Die Seniorengruppe im Burghof. FOTO: PM
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Die Seniorengruppe im Burghof. FOTO: PM

Auf historischen Spuren

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Gemünden(pm). Im Rahmen der vom Seniorenbeirat initiierten Ortsbegehungen besichtigte kürzlich der Seniorentreff bei herrlichstem Wetter die Burganlage Burg-Gemünden sowie die Kirche. Begrüßt wurden die Teilnehmer von Ortsvorsteher Florian Albert. Er freute sich über das Interesse der Senioren an Heimatgeschichte. Zu oft werde übersehen, welche historischen Kostbarkeiten die unmittelbare Umgebung zu bieten hat. Im weiteren Verlauf informierten Roland Albert, ehrenamtlicher Mitarbeiter des Gemeindearchivs, sowie die Verwalterin der sich in Privatbesitz befindlichen Burganlage, Frau Justus.

Schnell zog Roland Albert die Zuhörer mit seinen kenntnisreichen Erläuterungen, bei denen auch kleine Anekdoten nicht fehlten, in seinen Bann. 1274 wurde die Burg demnach zum ersten Mal urkundlich erwähnt, danach durch den hessischen Landgrafen zerstört und später wieder aufgebaut. Ursprünglich hatte sie die Aufgabe, die Furt durch die Ohm zu sichern.

Im Jahr 1372 bekam die Burg Stadt- und Marktrechte mit Gerichtsbarkeit. Nach Aussterben der Ziegenhainer Grafen ging die Burg 1450 an die Landgrafen und gehörte seit 1648 endgültig nach Hessen-Darmstadt. Im Laufe ihrer Geschichte wurde die Burg als Amtssitz mit Gefängnis, Forstverwaltung, Wohnraum für den Reichsarbeitsdienst und nach dem Zweiten Weltkrieg als Flüchtlingsunterkunft genutzt. Heute ist sie in Privatbesitz. Aufwendig restauriert, kann das Haupthaus für Festlichkeiten gemietet werden, erläuterte Justus, bevor sie die Führung durch die Räumlichkeiten übernahm.

Standort der Kirche hatte Vorrang

Eine Frage beschäftigte die Senioren besonders: Weshalb wurde die Burg nicht auf die Nase des Burgbergs gebaut, dort, wo heute die Kirche steht? Roland Albert konnte Auskunft geben: Obgleich die Kirche erst später als die Burg, nämlich 1499, urkundlich erwähnt wurde, stand, so geben Grundmauern Auskunft, bereits vor dem Bau der Burg dort eine Kirche. Damit war in Zeiten, in denen sakrale Bauten uneingeschränkten Vorrang genossen, der eigentlich optimale Platz für eine Burg bereits vergeben.

Der heutige Kirchenbau stammt aus dem Jahr 1749, erfuhren die Zuhörer, bauliche Elemente des Vorgängerbaus sind aber noch erhalten und integriert worden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche bis zum Bau der katholischen Kirche in Nieder-Gemünden ökumenisch genutzt.

Den Kaffee mit Kuchen nahm der Seniorentreff diesmal in erlesenem Ambiente bei herrlichstem Sonnenschein coronagerecht im Burghof ein. Der Vorsitzende des Seniorenbeirats, Peter Gabriel, dankte Justus und Albert für die unterhaltsamen Führungen und Erläuterungen.

"Auswärtige" hatten viel Neues erfahren und selbst gebürtige Burg-Gemündener konnten sich über interessante neue Details freuen, war man sich einig.

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