Maria Bachmann (m.) liest, links Astrid Ruppert, begleitet wird die Lesung von Herbert Hofmann an der Gitarre.
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Maria Bachmann (m.) liest, links Astrid Ruppert, begleitet wird die Lesung von Herbert Hofmann an der Gitarre.

Das gehört sich nicht

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Homberg (pm). Du weißt ja gar nicht, wie gut du es hast. Was sollen die Leute denken? Das gehört sich nicht. Das ist doch nichts für dich. Mit solchen Sätzen ist Maria Bachmann in Franken groß geworden. Über ihre lieblose und prägende Kindheit und Jugend im Dorf hat sie das berührende Buch "Du weißt ja gar nicht, wie gut du es hast", geschrieben. Gehorchen, Schweigen, Unterordnen, das waren die Ansprüche, die ihre Eltern an Maria stellten.

Bedürfnisse wie etwa ein eigener Tisch oder eine Tür zu ihrem Zimmer, das mit einem Vorhang verschlossen war, wurden weggeredet. "Das brauchst du nicht" war ein oft gehörter Satz. Die Anpassung ging so weit, dass Maria sich nicht traute, auf Nachfrage ihre Lieblingsfarbe zu äußern, ohne vorher ihre Mutter gefragt zu haben, ob die Antwort in Ordnung ist. Die Eltern, selbst kriegstraumatisiert und in emotional kargen Verhältnissen groß geworden, gaben ihre Unfähigkeit, Anerkennung und Liebe zu zeigen, an die Kinder weiter. Die Homberger Buchhandlung hatte zu dieser Lesung in der Reihe "Astrid Ruppert trifft" eingeladen. Astrid Ruppert, selbst bekannte Autorin, saß mit Maria Bachmann in der vollbesetzten Halle 17 auf dem Sofa und stimmte in einem zwanglosen Gespräch auf die Lesung ein.

Übereinstimmend stellten beide fest, dass in der eigenen Kindheit wenig mit den Kindern gesprochen wurde. Kinder wurden nicht nach ihrer Meinung, ihren Bedürfnissen oder ihren Vorlieben gefragt. Fantasie beim Kind wurde nicht begrüßt, Bitten generell erst mal abgelehnt.

Bilder, die Maria als Kind gemalt hatte, zeigte sie dem Vater mit den Worten "Das ist ja nichts". Maria Bachmann las mehrere Passagen aus dem Buch vor und es war bei dieser Lesung so still, man hätte buchstäblich eine Stecknadel fallen hören können. Viele Zuhörer fühlten sich an ihre eigene Kindheit und Jugend erinnert, die in manchem der geschilderten Kindheit ähnelte.

Zwischen den Lesepassagen sang Maria Bachmann mit hervorragender Gitarrenbegleitung von Herbert Hofmann "Ich trag dich durch die schweren Stunden", "Applaus, Applaus" und "Du bist vom selben Stern". Es war eine berührende Lesung, es gab offene und ehrliche Gespräche. Gefühlvolle Musikstücke und ein schmackhaftes "1970er Jahre Catering" von Martin Jantosca sorgten dafür, dass dieser Abend lange nicht vergessen wird.

In ihrer Schlussansprache erinnerte die Homberger Buchhändlerin Ulrike Sowa das Publikum daran, niemals die eigene Lieblingsfarbe zu vergessen und daran zu denken, "dass wir nicht auf der Welt sind, um einen guten Eindruck zu machen".

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