Bürgermeister Edwin Schneider (l.) und Revierleiter Peter Kraus informieren sich über den Arbeitsfortschritt beim Käferholzeinschlag FOTO: AU
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Bürgermeister Edwin Schneider (l.) und Revierleiter Peter Kraus informieren sich über den Arbeitsfortschritt beim Käferholzeinschlag FOTO: AU

Holz wird nach China verschifft

  • vonDieter Graulich
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Ulrichstein(au). Der land- und forstwirtschaftliche Ausschuss der Stadt Ulrichstein beschäftigte sich dieser Tage mit dem Ergebnis des Waldwirtschaftsplanes im abgelaufenen Haushaltsjahr 2019 sowie mit dem Waldwirtschaftsplan für das Jahr 2020. Der Leiter der Revierförsterei Ulrichstein, Forstamtmann Peter Kraus, erläuterte das umfassende Zahlenwerk anhand von zahlreichen Tabellen, Grafiken und aktuellen Fotos aus dem Stadtwald.

Rückblickend schilderte Kraus den dramatischen Schadensverlauf in den Fichtenbeständen des Vogelsberges aller Waldbesitzarten. Seit dem 18. Januar 2018, als der "Orkan Friedericke" auch über Hessen tobte, ist nichts mehr so wie es einmal war, sagte der Forstmann. Die letzten zweieinhalb Jahre waren nach seinen Angaben durch extreme Schadensereignisse wie Stürme und Dürreperioden gekennzeichnet, in deren Folge insbesondere der Borkenkäfer den Fichten extrem zusetzte.

Die Witterungsbedingungen, trockene und heiße Sommer, führten in ganz Mitteleuropa zu extrem hohen Borkenkäferpopulationen, die in der Lage sind, auch ausgedehnte Fichtenbestände in kürzester Zeit zum Absterben zu bringen. Der große Schadholzanfall, in Deutschland spricht man derzeit von geschätzten 160 Millionen Festmetern, hat den Fichtenholzpreis zum Absturz gebracht. Der Markt ist mit Fichtenholz überschwemmt. Die Absatzmöglichkeiten, zum Teil auch der Corona-Krise geschuldet, sind eingeschränkt, so dass Fichtenholz von Holzkäufern und Selbstwerbungsfirmen oft nur stark kontingentiert nachgefragt wird. Einige Firmen haben sich auf Exportholz spezialisiert, das in Containerlängen aufgearbeitet und zum Beispiel nach Ostasien verschifft wird.

Auch im Stadtwald Ulrichstein wird derzeit Käferholz von einer Selbstwerbungsfirma nach China exportiert. Das entlastet mengenmäßig den heimischen Markt, wenngleich der Transportpreis den Holzpreis um ein Vielfaches übersteigt.

Der Schadholzanfall liegt im Bereich des Stadtwaldes Ulrichstein derzeit bei geschätzten 6000 Festmetern, Tendenz steigend. Dabei ist noch nicht absehbar, welche, und ob überhaupt, älteren Fichtenbestände im Stadtwald Ulrichstein überleben werden, informierte Kraus weiter. Betroffen sind alle Höhenlagen. Viele Bestände sind durch Sturmschäden, wie der in diesem Frühjahr durch gezogene Orkan Sabine oder durch frühere Käferholzaufarbeitung instabil. Die so entstandenen Bestandeslücken und besonnten Innenränder werden von den Borkenkäfern besonders gerne zur Eiablage angeflogen. Wie viele Bruten die Borkenkäfer in diesem Jahr anlegen können, hängt entscheidend von dem Witterungsverlauf des Restjahres ab. So hoffen die Forstleute auf niedrige Temperaturen und hohe Niederschläge.

"Diese problematische Gesamtsituation belastete schon erheblich die Einnahmeseite des Waldwirtschaftsplanes für das abgelaufene Haushaltsjahr 2019. Nur durch einschneidende Maßnahmen auf der Ausgabenseite und durch in Anspruch genommene Fördermittel konnte das geplante Ergebnis mit einem Überschuss von rund 18 000 Euro noch erreicht werden", sagte Revierleiter Kraus. Ausgabenschwerpunkte waren 2019 neben dem Unternehmereinsatz für die Holzernte, die Wiederaufforstung von drei Hektar Kalamitätsflächen, Jungwuchspflege, Wegeinstandsetzung, sowie der Schutz der Kulturpflanzen gegen Wildverbiss. Rund 8000 Euro wurden von der Stadt in diesem Jahr aufgewendet, um die jungen Kulturpflanzen gegen das Abbeißen der Terminalknospe durch Rehwild zu schützen.

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