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Eine Skizze des geplanten Umbaues. Vorn links das weiter bestehende Jugendheim, hinten rechts das nur unwesentlich veränderte alte Dorfgemeinschaftshaus. Der ockerfarbene Baukörper in der Mitte ist der wegen Hochwassers auf Stelzen zu setzende Neubau.

Grünes Licht für Stelzenbau

Homberg (rs). Der Standort war fast schon gestorben, jetzt wird er mit einer ungewöhnlichen Planung von Herbod Gans wiederbelebt. So charakterisierte Bürgermeister Prof. Béla Dören am Mittwochabend das Projekt des neuen Mehrgenerationenhauses für Ober-Ofleiden, bei dem – grob gesagt – hinter dem bestehenden alten Dorfgemeinschaftshaus ein eingeschossiger Bau parallel angeschlossen wird.

Das Besondere: Der neue Anbau steht auf rund 50 Zentimeter hohen Stelzen, weil sich der Baugrund – die Fläche mit dem seitherigen Anbau an das Dorfgemeinschaftshaus – im Hochwassergebiet befindet. Dabei kommt das Hochwasser wider Erwarten nicht von der am Grundstück vorbeifließenden Ohm, sondern von der Straßenseite. Insgesamt wird laut Plan mit rund 480 000 Euro Kosten gerechnet, davon ab gehen eine Landesförderung (65 Prozent) im Rahmen der Dorferneuerung von rund 256 000 Euro sowie ein aus dem Stadtteil zugesagter Eigenleistungsanteil im Gegenwert von 61 400 Euro. Weil das ein enormer Kraftakt wird, soll auf Anregung des Bürgermeisters mit dem Ortsbeirat eine Zielvereinbarung getroffen werden, dass die eingeplanten Eigenleistungen auch tatsächlich in der vorgegebenen Zeit erbracht werden. Was die Zeitschiene anlangt, so muss der Förderantrag bis Anfang Dezember gestellt werden, mit einem Bewilligungsbescheid ist nicht vor Januar/Februar kommenden Jahres zu rechnen, erst dann kann die Ausschreibung erfolgen. 2017 wird im Stadtteil das 1250-jährige Bestehen des Dorfes gefeiert, das soll als Ansporn dienen, das Objekt bis dahin fertig zu haben.

Saal für 120 Besucher

Bei der Planvorstellung am Mittwochabend im Haupt- und Finanzausschuss erläuterte Architekt Herbod Gans im Sitzungssaal des Rathauses, dem seitherigen Altbau werde ein eingeschossiger Anbau in etwa der Grundfläche des Altbaues angegliedert, der mit einem Stuhllager in Richtung Ohm an das Jugendgebäude angrenzt. Den größten Teil des Anbaues nimmt ein Saal für 120 Besucher ein. Dieser ist getrennt vom Altbau durch Vorraum und Küche. Der Saal (in etwa wie im Dorfgemeinschaftshaus von Maulbach) hat eine große Fensterfront zur Ohm hin, und weist einen kleinen Saal zwischen Treppenhaus des Altbaues und dem Jugendhaus mit vorgelagertem Stuhllager auf. Dieser kleine Saal hat eine große zu öffnende Fensterfront zur kleinen Parkanlage hin, es schließt sich eine Terrasse mit Stufen zur Grünfläche an. Dieses Ensemble aus kleinem sich zur Terrasse öffnenden Saal mit vorgelagerter Treppe lässt sich aus Sicht von Architekt Gans als Bühne nutzen, die vorgelagerte Grünfläche habe Platz für Sitzgelegenheiten.

Neu werden auch ein Behinderten-WC im Altbau im Anschluss an die vorhandenen Toiletten und eine an der Schmalseite des Altbaues zur Terrasse führende Rampe gebaut (barrierefreier Zugang), das Archiv wird innerhalb des Altbaues verlagert. Das Obergeschoss im Altbau soll nicht verändert werden, dort findet die vom Vogelsbergkreis getragene Jugendbetreuung für drei Kommunen statt. Weil diese alten Räume im Obergeschoss aber nicht barrierefrei sind, besteht für die Kreiseinrichtung die Option, bei behinderten Kindern oder Eltern die neuen ebenerdigen Räume nutzen zu können. Neu wird am Obergeschoss allerdings eine Außentreppe als zweiter Fluchtweg gebaut. Der Anbauteil mit dem Saal erhält Pultdächer, das den Neu- und den Altbau verbindende Gebäudeteil erhält ein grünes Flachdach.

Im Ausschuss wurde nachgefragt, inwieweit der aufwendige Bau zum Hochwasserschutz überhaupt sein müsse, und ob er nicht anders gelöst werden könne. Dazu informierte der Bürgermeister, seither habe Hochwasser nur bis zur unteren Treppenstufe des Altbaues gestanden, sei noch nicht in das Innere eingedrungen. Die aktuelle Lösung auf Stelzen sei auch der kurzen zur Verfügung stehenden Zeit geschuldet. Die Alternative des Wasserrückhaltes entlang der Ohm würde sich bis an die Hainmühle ziehen müssen, ob das überhaupt gehe sei offen. Allerdings würde diese große Lösung auch Hochwasserschutz für fünf weitere Häuser bedeuten.

Viel Eigenleistung

In einer ausführlichen Kostendarstellung erläuterte Architekt Gans, dass auch nach dem erfolgten Abspecken des Vorhabens immer noch fast 10 000 Euro mehr aufzuwenden seien, als bislang als städtischer Eigenanteil vorgesehen. Die Kostens seien wesentlich durch die angekündigte Eigenleistung der Ortsbevölkerung gedrückt worden, wobei der Abbau des alten Anbaues einen großen Brocken ausmache.

Weitere Gewerke, bei denen traditionell Eigenleistung möglich sei, seien Maler-, Trockenbau und Holzarbeiten. Ausschussmitglied Gerhard Kuntz aus Ober-Ofleiden zeigte sich sehr zuversichtlich, dass die angekündigte Eigenleistung auch stattfinden wird. Es hätten sich schon rund 20 Bürger bereit erklärt, und durch Landwirte und ihren Fuhrpark verfüge man auch über die nötige Maschinenkraft.

Letztlich komme es auch nicht auf die Masse von Helfern an, sondern auf Fachleute, die die Arbeiten zügig und sachgerecht abwickeln könnten. Einstimmig befürwortete der Ausschuss das vorgestellte Projekt und die damit verbundenen finanziellen Aufwendungen für die Stadt.

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