Dienstags wurde Fränkel von der CIA verhört

Homberg (dar). Am Donnerstagabend war die Stadthalle gut gefüllt – zahlreichen kamen Interessierte der Einladung der Homberger Buchhandlung nach, um den erfolgreichen Autor Michel Bergmann aus seinem neuesten Roman "Machloikes" lesen zu hören.

Das Publikum, das in der Pause auch kulinarisch verwöhnt wurde, genoss einen rundum gelungenen Abend.

"Machloikes" ist der zweite Teil einer geplanten Trilogie. 2010 erschien bereits Bergmanns Werk "Die Teilacher". Die Teilacher sind eine Gruppe jüdischer Handelsvertreter, die in der frühen Nachkriegszeit in Frankfurt am Main, versuchen ihre Existenz aufzubauen. Und Bergmann weiß, wovon er schreibt, stammt er doch aus einer jüdischen Handelsfamilie. In der anschließenden Fragerunde verriet er, dass viel Autobiographisches in seinen Geschichten dabei sei. Äußerst unterhaltsam und lebhaft las der Erfolgsautor aus "Machloikes", was im Jiddischen so viel wie Durcheinander oder auch Ärger heißt, vor. Mit viel Witz und Charme nahm er sein begeistertes Publikum mit in die Welt der Frankfurter Teilacher.

Sein Roman erzählt, wie es mit den jüdischen Handelsvertretern rund um den fünfzehnjährigen Alfred Kleefeld und seinen Onkel David Bermann weitergeht. Die Überlebenden des Holocaust wollten eigentlich nur eine kurze Weile in Deutschland bleiben, um dann nach Israel oder in die USA zu gehen. Doch schließlich sind sie wider Erwarten sesshaft geworden.

"Machloikes" hat zwei Haupthandlungsstränge: Der junge Alfred wird allmählich erwachsen. Dabei träumt er von einer glücklichen Zukunft und von seinen Leidenschaften – einem Rennrad und der schönen Juliette. "Und zwar in dieser Reihenfolge", erzählt Michel Bergmann schmunzelnd. Einer der anderen Protagonisten, Robert Fränkel, hat sich vom Teilacher-Dasein verabschiedet und erfolgreich einen Teppichladen eröffnet. Seine drei Angestellten sind ziemlich skurrile Charaktere. Auch Alfred beginnt bei dem Teppichverkäufer zu arbeiten, um sich seinen Wunsch nach einem Rennrad erfüllen zu können. Eines finden Robert Fränkels Freunde und Bekannte merkwürdig: Jeden Dienstag verschwindet er: Fränkel wird nämlich von den Amerikanern verdächtigt mit den Nationalsozialisten zusammengearbeitet zu haben. Denn sein Name taucht häufig in den beschlagnahmten SS-Akten auf.

Deswegen wird er jede Woche erneut von der CIA verhört. Dass er Hitler das Witzeerzählen beibringen sollte, wird ihm von der CIA nicht geglaubt. Und so beginnen für Fränkel die Machloikes.

"Machloikes" besticht durch einen feinfühligen und tiefsinnigen Humor, der trotz der ernsten Thematik nicht zu kurz kommt. Bergmanns Charaktere und ihre Geschichten sind oftmals komisch und dennoch bewegend. Der Autor schafft es, die komplizierte Nachkriegszeit mit ihren vielfältigen Facetten, wie dem wirtschaftlichen Aufschwung, den Nachwehen des Nationalsozialismus’ und auch der Identitätsfrage, mit einer lebendigen Leichtigkeit zu beschreiben, wobei es ihm nie an Ernsthaftigkeit fehlt. Seine Protagonisten erzählen immer wieder Geschichten aus ihrer Vergangenheit, die er geschickt als Rückblenden in seinen Roman einbaut.

Michel Bergmann versteht es nicht nur faszinierend und fesselnd zu schreiben, sondern auch zu lesen und zu erzählen. Er schlüpfte während seiner Lesung immer wieder in die unterschiedlichen Rollen und ahmte gekonnt die verschiedensten Dialekte nach. Sein schauspielerisches Talent lässt sich wohl auf seine jahrelange Erfahrung als Drehbuchautor, Regisseur und Produzent zurückführen. Ob Berliner Schnauze, den charmanten Akzent einer jungen Französin oder gar sein Singsang als Hans Albers – Bergmann brillierte mit seiner unterhaltsamen Vortragsweise.

In der anschließenden Fragerunde erzählte er, dass der erste Teil seiner Trilogie – also "Die Teilacher" bereits im nächsten Jahr verfilmt wird. Auch wird der dritte Band seiner Romanreihe "Herr Klee und Herr Feld" im März 2013 veröffentlicht. Viele der Zuhörer nutzen am Donnerstagabend abschließend die Gelegenheit Bergmanns "Machloikes" zu erwerben und von ihm persönlich signieren zu lassen.

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