"Derzeitige Situation stellt Herausforderung dar"

Homberg (kan). Viele Neugierige waren am Samstag Nachmittag nach Homberg in den Frankfurter Hof gekommen, um den Bürgermeisterkandidaten Béla Dören kennenzulernen und Fragen an ihn loszuwerden.

Homberg (kan). Viele Neugierige waren am Samstag Nachmittag nach Homberg in den Frankfurter Hof gekommen, um den Bürgermeisterkandidaten Béla Dören kennenzulernen und Fragen an ihn loszuwerden. Der Andrang war so groß, dass für viele nur noch ein Stehplatz blieb. Der Herausforderer des amtierenden Bürgermeisters Volker Orth freute sich über die zahlreichen Besucher, mache das doch das große Interesse an dieser Wahl deutlich. "Brücken bauen in die Zukunft" sei sein Wahlslogan, erklärte Dören, der in Budapest geboren wurde und 1956 mit seinen Eltern nach Deutschland kam. Er wuchs in Paderborn und Bochum auf, bevor er sein Studium in Aachen aufnahm.

Der 59-Jährige ist seit seinem Start ins Berufsleben in verschiedenen Verwaltungen beschäftigt gewesen, 1993 bis 1997 baute er in den neuen Bundesländern eine neue Verwaltung auf. Danach war er acht Jahre Dezernent für Hoch- und Tiefbau in Köln, anschließend Mitglied mehrerer Aufsichtsräte bei Stadtwerken. Die letzten sechs Jahre hat er zum großen Teil im Ausland verbracht: In China, Vietnam und Afrika arbeitete er als Berater vor allem auf kommunaler Ebene. Nun möchte er gerne in Homberg dauerhaft sesshaft werden, auch weil sein Sohn hier arbeitet, so Dören.

Vor allem reize ihn aber die Arbeit als Bürgermeister in Homberg, weil die derzeitige Situation eine Herausforderung darstellt. Er sehe Homberg als lebendige Stadt, die aber mit mehreren Problemen zu kämpfen habe. Dies seien der demografische Wandel, aber ebenso die Finanzkrise. Nicht nur die wegfallenden Arbeitsplätze stellen laut Dören eine Schwierigkeit dar, sondern auch weniger Einnahmen durch sinkende Gewerbesteuern. Diese Entwicklung lasse keinen Raum mehr für freiwillige Ausgaben, die eine Kommune eigentlich prägen.

Deshalb werbe er für seine Wahl nicht mit Geschenken, sondern er wolle den Bürgern "reinen Wein einschenken und mehr Transparenz zur finanziellen Lage schaffen". Außerdem wolle er den Haushalt mittelfristig durch das Schaffen neuer Arbeitsplätze in Ordnung bringen, sagte Dören. Homberg habe durch die Nähe zu Marburg, Gießen und dem Rhein-Main-Gebiet eine gute Lage. Deshalb möchte er die Landflucht umkehren und in Homberg einen Standort aufbauen, der Menschen anzieht. Dabei sei es ihm wichtig, dass die Bürger sich in einem Konzept wiederfinden und dahinter stehen.

Drei Angelegenheiten erscheinen ihm als besonders schwierig, sagte Béla Dören: der Umgang mit den Dorfgemeinschaftshäusern und den Feuerwehren in den Ortsteilen sowie die Frage, welcher Standard bei der sozialen Versorgung und in Kindergärten gehalten werden kann. Dören nannte die Fragen, die ihm für eine Diskussion im Falle seiner Wahl am wichtigsten erscheinen. Zuerst sei dies die Frage nach den Möglichkeiten, den Haushalt zu sanieren und handlungsfähig zu bleiben.

Außerdem müsse man sich fragen, welche sozialen Leistungen wichtig sind und wie das Ehrenamt eingesetzt werden kann. Des Weiteren halte er es für wichtig, Nachteile des ländlichen Raumes durch Ausbauen der Infrastruktur zu beheben. Auch für den Umgang mit der Verwaltung stellte er seine Ziele vor. Dort müsse man den Anforderungen einer modernen Dienstleistungsverwaltung gerecht werden. Das bedeute, dass den Mitarbeitern einiges abverlangt werde, aber keiner müsse Angst vor dieser Veränderung haben. Seine Ansprüche an seine eventuelle Amtszeit fasste Béla Dören so zusammen: Er möchte mehr Transparenz durch einen Bürgerhaushalt erreichen. Um die Homberger in die Arbeit des Rathauses einzubeziehen, wolle er ein Bürgerforum einrichten.

Ein erster Schritt dorthin soll in dieser Woche unternommen werden, wenn die Internetseiten und eröffnet werden. Dort stellt er sein Programm vor und bietet Besuchern die Möglichkeit, ihre Meinung loszuwerden. Zu den Ortsteilen sagte Dören, dass sie zum Gesamtbild gehören und durch mehr Verantwortung und ein Budget gestärkt werden sollen.

Im Anschluss stellte sich Dören den Fragen der Besucher. Auch hier stand die wirtschaftliche Situation im Mittelpunkt. Auf Nachfrage erklärte er, dass eine mittelfristige Sanierung des Haushaltes bis zu zehn Jahre dauern könne. Auf den Einwand, dass er bis dahin in Pension sein könne, erwiderte er, er hoffe, eine zweite Amtszeit antreten zu können.

Auch sei seine Bezahlung als Bürgermeister nicht höher als die jedes anderen Kandidaten. Und seine spätere Pension habe die Stadt Homberg nur zu einem kleinen Teil zu tragen.

Der Forderung, konkrete Maßnahmen zur Haushaltssanierung zu nennen, entgegnete Dören, dass es Ziel sein muss, genug Menschen in Homberg zu haben, um die Lebensqualität halten zu können. Auch gebe es einige Gebühren, die nicht kostendeckend seien und über die man nachdenken müsse.

Ein weiterer Punkt war der Umgang mit Jugendlichen. Dören gab zu, noch keinen detaillierten Überblick über mögliche Maßnahmen zu haben, er erkenne aber das Problem. Er habe einst am Kölner Bahnhof einen Jugendtreff initiiert.

Auch die aktuelle Müllthematik wurde angesprochen. Er hätte sich gegen die Neuregelung gewehrt, sagte Dören, eine gerechte Lösung sei aber schwer zu finden. Weitere Themen waren der Flächenleerstand in der Innenstadt, der Tourismus und der Umgang mit älteren Menschen. Dören nahm die Anregungen auf, machte aber auch klar, dass es noch zu früh sei, über konkrete Maßnahmen in allen Bereichen zu reden. Zu seiner Gastprofessur in Chemnitz erklärte er, dass er diese nicht auslaufen lassen wolle. Sie umfasse nur wenige Stunden, die er am Block hält, so dass er möglichst viel Zeit in Homberg verbringen könne. Diese Arbeit sei ihm wichtig.

Er stelle sich der Wahl "aus Überzeugung und Engagement, nicht des Geldes wegen", so Béla Dören abschließend.

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