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Am Neuen Weg entsteht ein Wohnhaus. Die Vergangenheit des Grundstücks als jüdischer Friedhof sorgt für Diskussionen.

Grabsteine vor Hausbau gesichert

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Homberg (jol). Ein Stück Gartenland wird bebaut, das ist absolut normal, und doch gab es im Hintergrund einige Diskussionen um das Grundstück am Neuen Weg in Homberg, das einstmals ein jüdischer Friedhof war. Oder eigentlich noch ist, denn in der jüdischen Tradition ist ein Friedhof auf Ewigkeit angelegt, Gräber dürfen nicht angetastet werden.

Nun entsteht ein größeres Wohnhaus auf einem Teilbereich des Grundstücks. Wo die Grabstätten waren, ist nicht bekannt. Die Grabsteine mit Jahrenzahlen zwischen 1743 und 1842 sind geborgen und auf dem Gelände des städtischen Friedhofs gelagert, wie Bürgermeisterin Claudia Blum sagt.

Dem Hausbau vorangegangen ist eine längere Debatte im Stadtparlament, die allerdings ohne Öffentlichkeit geführt wurde. Denn das Grundstück ist in Privatbesitz und das Gelände war nicht offiziell als jüdischer Friedhof in behördlichen Unterlagen klassifiziert.

RP hat keine Unterlagen

So teilte das Regierungspräsidium Gießen auf Nachfrage mit: "Der erwähnte ältere jüdische Friedhof ist uns nicht bekannt. Unterlagen über dieses Gelände sind auch nicht vorhanden." Das ist erstaunlich, weil der Bereich in alten Stadtplänen sehr wohl als Friedhof markiert war. In Homberg war zudem die Kenntnis über die Geschichte des Geländes durchaus verbreitet.

Eigentlich ist das Land Hessen verpflichtet, jüdische Friedhöfe zu erhalten, auch wenn sie nicht mehr belegt werden. So wird der jüdische Friedhof angrenzend an den christlichen Gottesacker von der Stadt gepflegt, die dafür Landesmittel erhält.

Der Landesverband der Jüdischen Gemeinden in Hessen teilte mit, er sei während des Baugenehmigungsverfahrens weder gehört noch beteiligt worden. Als dann die Baugenehmigung vorlag, ging es dem Dachverband der jüdischen Gemeinden "im Wesentlichen um Schadensminimierung". Direktor Daniel Neumann fügt an, "obwohl wir mit dem Bauvorhaben nicht einverstanden sein können, da es sich bei dem Gelände nach wie vor um einen jüdischen Friedhof handelt, hat der Bauherr doch ein hohes Maß an Einsicht und Sensibilität erkennen lassen, um das Erdreich so wenig wie möglich zu beeinträchtigen."

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