Bürgermeisterin Claudia Blum und GöTel-Geschäftsführer Thomas Wild (M.) freuen sich über den Baubeginn für schnelleres Internet in Erbenhausen. FOTO: JOL
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Bürgermeisterin Claudia Blum und GöTel-Geschäftsführer Thomas Wild (M.) freuen sich über den Baubeginn für schnelleres Internet in Erbenhausen. FOTO: JOL

GöTel baut Glasfaseranschlüsse

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
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Homberg-Erbenhausen(jol). Die Corona-Einschränkungen haben gezeigt, wie wichtig eine schnelle Datenleitung für das sinnvolle Arbeiten von zu Hause aus ist. Nun rückt auch das schnelle Internet für alle Homberger in greifbare Nähe. Am Dienstag lud das Telekommunikationsunternehmen GöTel zur Baustellenparty in Erbenhausen ein. Dort wird gerade ein Verteilerkasten aufgebaut, über den die Ortsbewohner schneller Daten austauschen können. "Ende gut - alles gut", strahlte Bürgermeisterin Claudia Blum mit GöTel-Geschäftsführer Thomas Wild um die Wette. Und auch die Ortsvorsteher Willi Österreich (Erbenhausen) und Richard Fleischhauer (Appenrod) loben den Ausbau.

"Nach vielen Gesprächen und intensiven Verhandlungen der Stadt steht nun fest, dass die GöTel GmbH den Breitbandausbau in den Stadtteilen Appenrod, Dannenrod und Erbenhausen vornehmen wird", sagte Blum. In den nächsten Wochen wird ein Glasfaserkabel der Firma nach Erbenhausen verlegt. Dann können die Haushalte zumindest im DSL-Standard angeschlossen werden. "Die meisten werden eine Leistung von bis zu 30 Megabit pro Sekunde haben", erläutert Wild. Im zweiten Schritt sollen dann Glasfaserleitungen bis zu den Häusern verlegt werden, dann sind bis zu einem Gigabit möglich. Blum freut sich, "endlich wird die Versorgungslücke in den drei Stadtteilen Appenrod, Dannenrod und Erbenhausen geschlossen". Seit Februar 2020 ist das Unternehmen bereits im privatwirtschaftlichen Breitbandausbau im Vogelsberg mit Trassen, Verteilern, Multifunktionsgehäusen und Leitungen für schnelles Internet tätig.

Ziel von GöTel ist der Glasfaserausbau bis in jedes Haus (FTTH) und damit eine zukunftssichere Technologie. Zunächst werden Multifunktionsgehäuse als Verteilerkästen gesetzt. Dort kommt die Glasfaseranbindung von Homberg an. Von den Multifunktionsgehäusen aus werden die Kabelverzweiger der Telekom angeschlossen, wo alle Anschlussleitungen der Häuser zusammenlaufen. Das ermöglicht durch den Anschluss der vorhandenen Kupferkabel die sofortige Anbindung mittels Vectoring-Technologie mit Bandbreiten von mindestens 30 MBit/s, je nach Entfernung zum Kabelverzweiger können bis zu 100 Mbit/s angeboten werden. Dieser erste Schritt soll bis 31. August 2020 abgeschlossen sein.

Gleich danach beabsichtigt GöTel, den FTTH-Ausbau zu starten, bei dem die Haushalte mit Glasfaser direkt angebunden werden. Dazu ist es jedoch erforderlich, dass 60 Prozent aller Haushalte einen Anschluss bestellen.

Die Ortsvorsteher wurden bereits durch GöTel informiert. In Appenrod hat Ortsvorsteher Richard Fleischhauer ein Info-Blatt erstellt, das in den nächsten Tagen an die Haushalte verteilt wird. Durch gute Information will Fleischhauer verhindern, dass die Chance für den Stadtteil nicht genutzt wird. Informationsveranstaltungen von GöTel sollen demnächst folgen, kündigte Lorenz Keil von GöTel an.

Der Glasfaserausbau im Vogelsbergkreis ist eine fast unendliche Geschichte, die mit dem Anschluss von Appenrod, Dannenrod und Erbenhausen nun endlich eine glückliche Fortsetzung findet. Bereits seit 2013 versucht der Vogelsbergkreis, den Glasfaserausbau zu forcieren, woran Blum erinnerte. Dazu wurde mit den Vogelsberger Kommunen die Breitbandgesellschaft gegründet. Nach einigen Rückschlägen erfolgte im September 2019 der Spatenstich zum geförderten Breitbandausbau im Vogelsbergkreis. Der geförderte Breitbandausbau umfasst den Anschluss von Gewerbegebieten, Firmen und Schulen und wird durch die Telekom ausgeführt. Parallel rüstet die Telekom die Kabelverzweiger in noch nicht versorgten Ortschaften auf, um auch Privathaushalte mit schnellem Internet zu versorgen.

Vectoring nicht immer möglich

In einigen Vogelsberger Kommunen hat GöTel Kabelverzweiger reserviert, oder die Bundesnetzagentur erlaubt die Kollokation wie in Appenrod, Dannenrod und Erbenhausen. Bei der Kollokation muss die Telekom als Besitzerin der Hausanschlüsse die Leitungen vermieten. Bei einem Ausbau durch zwei Anbieter ist das Vectoring aus technischen Gründen nicht möglich, und die Verbesserung der Internetanbindung wäre nur minimal. Daher lehnt die Telekom einen Ausbau ab. Die Telekom verlegt bereits seit Mai Glasfaser bis zu Schulen und Betrieben im geförderten Ausbau in ganz Homberg. Parallel werden private Haushalte im Eigenausbau angeschlossen.

Das erfolgt in Bleidenrod, Büßfeld, Deckenbach, Haarhausen, Höingen, der Kernstadt und Schadenbach. Schnelles Internet gibt es in Maulbach, Nieder-Ofleiden und Ober-Ofleiden.

"Es war also zu befürchten, dass in Appenrod, Dannenrod und Erbenhausen einige Unternehmen schnelles Internet durch die Telekom erhalten, die Privathaushalte aber auf der Strecke bleiben", erklärte die Bürgermeisterin. "Durch viele Gespräche und Schreiben konnten wir erreichen, dass die GöTel GmbH eine freiwillige Versorgungszusicherung gegeben hat und der Ausbau von Appenrod, Dannenrod und Erbenhausen vorgezogen und sofort beginnen wird", informierte Blum.

Grundsätzlich kann die Stadt die Zustimmung zur Verlegung von Telekommunikationslinien nach § 68 TKG nicht verweigern. Das Telekommunikationsgesetz räumt den Telekommunikationsunternehmen große Rechte, aber auch Pflichten ein.

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