Gefangene Waschbären in Ohm ertränkt - Geldstrafe

Alsfeld/Homberg (rs). Eigentlich wollte er nichts oder weniger bezahlen und zumindest die Falle zurückbekommen: Am Ende musste ein Rentner aus Homberg aber die Strafe für das Töten von zwei Waschbären hinnehmen.

Alsfeld/Homberg (rs). Was macht man nicht alles als treu sorgender Vermieter, wenn Nager wie Marder an den Fahrzeugen der Mieter knabbern und Schäden anrichten. Man kann unter anderem mit der nötigen Kenntnis Lebendfallen aufstellen. Das machte im Herbst 2010 auch ein 74-jähriger Ruheständler aus der Ohmstadt, der sich dann unversehens zwei Waschbären einfing. Weil er sich nicht anders zu helfen wusste, ertränkte er die Tiere kurzerhand in der Falle in der Ohm, was tierliebe Nachbarn mitbekamen und die Polizei einschalteten. Wegen der unsachgemäßen Tötung eines Wirbeltieres folgte ein Strafbefehl über 45 Tagessätze zu je 40 Euro, die Lebendfalle wurde als Tatwerkzeug eingezogen. Und dagegen legte der 74-Jährige Einspruch ein, er wollte die Falle wieder haben. Dieser Tage folgte die Verhandlung vor dem Alsfelder Amtsgericht.

Er habe in Unkenntnis gehandelt, ließ sich der Angeklagte vor Gericht ein, wobei der den Vorgang an sich in keiner Weise bestritt oder abschwächte. Die Marderfalle habe er seit 30 Jahren, er habe aber bislang nie Marder gefangen, immer nur Katzen, und die habe er jeweils frei gelassen. Als er nun die Waschbären in der Falle gesehen habe, habe er sich nicht anders zu helfen gewusst als die Tiere samt Falle in den nahe gelegenen Fluss zu werfen. Wie richtigerweise zu verfahren sei, habe sich der Gebrauchsanweisung nicht entnehmen lassen. Im Nachhinein tue im das Ganze leid, er werde so etwas sicher nicht mehr machen.

Die Richterin belehrte den Angeklagten, so er über die nötige Sachkunde verfüge, könne er eine Lebendfalle verwenden. Wenn er allerdings ein Tier gefangen habe, müsse er den Jagdausübungsberechtigten für den Bereich informieren, der dann entscheiden müsse, wie weiter verfahren werden kann.

Während der 74-Jährige das falsche Handeln hinsichtlich des Ertränkens einsah, benötigte die Richterin mehrere Anläufe zu erklären, dass Tatwerkzeuge üblicherweise eingezogen werden. Dabei griff sie unter anderem auf den Drogenkauf in den Niederlanden zurück, der meist mit einem Auto erfolge. Den erwischten Drogenkurieren werde immer der Wagen abgenommen, weil er bei der Straftat als Tatwerkzeug genutzt worden sei. So sei es im Fall des Hombergers auch mit der Lebendfalle.

Weil das Gericht in der Sache keinen Spielraum habe, riet die Richterin dem Angeklagten, den Einspruch zurück zu ziehen. Als der Senior dazu Zustimmung signalisiert, dann aber noch über die Höhe des Strafbefehls verhandeln wollte, reichte es der Richterin sichtlich: "Ne, ne, die Höhe ist in Ordnung, schließlich habe ich den Strafbefehl unterschrieben."

So zog der Homberger schließlich den Widerspruch zurück, wollte auch nicht mehr über die Höhe nachverhandeln, ließ sich aber verärgert darüber aus, dass er nun eine Strafe bekommen habe, sein Nachbar aber nicht. Denn der habe auch schon Waschbären gefangen und sie andernorts ausgesetzt. So etwas, das hatte die Verhandlung ergeben, hätte nur der Jagdpächter veranlassen können. "Dann müssen Sie das bei der Polizei anzeigen und auch als Zeuge zur Verfügung stehen", belehrte die Richterin den etwas unzufrieden wirkenden Senior. Aber das werde die Nachbarschaft wahrscheinlich nicht verbessern...

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