Zimmerer bauen Gebäude mit vorgefertigten Wänden, wie Walter und Ingo Maiß mit Obermeister Clemens Schneider (v. l.) an Elementen für einen Carport zeigen.
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Zimmerer bauen Gebäude mit vorgefertigten Wänden, wie Walter und Ingo Maiß mit Obermeister Clemens Schneider (v. l.) an Elementen für einen Carport zeigen.

Mit Holz aus der Region bauen

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
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Holz gibt es reichlich in der Region, warum also nicht Häuser damit bauen? Zimmerleute machen dafür Werbung. Denn aus dem traditionellen Baustoff lassen sich moderne Gebäude errichten, die heutigen Ansprüchen vollauf genügen. Beispiele liefert eine Firma wie Maiß Holzbau-Bedachung in Appenrod.

Zimmerleute können mehr als einen Dachstuhl zimmern oder Fachwerk sanieren - zum Beispiel komplette Häuser aus regionalen Rohstoffen errichten. "Wir könnten sogar das neue Finanzamt in Lauterbach komplett in Holz ausführen", sagt Clemens Schneider. Der Obermeister der Zimmerer-Innung wirbt mit seinen Fachkollegen dafür, die Möglichkeiten mit neuen Baustoffen aufzuzeigen.

Das unterstreicht Ingo Maiß aus Appenrod. "Die Zeiten sind vorbei, dass man als Zimmerer nur mit dem Hammer aufs Dach steigt." In Holzrahmenbauweise entstehen heute hochwertige Häuser mit sehr guter Dämmung und dem überaus angenehmen Wohnklima von natürlichen Baustoffen. Dabei greifen die Vogelsberger Zimmerleute eine landesweite Initiative auf, die Sägewerke, Landkreise, Forst und Plattenwerkstoffhersteller aufgelegt haben. "Modernes Bauen mit regionalen Baustoffen" ist dabei die Devise.

Das stand auch im Mittelpunkt einer Ausstellung in einer Bank in Lauterbach. Die Schau sollte auch in Alsfeld gezeigt werden, was aber vor dem Hintergrund der Coronakrise nicht mehr möglich war. Beim Ortstermin auf dem Gelände von Holzbau Maiß stellten Walter und Ingo Maiß mit Clemens Schneider nun die Initiative vor. So bauen die Homberger Zimmerleute gerade einen gut acht Meter langen Carport aus Balken und Holzwerkstoffplatten. Der Rahmen entsteht wie beim Fachwerkbau aus Balken in der benötigten Stärke.

Gutes Raumklima

Dabei ist es ein Riesenvorteil, dass heutzutage in den Holzwerken vorgetrocknete Hölzer zu langen Balken von 13 Metern und mehr verleimt werden. Die Handwerker sind also nicht darauf angewiesen, Baumstämme mit einem passenden Querschnitt zu besorgen. Länge und Stärke lassen sich auf Wunsch herstellen. Im Unterschied zur klassischen Handwerkstechnik im Fachwerkbau wird die Wand nicht mit Streben, sondern durch Platten versteift. Sie bestehen aus mehreren Lagen verleimtem Holzes. "Das gibt eine stabile Wand", urteilt Walter Maiß.

Der Hohlraum in der Wand kann mit einem Dämmstoff nach Wahl gefüllt werden, besonders beliebt sind Mineralwolle und Zellulose. Das bringt sehr hohe Dämmwerte, wie Maiß betont.

Für ein gutes Raumklima sorgt Holz allemal, weil Feuchtigkeit durch die Wände diffundieren kann. Inzwischen sind für den Innenausbau sogar Platten in Lehmbauweise verfügbar. Auf der Außenseite kann ein Putz aufgetragen werden.

Holz aus heimischen Wäldern ist ein idealer Rohstoff für die Bauwirtschaft. Das Material ist nachhaltig und ressourcenschonend, ähnlich den Fachwerkhäusern ist ein solcher Bau haltbar über Generationen. Dabei sind die gestalterischen Möglichkeiten fast unbegrenzt. Jedes Gebäude kann heute in Holz geplant und gebaut werden. So können Zimmerermeister selbst planen und bauen, wenn Gebäude bis vier Stockwerke und 200 Quadratmeter Wohnfläche entstehen sollen.

Ein großer Vorteil sind die kurzen Aufbauzeiten. Die vorgefertigten Bauteile sind schnell gestellt und stabilisiert. "Wir können in drei Tagen ein regendichtes Haus aufbauen", informiert Ingo Maiß. Die Häuser sind schnell beziehbar, weil sie nicht durchtrocknen müssen wie bei anderer Bauweise.

Noch ein Vorteil: Weil die Bauweise relativ leicht ist, sind Aufstockungen auf Häuser einfacher umsetzbar.

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