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Beim Weihnachtszauber am Schloss packten Flüchtlinge gern mit an, nun soll eine Initiative für Zuzug nach Homberg sorgen.

Flüchtlinge in Dörfer holen

Homberg (jol). Sie können mit etwas Unterstützung alte Hofreiten im Dorf oder Fachwerkanwesen im Homberger Ortskern sanieren und in der Großgemeinde ihre Kinder großziehen – Bürgermeister Prof. Béla Dören will Flüchtlinge in die Ohmstadt holen. Dafür hat er sich bereits mit den zuständigen Experten bei Regierungspräsidium und Kreisverwaltung in Verbindung gesetzt und in Abstimmung mit ehrenamtlichen Flüchtlingsbetreuern eine Liste derjenigen Syrer, Afghanen und Pakistaner erstellt, die für eine solche Aktivität infrage kommen.

Nun ruft der Vermieter dazu auf, Wohnungen zu melden, die für die Neu-Homberger genutzt werden können. Interessierte Eigentümer können über das Familienzentrum oder Markus Naumann bei der Stadtverwaltung mehr erfahren. "Das ist eine echte Chance gerade für den ländlichen Raum", betont Dören bei dem Pressegespräch weiter.

Ausgangspunkt der Initiative war die Unterbringung von 250 Flüchtlingen in der Großsporthalle. Da habe sich ein sehr aktiver Helferkreis gebildet, der Flüchtlinge zum Weihnachtsessen eingeladen und Sprachkurse angeboten hat. Einige Kinder sind in den Kindergarten gegangen, "es sind Beziehungen zu einigen entstanden". Nun werden die Flüchtlinge aus der Notunterkunft in größere Einrichtungen verlegt, die Halle in Homberg soll noch diese Woche wieder freigeräumt werden.

In den vergangenen Tagen hat Dören in Abstimmung mit den Homberger Pfarrern und anderen ehrenamtlichen Helfern eine Liste erstellt, die rund 40 Personen enthält. Namen und Berufe sind aufgelistet, darunter sind Familien und allein geflüchtete Männer. Sie waren vorher Studenten, unter anderem der Tiermedizin, Ärzte, Lehrer, Fliesenleger, Schreiner und anderes.

Gute Erfahrung mit Hilfsbereitschaft

Auf dem Hintergrund der Abwanderung von jungen Menschen aus der Region will er versuchen, die Geflüchteten in der Gegend zu halten. Dafür hat er auch Kontakt mit Menschen aufgenommen, die bereits in andere Gemeinden verlegt wurden, aber gerne nach Homberg zurückkommen würden. Doch dafür müsste er die Unterkunft organisieren, also Kontakt zu Vermietern herstellen, die Wohnungen an den Vogelsbergkreis vermieten. Die Flüchtlinge dann von anderen Orten nach Homberg zu bekommen, gleicht "einem bürokratischen Marathonlauf", so Dören.

Immerhin hat er die Zusage des zuständigen Sachbearbeiters beim Regierungspräsidium, dass die Menschen nach Homberg kommen können, wenn sie das wollen. Und deren Bereitschaft ist durchaus da, wie Dören erfuhr. Sie haben gute Erfahrungen mit der Hilfsbereitschaft der Ohmstädter gemacht. Nun sollen sie aus den großen Unterkünften wie der Erstaufnahme in Stadtallendorf heraus, um in kleineren Gemeinden den Neuanfang zu gestalten.

Dören denkt dabei schon eine Ecke weiter. So hat er die älteren Häuser in den Ortskernen im Blick, die nur mit einigem Aufwand hergerichtet werden können. Die Zahl der Interessierten daran ist überschaubar. Da wäre ein Förderprogramm sinnvoll, das die Modernisierung erleichtert. Das könnte ähnlich strukturiert sein wie dasjenige für Russlanddeutsche vor einigen Jahren. Gerade die alten Häuser erfordern viel Eigenleistung, mit etwas Hilfe können sich Flüchtlinge etwas Schönes schaffen. Der Zuzug von Familien würde die demografische Veränderung der Region verzögern. Für die Integration in die deutsche Umgebung sind kleine Ortschaften sehr gut geeignet, so Dören. Und die Hilfsbereitschaft vor Ort ist vorhanden, das hat das Engagement für die Menschen in der Notunterkunft deutlich gezeigt.

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