Über und über behangen mit Schlafsäcken, Decken und anderen Kleidungsstücken, wartet dieser festgenommene Aktivist auf seinen Abtransport durch die Polizei. FOTO: DPA
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Über und über behangen mit Schlafsäcken, Decken und anderen Kleidungsstücken, wartet dieser festgenommene Aktivist auf seinen Abtransport durch die Polizei. FOTO: DPA

Brandstifter in Forstbetrieb?

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Homberg/Kirtorf(dpa/ks). Die Arbeiten im Dannenröder Wald als Vorbereitung für den Bau der Autobahn gehen unvermindert weiter. Wieder kam es zu einer Reihe von Vorfällen, als Ausbaugegner Widerstand leisteten. Laut Baugesellschaft DEGES sollte die Hälfte der Fällungen in dieser Woche abgeschlossen werden. Die Besetzung verlangsame den Fortschritt, gefährde aber nicht den Abschlusstermin 28. Februar, so ein Sprecher gegenüber der "Frankfurter Rundschau".

Bekennerschreiben echt?

Nach einem Feuer in einem Forstbetrieb prüft die Polizei einen möglichen Zusammenhang mit den Protesten gegen den A49-Ausbau. Man untersuche das, sagte ein Sprecher der Polizei. In Grebenau-Bieben hatte ein Teil der Holzfassade eines Bürogebäudes gebrannt. Die Polizei schließt Brandstiftung nicht aus. Nach Angaben der Ermittler war das Feuer in der Nacht zu Freitag ausgebrochen. Die Feuerwehr habe den Brand schnell unter Kontrolle gebracht. Verletzt wurde niemand. Der Sachschaden liegt nach vorläufigen Schätzungen im unteren sechsstelligen Bereich. Es handele sich bei der Firma um einen Forstdienstleister. Im Internet tauchte ein angebliches Bekennerschreiben auf, zu dessen Echtheit sich die Polizei zunächst nicht äußerte. Im Schreiben wird der Firma eine Beteiligung an den Rodungsarbeiten vorgeworfen.

Wegen des Absturzes einer Umweltaktivistin am vergangenen Samstag hat die Staatsanwaltschaft zwischenzeitlich ein Ermittlungsverfahren wegen des Anfangsverdachts der fahrlässigen Körperverletzung im Amt gegen eine Polizeibeamtin eingeleitet, hieß es auf Anfrage. Es könne derzeit nicht ausgeschlossen werden, "dass sie auf ein Seil getreten ist und es infolgedessen zum Einstürzen des Skypods gekommen ist", so Thomas Hauburger von der Staatsanwaltschaft. Zu diesem Fall würden bislang Zeugenaussagen von neun Personen vorliegen. Neben einer Einsatzhundertschaft aus NRW waren auch Kräfte der hessischen Bereitschaftspolizei vor Ort. Die Ermittlungen gegen einen Polizisten im Zusammenhang mit dem Absturz einer Umweltaktivistin am 15. November dauerten an. Insbesondere müssen wohl noch weitere Zeugen befragt werden. Ein abschließendes Ergebnis zu zentralen Fragen zum Durchtrennen des Seils liege noch nicht vor.

Am Donnerstag kam es dann zu einem Angriff auf Polizeibeamte. Einsatzkräfte der Höhenrettung stiegen auf einen Baum im Norden des Dannenröder Forstes, um ein Plateau von Ausbaugegnern zu räumen. Nach dem Ermittlungsstand soll sich das Folgende ereignet haben.

Ausbaugegnerin in Haft

Eine noch nicht identifizierte Frau bewegte sich mehrfach, mit Karabiner an einem Seil gesichert, von Baum zu Baum. Als sie von einem Beamten ergriffen und festgehalten wurde, habe sich die Frau mit Schlägen und Tritten gewehrt. "Mehrfach trat sie mit dem beschuhten Fuß gegen Kopf und Hände des Beamten, sodass dieser beinahe das Gleichgewicht verlor", so die Polizei. Einem zweiten Polizisten habe die Frau ihr Knie ins Gesicht gerammt. Erst als ihr der Einsatz eines Distanz-Elektroimpulsgerätes angedroht worden sei, habe sie vom Baum heruntergeholt werden können.

Sie wurde vorläufig festgenommen und beim Amtsgericht Alsfeld vorgeführt. Die Richterin ordnete Untersuchungshaft an, unter anderem wegen "des dringenden Verdachts des versuchten Totschlags sowie des tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte in einem besonders schweren Fall". Es bestehe Fluchtgefahr, da die Frau keine Ausweispapiere hatte und keine Angaben zu ihrer Identität machte.

Zudem wurde am Donnerstag ein landwirtschaftliches Anwesen bei Lehrbach durchsucht. Die Polizei suchte nach gefährlichen Gegenständen und Beweismitteln. Es wurden "sehr wenige Sachen sichergestellt, darunter ein Plakat, welches gegebenenfalls von Ausbaugegnern herrührt". Abschließend betonte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, "dass der Eigentümer/Besitzer des Gehöfts Zeuge und nicht Beschuldigter ist".

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