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Armin Klein Geschäftsführer VGO

Wie hoch fällt das Defizit aus?

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Die Corona-Pandemie hat auch den öffentlichen Personennahverkehr massiv getroffen. Vielerorts wird nun für Busse und Bahnen ein Schutzschirm gefordert. Während die Busse zunächst völlig leer blieben, erfolgt derzeit der langsame Neustart - mit Spuckschutz für die Fahrer. Fragen an Armin Klein, Geschäftsführer der Verkehrsgesellschaft Oberhessen (VGO).

Auch der ÖPNV ist massiv von der Krise betroffen, siehe Einbruch bei Fahrgastzahlen. Wie wirkt sich das bei der VGO aus?

Die Corona-Pandemie hat sich auf den öffentlichen Personennahverkehr und natürlich auch auf die VGO spürbar ausgewirkt. Mit Inkrafttreten der Kontaktsperre, der Abstandsregelungen und der Schulschließung haben wir nahezu leere Busse gehabt. Gleichzeitig wurde der Vorneeinstieg und damit der Fahrscheinverkauf in den Bussen ausgesetzt und auch im Innenbereich haben sich diese aufgrund von Spuckschutzscheiben oder Abtrennungen zum Fahrer verändert.

Wie sah der Fahrplan aus? Gab es Einschränkungen, weniger Busse?

Um das Defizit so gering wie möglich zu halten, sind wir selbstverständlich tätig geworden. Wir haben mit den Verkehrsunternehmen abgestimmt, dass nach Schließung der Schulen am 16. März noch eine Woche nach dem Regelfahrplan gefahren wird. Danach haben wir ab dem 23. März einschließlich der Woche nach den Osterferien den Ferienfahrplan in Kraft gesetzt. Dort, wo aufgrund der Notbetreuung Busse benötigt wurden, haben wir in Abstimmung mit den Schulen den Fahrplan angepasst. Seit dem 27. April fahren wir wieder nach dem Regelfahrplan wie an Schultagen.

An anderen Orten werden Rufe nach einem Rettungsschirm für Verkehrsbetriebe laut. Ist es absehbar, dass die Kreise einen weit größeren Zuschuss als in den Vorjahren leisten müssen?

Wie hoch das Defizit der VGO aufgrund der Auswirkungen der Pandemie letztendlich sein wird, können wir noch nicht beziffern. Klar ist, dass es eine deutliche Steigerung geben wird, die Auswirkungen auf die Landkreise hat. Eine Erholung der Umsätze nach Lockerung der Corona-Maßnahmen wird sich unserer Einschätzung nach nur schleichend einstellen. Klar ist: Die Verkehrsunternehmen haben - auch auf ausdrücklichen Wunsch der Politik - von Beginn der Pandemie an in sehr hohem Maße die Verkehre weiter aufrechterhalten, damit die Menschen, die Mobilität benötigen, an ihren Arbeitsplatz kommen konnten und das ganze Land weiter in Bewegung blieb. Hierfür müssen Bund und Länder gemeinsam kurzfristige finanzielle Lösungen finden, wofür wir auch Signale sehen. Wie hoch und in welcher Form eine Unterstützung geschieht, bleibt abzuwarten.

Wie werden aktuell die Hygienemaßnahmen in den Bussen umgesetzt, welche Vorkehrungen gibt es etwa für die Fahrer, was müssen Fahrgäste beachten?

Nach wie vor ist der Vorneeinstieg ausgesetzt und die Fahrerinnen und Fahrer durch eine Abtrennung von den Fahrgästen separiert. Dort, wo Verkehrsunternehmen Spuckschutzscheiben für die Fahrer eingebaut haben, kann auch wieder vorne eingestiegen werden und damit auch der Fahrkartenverkauf stattfinden. In Bezug auf Maßnahmen zum Gesundheitsschutz im ÖPNV (Reinigung, Verhalten, etc.) hat der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen eine Richtlinie veröffentlicht. Diese hat die VGO allen Verkehrsunternehmen zu ihrer Orientierung für die Reinigungsroutinen weitergeleitet. Darüber hinaus sind die Unternehmen sowie deren Fahrer gehalten, über ausgehängte Plakate und Aufkleber sowie mit Durchsagen die Fahrgäste auf das richtige Verhalten nachdrücklich hinzuweisen.

Was gilt für die Fahrgäste?

Um sich und andere nicht zu gefährden, sollten sich die Fahrgäste über die gesamte Länge der Fahrzeuge verteilen, um das Einhalten des Mindestabstands so weit es geht zu gewährleisten. Das Tragen von Mund-Nase-Bedeckungen in Bus und Bahn ist Pflicht - gerade, weil hier nicht immer der Abstand von 1,5 Metern eingehalten werden kann.

Wie sieht es beim Schülertransport aus? Wenn jetzt wieder mehr Kinder die Schule besuchen, wie viele dürfen mitfahren?

Hier gibt es keine besonderen Regelungen. Das Einhalten von Maskenpflicht oder Mindestabstand wird weder von der VGO noch den Verkehrsunternehmen kontrolliert und sanktioniert. Das bedeutet, dass im Regelfall zunächst einmal keine Fahrgäste des Busses verwiesen werden, wenn sie keine Maske tragen oder Busse zu voll erscheinen. Wir wissen derzeit auch nicht, wie viele Schüler im Rahmen des angelaufenen Präsenzunterrichts überhaupt mitfahren.

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