hätten. Nicht einmal der anwesende Landgraf (Markus Haumann) konnte den Senioren eine Auskunft darüber geben, wie sich das alles entwickeln wird, und was die Stadtverordneten aktuell so darstellen. Unverblümt wurden erneut die Stadtpolitik sowie die Ereignisse der letzten Monate in Mundart und aufs köstlichste dargestellt, besprochen. Harte Kost gab es da zu hören, bevor die Ladykracher aus Dannenrod mit eleganten Hüftschwüngen und südamerikanischem Rhythmus die Stimmung im Saal wieder auflockerten.

Es folgte ein Horror-Albtraum mit Gruselclowns, den die Tänzerinnen der Gruppe "1/2" träumten. Neben dem spannenden Einsatz von neonleuchtendem Make-up sorgten diese vor allem mit ihren Kostümen für Furore, die immer tiefere Einblicke gewährten. Wer jedoch auch beim folgenden Höhepunkt der Sitzung eben so viel nackte Haut wie im letzten Jahr erwartet hat, der wurde vom Männerballett überrascht. In Ritterrüstungen marschierten die Recken diesmal ein, und auch nach der geschlagenen Schlacht um den Bergfried wurde es nur noch hochgeschlossener. Mit leuchtenden Skelett-Overalls ließen sie die Knochen tanzen und brachten den Saal direkt auf die Spitze des Stimmungspegels vor dem Finale.

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