1. Gießener Allgemeine
  2. Vogelsbergkreis

Hoffnung für Gießener Karstadt

Erstellt:

Kommentare

oli_karstadt2_081122_4c_1
Ein neuer Besitzer könnte das drohende Aus des Gießener Kaufhauses abwenden. © SCHEPP

Eine Schließeung der Gießener Karstadt-Filiale wäre nicht nur für die Mitarbeiter katastrophal, sondern auch für den gesamten Einzelhandel in der Fußgängerzone. Dabei verdichten sich die Anzeichen, dass Gießen zu den von einer Schließung betroffenen Filialen gehören könnte. Gleichzeitig keimt auch Hoffnung.

Ein roter Punkt befindet sich in der Spalte rechts neben dem Eintrag »Karstadt Gießen«. Es ist ein Punkt, der den Mitarbeitern aus dem Seltersweg Sorgen bereiten dürfte. Die »Immobilien Zeitung« hat dieser Tage eine Analyse von 131 Galeria-Filialen veröffentlicht, welche auch Kaufhäuser auflistet, die von der drohenden Schließungswelle betroffen sein könnten. Ein grüner Punkt bedeutet dabei, dass eine Fortführung wahrscheinlich ist, bei einem gelben wird die Zukunft als ungewiss eingestuft, ein roter Punkt steht für eine unwahrscheinliche Fortführung. Wie bei den meisten Filialen, die nicht der Signa Holding und somit dem Galeria-Karstadt-Kaufhof-Eigner René Benko gehören, ist die Prognose der »Immobilien Zeitung« für Gießen schlecht. Aber es gibt auch einen Hoffnungsschimmer.

Seit einigen Tagen ist Markus Schön prominente Figur der deutschen Medienlandschaft. Sein Unternehmen »buero.de« wolle zahlreiche Karstadt-Filialen übernehmen, die vom Konzern Galeria-Karstadt-Kaufhof geschlossen werden sollen, teilte der Vorstandsvorsitzende der Onlineplattform für Bürobedarf mit. Auf einer 47 Standorte umfassenden Liste, die die BILD-Zeitung jüngst veröffentlichte, ist auch Gießen aufgeführt. Ob es sich dabei tatsächlich um jene Filialen handelt, die Schön zu übernehmen plant, will der Geschäftsmann gegenüber dieser Zeitung nicht bestätigen. Dafür betont er, dass sein Unternehmen »großes Interesse an dem Standort in Gießen« habe.

»Wir sind von den Konzept eines Warenhauses in mittelgroßen Städten wie Gießen überzeugt. Nach der Corona-Pandemie wollen die Menschen nicht nur online unterwegs sein«, sagt Schön.

Mit modernen Ansätzen, die zu den relevanten Zielgruppen passen würden, online und stationären Vernetzungen, einem gutem Sortiment, einer zeitgemäßen Warenpräsentation und von den Ansätzen überzeugenden Mitarbeitenden werde viel gelingen und die Warenhäuser hätten - mindestens an den 47 Standorten - eine echte und dauerhafte Zukunft, betont Schön gegenüber dieser Zeitung.

Laut Schön fließt in die Entscheidung, welche Filialen übernommen werden sollen, Sogwirkung, Frequenz, Kaufkraft und Alleinstellungsmerkmal ein. »Hier bietet uns die innerstädtische Struktur in Gießen gute Möglichkeiten, den Standort, die Warenpräsentation und unsere online-Expertise so zu verbinden, dass wir wirklich wieder Kauferlebnisse schaffen können«, sagt Schön und fügt an: »Zudem ist unsere Wahrnehmung, in Gießen ein motiviertes Team vorzufinden.«

Ob Journalisten aus anderen Städten für die dort zu findenden Filialen ähnlich lautende Statements bekommen haben, ist unklar. Hoffnung dürften die Aussagen von Schön bei der Gießener Belegschaft dennoch wecken.

Ob Gießen tatsächlich zu jenen Filialen gehören wird, die der Konzern aufgeben will, steht jedoch keinesfalls fest. »Die Analyse ist ein reines Meinungsstück von uns«, sagt Christoph von Schwanenflug von der »Immobilien Zeitung«. Für die Einstufung in die Kategorien grün, gelb und rot seien drei Parameter ausschlaggebend gewesen: Zum einen bezieht sich die Fachzeitung für Immobilienmanagement auf ein Buch des Warenhausexperten und einstigen Kaufhaus-Managers Gerd Hessert, der 2012 rund 200 Kaufhausstandorte klassifiziert hat und darin Gießen als Abschöpfungsstandort bezeichnete. »Dort wird Karstadt die Geschäfte weiter führen, aber nicht mehr groß investieren«, sagt von Schwanenflug mit Blick auf das Jahr 2012. Da sich während dieser zehn Jahre viel verändert haben könnte, hat der Redakteur der »Immobilien Zeitung« auch aktuell mit einem Warenhausexperten gesprochen. Der dritte entscheidende Grund für den roten Punkt ist die Tatsache, dass die Immobilie im Seltersweg nicht der Signa Holding gehört - dafür aber vielleicht bald Geschäftsmann Schön.

Auch interessant

Kommentare