Dören: "Schielen nicht neidisch auf Gewerbesteuer"

Homberg/Amöneburg (ks). An der Windenergie scheiden sich die Geister – für die Einen lockt viel Geld, die Anderen sehen Vogelschutz und Nachtschlaf bedroht.

In den vergangenen Monaten hat das Thema an Brisanz noch gewonnen. Nahe der Ohmstadt hat sich ein neuer Streitfall aufgetan, auf der Mardorfer Kuppe sollen auf dem Gebiet der Stadt Amöneburg 16 Windkraftanlagen entstehen. Dazu gab es vergangene Woche in Roßdorf eine Bürgerversammlung, bei der Vertreter der Firma Juwi das Projekt vorstellten.

Mit seinem Ebsdorfer Amtskollegen Andreas Schulz sieht Hombergs Bürgermeister Prof. Béla Dören das Projekt seit Monaten kritisch – das brachten beide bei der Infoveranstaltung zum Ausdruck. Die Mardorfer Kuppe grenzt direkt an Homberger und Ebsdorfer Gemeindegebiet. 1,1 Kilometer ist die kürzeste Distanz der Anlagen zur Bebauung, in diesem Fall zu Höingen, wie die "Oberhessische Presse" berichtete. Danach darf ein dort geplantes 200 Meter hohes Windrad maximal 30 Minuten lang Schatten auf Ortschaften werfen – im Fall des ebenfalls betroffenen Haarhausens wären das rund 38 Minuten.

Die Firma Juwi, die das Projekt plant, ist kein kleiner Fisch im Karpfenteich – allein im vergangenen Jahr wuchs die Zahl der Mitarbeiter von 500 auf 1800 Mitarbeiter, der Umsatz stieg auf eine Milliarde Euro. Die im rheinland-pfälzischen Wörrstadt beheimatete Firma plant und finanziert Öko-Kraftwerke – ob für Sonnenstrom, Windstrom oder Biogas. Amöneburg soll vor allem über die Gewerbesteuer von den Windkraftriesen profitieren. Auch interessierte Bürger oder Nachbargemeinden sollen sich an den Anlagen beteiligen können, die Geschäftsform ist noch offen. Laut Sven Kunze von der Firma Juwi sind alle Gutachten abgeschlossen. Danach gäbe es in keiner Hinsicht Probleme etwa in naturschutzfachlicher Art, so dass man nun mit zunächst neun Anlagen in Roßdorf in das Genehmigungsverfahren beim Regierungspräsdium gehen werde.

Auf Anfrage dieser Zeitung meinte Bürgermeister Dören, geplant seien Anlagen, die 44 000 Haushalte mit Strom versorgen können, Amöneburg habe aber nur rund 3000 bis 4000 Haushalte. Seine Kritik macht sich vor allem daran fest, dass die Anlagen deutlich näher an Homberger und Ebsdorfer Gemeindegebiet als an Amöneburg liegen, "davon sind wir also in höchstem Maß betroffen." Auch die Möglichkeiten zur Einspeisung des Stroms ins Netz lägen nicht auf dem Amöneburger Gebiet.

Die angebotene Beteiligung will Dören in dieser Form nicht akzeptieren: "Man bietet uns ein Tortenstück an, auf dem – mal abgesehen vom Teig – fast alles fehlt, etwa der Schokoguss und das Marzipan." Abgesehen von der finanziellen Seite gelte es aber auch den planerischen Teil zu beleuchten. Grundsätzlich könne man durchaus dort, wo Wind weht, Anlagen hinstellen, allerdings umweltverträglich. Offenbar sei aber in Amöneburg vorgesehen, alle Anlagen auf dem Buckel zu konzentrieren – "auf Gestaltung und die Nachbarschaft wird keine Rücksicht genommen." Das werde man sich nicht gefallen lassen, stellte Dören klar. Er wünscht sich mehr Fairness im ganzen Verfahren und betont: "Wir schielen nicht gierig nach Amöneburg und wollen unseren Anteil an der Gewerbesteuer.

" Das hatte der Amöneburger Rathauschef Michael Richter-Plettenberg unterstellt. Leider sei bei Treffen keine Bewegung in die "Frage eines fairen Miteinanders gekommen", so Dören. Man werde vor vollendete Tatsachen gestellt mit der Aussicht, sich doch noch beteiligen zu können, "aber die Krümel des Kuchens kehre ich nicht zusammen." Notfalls werde man auch den Klageweg beschreiten, wenn es nicht anders geht, darauf verständigte sich der Magistrat dieser Tage. Das sei aber erst das letzte Mittel – zunächst möchte man alle anderen möglichen Wege gehen.

Amöneburgs Bürgermeister Michael Richter-Plettenberg wies vorige Woche darauf hin, dass die Tür für die Nachbarkommunen weiterhin offen stehe. So will er sich dafür einsetzen, "dass die Gemeinden Homberg und Ebsdorfergrund das gleiche Angebot erhalten werden wie die Stadt Amöneburg, sich mit Kapital am Projekt zu beteiligen".

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare