Erst mal keine festen "Blitzer"

Homberg (ks). Homberg will vorerst keine stationären Radaranlagen aufstellen. In seiner Sitzung am Montag waren die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses der Meinung, zunächst auf den "erzieherischen Effekt" zu setzen. Dafür sollen Infotafeln sorgen, die an Ortseingängen die gerade gefahrene Geschwindigkeit anzeigen.

Das Aufstellen fester "Blitzer" würde fast 300 000 Euro kosten, hatte eingangs Bürgermeister Bèla Dören klargemacht. Weil Geld an die Firma geht und der Verwaltungsaufwand obendrauf kommt, "würden wir sowieso wohl nichts daran verdienen." Der Effekt: Am Anfang klingelt die Kasse, dann geht die Kurve steil nach unten, weil die ortskundigen Autofahrer den Bereich langsam durchfahren. Diese Erfahrung hat man in Mücke bereits gemacht, wo stationäre Radaranlagen in Bernsfeld und Ruppertenrod stehen.

"Wollen kein Geld verdienen"

Zur Vorgeschichte: Vor Jahren war mit Gemünden, Kirtorf und Feldatal ein mobile Anlage angeschafft worden, die ab und zu auch im Homberger Bereich das Tempo misst. Ergebnis: Es wird oft zu schnell gefahren.

So kam die Überlegung auf, ähnlich wie in Mücke stationäre "Blitzer" aufzustellen. Zunächst hatte man aber eine Firma mit Messungen beauftragt. "Um eines klar zu stellen: Wir wollen kein Geld verdienen, sondern den Verkehr beruhigen," meinte Dören auch in Richtung der Zuhörer. Die Idee war zwischenzeitlich, mit der Firma "German Radar" zusammen zu arbeiten. Diese stellte die Anlagen auf, wartet sie und bekommt pro ertapptem Temposünder eine sogenannte Fallpauschale in Höhe von rund neun Euro.

Die Stadt hatte insgesamt zwölf Standorte für die Geschwindigkeitsmessungen vorgeschlagen, aber nur zwei Standorte hält die Firma überhaupt für sinnvoll. Die Stadt hatte Appenrod, Büßfeld, Erbenhausen, Gontershausen, zwei Mal Ober-Ofleiden, Nieder-Ofleiden, Wäldershausen sowie in der Kernstadt Ostring und den Ortseingang von Büßfeld aus vorgeschlagen.

Nach den Messungen hat die Firma letztlich nur zwei Standorte in Homberg in der Marburger Straße und in Nieder-Ofleiden in der Schulstraße als "lukrativ" angesehen. Überall sonst sei das Verkehrsaufkommen zu nicht hoch genug. Die Firma misst erst ab 59 km/h – und dann wären nur knapp zwei Prozent der Wagenlenker generell zu schnell unterwegs. Da spielt es auch keine Rolle, dass bei einigen Ausreißern in Homberg 120 km/h bei Passieren des Ortsschildes gemesen wurden und bei einem Lkw-Fahrer in Appenrod immerhin 87 km/h. Das gesamte Verkehrsaufkommen macht’s.

Bei Wäldershausen 60% zu schnell

So passieren die Ortsdurchfahrten von Nieder-Ofleiden und Büßfeld pro Woche 15 000 Kraftfahrzeuge und die Homberger Marburger Straße rund 30 000.{newPage}

Auch am Ostring sind noch durchschnittlich 17 000 Kfz pro Woche unterwegs, auch hier klagen Anwohner schon lange über Lärmbelastung. Eine Anfrage bei Hessen Mobil, dort Tempo 30 einzuführen, wurde noch nicht beantwortet, so der Bürgermeister. Zum Vergleich: In der Berliner Straße sind es rund 12 000 Fahrzeuge.

Uninteressant ist für die Firma dagegen der Bereich Wäldershausen. Zwar fahren dort sage und schreibe rund 60% der Verkehrsteilnehmer zu schnell, aber es sind insgesamt zu wenig, als dass sich die Messung für die Firma lohnen würde.

Bürgermeister Dören meinte dann, feste "Blitzer" seien nicht sehr sinnvoll, schon wegen der hohen Anschaffungskosten.

Selbst "leere" Säulen, die eine Blitzgefahr suggerieren sollen, seien noch relativ teuer, weil sie natürlich ebenfalls angeschlossen werden müssen. Besser sei es, die mobilen Kontrollen zu verstärken, bis sich der Verkehr etwas beruhigt hat, weil die Leute wissen, dass sie in bestimmten Bereichen langsamer fahren müssen. Weiteres Problem: Der oft als sehr störend empfundene Lkw-Verkehr. Die Laster sind zwar laut, trotzdem aber meist nicht zu schnell und würden somit gar nicht erfasst.

Norbert Reinhardt sprach sich dafür aus, an die Vernunft der Verkehrsteilnehmer zu appellieren. Die Stadt solle Anzeigetafeln aufstellen, auf denen das jeweils gefahrene Tempo aufleuchtet. Das hat nach seiner Ansicht eine erzieherische Wirkung. Zwei dieser Tafeln sind mit jeweils 15 000 Euro bereits im Haushalt vorgesehen.

"Bleifüße" sollten aufpassen

Die Ausschussmitglieder waren übereinstimmend dafür, zunächst mit den Hinweistafeln anzufangen. Es sollten aber vier statt zwei werden, besonders der Ostring in Homberg noch bedacht werden. "Die Lösung ist billiger, bringt aber was," zeigte sich Gerhard Kuntz überzeugt. Etwa dann, wenn eine weitere Tafel sich beim Autofahrer "bedankt", dass er nicht zu schnell gefahren ist.

Nach einem Jahr an Erfahrung mit den Infotafeln soll dann eine erneute Auswertung erfolgen. Autofahrer, die gern auf die Tube drücken, sollten sich aber nicht allzu sicher wähnen: Parallel will die Stadt die mobilen Geschwindigkeitsmessungen verstärken. Die Empfehlung an die Stadtverordneten war einstimmig.

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