+
Gegner der A 49 protestieren bei einem Ortstermin gegen Baumfällarbeiten auf der Trasse der geplanten A 49 bei Dannenrod. Das Forstamt verweist auf Holzeinschlag wegen Käferbefall bei Fichten. FOTO: JOL

Autobahn

Erste Bäume auf der A 49-Trasse fallen

  • schließen

Die laufenden Baumfällarbeiten auf der Trasse der geplanten Autobahn bei Dannenrod empören die Naturschützer vor Ort. Forstamt und die A 49-Planungsgesellschaft Deges wiegeln ab.

Auf dem Waldweg röhrt eine sechsrädrige Arbeitsmaschine. Mit einem Greifarm werden entastete und zugeschnittene Holzstämme zu einem großen Stapel aufgeschichtet. 100 Meter weiter ist eine größere Lichtung zu sehen, von der die Fichtenstämme offenbar stammen. Daneben liegt ein Waldstück, in dem Bäume geschlagen wurden. Das Auslichten geschieht auf der Trasse der geplanten Autobahn A 49. Das ist gut erkennbar an den blauen und weißen Markierungen der Bäume. Beim Waldspaziergang zeigt sich, dass in manchen Bereichen auf der Autobahntrasse gut die Hälfte der Bäume geschlagen wurde. Jenseits der markierten Trasse sind in einem Waldstück fast alle der Bäume entfernt.

Zuständig ist in diesem Waldbereich das Freiherrlich Schenck’sche Forstamt Schweinsberg, das auf Anfrage mitteilte, es würden vom Borkenkäfer befallene Fichten entnommen, um den Restbestand zu schützen. Möglich sei, dass befallene Fichten auf der Trasse gefällt werden, sagt Hubertus Bieneck, Betriebsleiter des Forstamts. Es handele sich um "normale Forstarbeiten". "Wir fällen einzelne kranke Bäume auf der Trasse, damit gesunde nicht angefressen werden." Zudem werden an Wegen Buchen geschlagen, wenn die Gefahr besteht, dass dürre Äste herabfallen. Das sei wegen der Verkehrssicherungspflicht nötig, denn wegen der Baumbesetzung kommen deutlich mehr Menschen als sonst in das Waldstück: "Es ist ein Horrorszenario, dass jemand von einem Ast erschlagen wird."

Bieneck versichert, das Rodungsverbot werde eingehalten. Die Autobahntrasse gehöre dem Bund, die Planungsgesellschaft Deges habe die Rodungen auf den Herbst verschoben. Das Forstamt betreut den angrenzenden Wald und sei am Rande betroffen. So ist die Jagd eingeschränkt und Wege sind blockiert. Die Arbeiten neben und auf der Trasse sollen noch einige Zeit weitergeführt werden.

Sollte ab Herbst großflächig gerodet werden, betrifft das eine künftige Fahrbahnbreite von 27 Metern. Dazu kommt der Bedarf für Böschungen, Wasserrinnen und abschnittsweise einen Weg entlang der Fahrbahn. Die markierte Schneise im Wald ist deshalb über 50 Meter breit.

Barbara Schlemmer, Karl-Heinz Zobich und andere aus dem Lager der Gegner sehen in den Forstarbeiten den Baubeginn der Autobahn. Und das dürfe nicht sein, weil die Ausgleichsmaßnahmen noch nicht abgeschlossen sind. Fällungen in größerem Maßstab seien nicht zulässig. Genau die werfen sie der Deges vor: "Unter einem Vorwand wird bereits mit dem Roden der Trasse. Schlemmer fragt sich: "Warum holt man jetzt so viele Fichten aus dem Wald, wenn man davon ausgeht, dass im Herbst alles fallen wird?". So sollten offenkundig während des laufenden Gerichtsverfahrens Fakten geschaffen werden. Die Gegner der A 49 werten auch das Abholzen von Bäumen und Sträuchern auf rund 1,2 Hektar Fläche bei Maulbach als "großflächige Rodungsaktion". Zobich verweist auf weitere Fällarbeiten bei Stadtallendorf. Als die Arbeiten bei Maulbach begannen, ging der Naturschützer von zulässigen Einzelentnahmen aus: "Da war ich blauäugig."

Deges weist Vorwürfe zurück

Die Deges weist den von der Schutzgemeinschaft Gleental erhobenen Vorwurf des "Wortbruchs" in einer Stellungnahme zurück. So habe die Deges immer betont, dass die erforderlichen Bauvorbereitungen inklusive der damit verbundenen Fällarbeiten fortgeführt werden. Dazu gehörten die Arbeiten in der Gemarkung Maulbach. Ebenfalls unzutreffend sei der Vorwurf, die Deges habe im Bereich des Dannenröder Forsts Fällarbeiten vornehmen lassen. Deges-Sprecher Lutz Günther: "Tatsächlich finden in dem Waldstück derzeit Forstarbeiten statt, die nicht von der Deges auftragt wurden und nicht im Zusammenhang mit dem Bau der A 49 stehen. Das zuständige Forstamt entnimmt hier vom Borkenkäfer befallene Fichten, um den Bestand im Rahmen der ordnungsgemäßen Forstwirtschaft zu schützen".

Die Ankündigung der Deges, die großflächigen Baumfällungen für die Trasse der A 49 erst in der kommenden Fällperiode ab Oktober durchzuführen, sei "weiterhin gültig". Insgesamt sind Fällungen auf einer Fläche von 85 Hektar erforderlich.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare