"Gehen Sie raus aus dem Haus!"

  • schließen

Früher war man mit 70 in einem "gesegneten" Alter. Heute wollen alle möglichst alt werden und dabei recht gesund bleiben. Aber wie? Die Experten beim "Samstag für gesundes Altern" in der Homberger Stadthalle hatten dazu Tipps. Hausarzt Dr. Dieter Ladwig redete nicht lange um den heißen Brei herum, sondern sprach gleich eine Diagnose an, die viele in Angst und Schrecken versetzt: Demenz.

Früher war man mit 70 in einem "gesegneten" Alter. Heute wollen alle möglichst alt werden und dabei recht gesund bleiben. Aber wie? Die Experten beim "Samstag für gesundes Altern" in der Homberger Stadthalle hatten dazu Tipps. Hausarzt Dr. Dieter Ladwig redete nicht lange um den heißen Brei herum, sondern sprach gleich eine Diagnose an, die viele in Angst und Schrecken versetzt: Demenz.

Aufmerksam hörten die rund 100 Besucher dann zu, was die drei Experten auf dem Podium zu berichten hatten. Ingo Schwalm, selbst als Krankenpfleger tätig, sagte, es werde wohl noch viele Jahre dauern, bis eine Heilung möglich wird: "Es gibt kein Wundermittel dagegen."

Zwar könne man die für die schweren Gehirnschädigungen verantwortlich gemachten Plaques inzwischen zum Teil auflösen, aber dies bringe keine Besserung der Krankheit. "So richtig ist man noch nicht weitergekommen." Es gibt zudem Forschungsansätze, die sich auf Bakterien im Mund als mögliche Auslöser konzentrieren, insofern ist eine gute Mundhygiene laut Schwalm jederzeit zu empfehlen.

Entwarnung bei Cholesterin

Auch was die Vorbeugung angeht, gibt es Möglichkeiten, dazu zählen Bewegung, gesunde Ernährung und soziale Kontakte. Angepriesene Wundermittel, die angeblich die Gedächtnisleistung erhalten sollen, kann man sich sparen, ergänzte Schwalm. "Damit machen Sie nur die Herstellerfirmen reich." Er bot anschließend Gedächtnistests an und machte Mut, daran teilzunehmen.

Ein Zuhörer fragte, ob die gegen hohe Cholesterinwerte verordneten Statine ein Auslöser für Demenz sein können, das habe ihm ein Notarzt verraten. Allgemeinmediziner Ladwig wollte das nicht bestätigen, man solle sich auf seinen Hausarzt verlassen. Es gebe keine Belege, dass hohe Cholesterinwerte Demenz auslösen können.

Schließlich meinte Ladwig, "Vergessen können" sei etwas Wichtiges "und eine Chance". Generell warnten die Experten davor, sich zu sehr verrückt zu machen. Wenn man Leute sieht, deren Namen einem nicht sofort einfällt, dann sei das kein Problem: "Fragen Sie einfach." Sorgen müsse man sich deshalb nicht machen.

Geistig und körperlich aktiv bleiben sind zwei wichtige Voraussetzungen, auch im Alter gut zurecht zu kommen. Das könne das Leben um bis zu sieben Jahre verlängern. Das gelte vor allem auch für soziale Kontakte: "Gehen Sie raus aus der Wohnung und aus dem Haus!" rät Mediziner Ladwig.

Bei oft im Alter vorkommender Schwerhörigkeit solle man sich nicht scheuen, Hilfe zu suchen und vor allem die Hilfsmittel anzunehmen. Bei vielen älteren Leuten liege das Hörgerät in der Schublade oder sei abgeschaltet. Dadurch werde die Hörfähigkeit unbemerkt immer schlechter.

Wichtig sei es, positiv ans Altern heranzugehen, betonten die Experten, das hatte auch Bürgermeisterin Claudia Blum zum Auftakt in ihrem Grußwort gesagt.

Monique Abel vom Pflegestützpunkt Vogelsberg erläuterte, dass sich jeder an die Expertinnen wenden kann, der Hilfe im Alltag, bei der Haushaltsführung oder Pflege braucht. Dann könne man Hilfsmöglichkeiten am Telefon besprechen oder vor Ort: "Wir machen auch kostenlose Hausbesuche."

Abel sprach das betreute Wohnen an, dazu gebe es viele unterschiedliche Konzepte, sie reichen vom Notrufknopf in der Wohnung bis zum kompletten Paket mit Einkaufsservice. Allerdings sei diese Wohnform "hochpreisig", das müsse jedem klar sein, sie werde von der Pflegekasse nicht bezuschusst.

Nach der Expertenrunde mit Fragen und Antworten konnte man sich umfassend informieren, etwa über barrierefreies Wohnen. Anbieter wie beispielsweise DRK, VdK, Osteoporose-Selbsthilfe, der Pflegestützpunkt Vogelsbergkreis oder die Schottener Wohn- und Pflegeeinrichtungen GmbH hielten umfangreiches Informationsmaterial bereit.

Auf Interesse dürfte auch die Information des Vereins "Aktives & rüstiges Altern" (Aura) aus Marburg und Amöneburg gestoßen sein. Der Verein baut derzeit in Mardorf eine neue Tagespflegeeinrichtung mit 20 Plätzen für Senioren auch mit Demenz.

Neue Tagespflegeplätze in Mardorf

Natürlich informierte auch das Familienzentrum Homberg über sein Angebot, darunter Stuhlgymnastik, Strick-Café, Seniorentanzgruppe, Mittagstisch, Vorträge und Seniorennachmittage. Für das Rahmenprogramm sorgten am Samstag die Seniorentanzgruppe und die "Dance Angels." Kaffee und Kuchen reichte der DRK-Ortsverein Homberg. Veranstalter dieser besonderen Samstage, die immer an einem anderen Ort stattfinden, ist das Bündnis für Familie.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare