Enormer Andrang am Tag des offenen Schlosses in Homberg

Homberg (rs). Der Andrang war riesig: Zum Tag des offenen Schlosses am Sonntag kamen zahlreiche Homberger, aber auch Besucher aus anderen Kommunen. Sie erlebten ein Gebäude, das weitgehend in Schuss ist.

Homberg (rs). Homberg benötigt ein größeres Schloss. Denn der Andrang gestern zum ersten von zwei Tagen der offenen Tür bedeutete in den Fluren und Treppenhäusern zeitweise drangvolle Enge, so groß war das Interesse der Bürger, in den allermeisten Fällen erstmals einen Blick in das die Altstadt dominierende Gebäude werfen zu können. Was die Besucher sahen war zwar alt und in vielen Teilen auch marode, aber - so jedenfalls viele der Meinungsäußerungen - in einem so guten Zustand hatten es sich die Bürger wohl nicht vorgestellt. Eine ganze Reihe von Vereinen, Institutionen und Einzelpersonen haben ein so ansprechendes Beiprogramm auf die Beine gestellt, dass nur ein flüchtiger Blick in das Gemäuer, um einen Eindruck von der Bausubstanz zu erhaschen, sicher fehl am Platz war. Es gab alleine drei Räume mit Kuchen- und Würstchenangebot sowie Getränken, für die Kinder wurden Märchen vorgelesen, es traten Musikanten auf und es gab vielfältige Informationen über die Historie in mehreren Räumen.

An zwei Stellen konnten sich die Bürger äußern, was sie von dem möglichen Ankauf von Schloss und Areal halten: Zum einen gleich im Eingangsbereich an einem Stand der Stadt und zum anderem in einem Zimmer im Obergeschoss, in dem man seine Meinung auf Kärtchen (grün für pro Kauf, rot für kontra) bekunden und dieses an die rechte (contra) oder linke (pro) Seite des Zimmers heften konnte. Am kommenden Sonntag sind die Außenanlage, das Schloss sowie die zuletzt landwirtschaftlich genutzten Nebengebäude wieder von 11 bis 17 Uhr zu besichtigen.

"Wollt ihr auch das Schloss kaufen?" – Launige Bemerkungen gab es bereits beim Aufstieg von der Altstadt auf den Schlossberg, als in der Mittagszeit die Menschen dicht an dicht durch das Schlosstor strömten. Wer bei immer mal wieder einsetzendem leichten Nieselregen den Weg zu Fuß scheute, der konnte den Shuttleservice der Freiwilligen Feuerwehr nutzen, der von der Frankfurter Straße (gegenüber dem Schleckermarkt) direkt vor das Schlosstor fuhr. Bei den entgegenkommenden Besuchern gab es viele, die es bei den optischen Eindrücken nicht hatten bewenden lassen und mit einem Kuchenteller den Schlossgarten verließen.

In dem Nebengebäude rechts des Schlosses konnte man sich einen Eindruck von den alten Stallungen verschaffen, die einstmals auch zu Teilen als Kirche genutzt worden waren. Dort waren die Räume durch zwei Rindviehcher und einen Wollestand etwas belebt. Vor dem Haupteingang des Schlosses werden wohl nicht alle Besucher auch einen Blick in den mächtigen Gewölbekeller geworfen haben, denn der Abgang unter der auch als mystischen Treppe ins Nichts bezeichneten Überdachung war recht dunkel, im Gewölbe selbst brannten einige Fackeln, die Atmosphäre erinnerte an Mantel-und- Degenfilme.

Eng wurde es dann für die Besucher mit Betreten der Eingangshalle. Dort war von der Stadt der Abstimmungsstand aufgebaut, ebenso konnte man sich dort über die Räumlichkeiten anhand von Kartenmaterial informieren. Wer geglaubt hatte, nach der wochenlangen Kälteperiode in dem seit Jahren ungenutzten Gemäuer frieren zu müssen, lag falsch, denn bereits der offene Kamin in der Eingangshalle verströmte trotz ständig offener Türe eine wohlige Wärme. In den anderen Räumen waren - soweit nicht über eine Zentralheizung befeuert - Öfen mit Holz und/oder Briketts aufgestellt.

Was sich den Besuchern – die Zahl lässt sich schwer schätzen, aber es können bei dem steten Kommen und Gehen um die Tausend gewesen sein – in den Räumen vom Bauzustand bot, war sehr unterschiedlich. Da gibt es Räume, in denen bröckelt großflächig der Putz, sind Deckenteile abgestützt. Aber viele Wände machen auch einen ganz guten Eindruck, speziell die Böden mit dicken Dielen imponieren. Was jedenfalls bei dem Tag des offenen Schlosses ganz sicher die Bewährungsprobe bestanden hat, ist das hölzerne Treppenhaus, denn die immer mal aufgeworfene Frage von Besuchern, wie sich das mit der Statik verhält, war bei dem Andrang nicht abwegig. Auf der einen Treppenseite drängten die Menschen aufwärts, auf der anderen abwärts. Auch die Holzbalken der voluminösen Dachstühle fanden vielfach zustimmende Äußerungen, darunter auch von Besuchern, die extra von Romrod gekommen waren, wo vor Jahren das Schloss saniert worden war. Das habe weitaus schlimmer ausgesehen, so der Eindruck der Romröder. Richtig wohnlich war es dann in den verschiedenen Schlosscafés, dazu gab es Instrumentalmusik und Gesang, für die Kinder wurden im "Dornröschenzimmer" Märchen vorgelesen.

Wer am Sonntag nicht da war, sollte das unbedingt in einer Woche nachholen. Dann kann man sich eine eigene Meinung bilden, ob Feststellungen von Kaufbefürwortern stimmen: "Homberg ohne Schloss ist wie Köln ohne Dom" und "Homberg ohne Schloss ist wie Romeo ohne Julia".

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